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Hückeswagen
Baby-Willkommensbesuche als Türöffner

Hückeswagen: Baby-Willkommensbesuche als Türöffner
Gruppenbild mit Hebammen (vorne v.l.): Susanna Müller, Claire Peter, Generalvikar Dr. Dominik Meiering, (hinten v.l.): Manuela Neumann, Susanne Lessing, Ansgar Nowak (Leiter Herbstmühle), Christoph Bersch (Kreisdechant). FOTO: weitzdörfer
Hückeswagen. Vier Familienhebammen sind für den Oberbergischen Kreis und mithin auch für Hückeswagen und Radevormwald zuständig. Die Betreuung für Eltern in Not kann bis zu einem Jahr dauern - je nach Einschätzung der Fachfrauen. Von Wolfgang Weitzdörfer

Die Schwangerschaft ist für werdende Eltern oft eine nicht ganz einfache Zeit. Hilfreich ist dabei nicht nur bei der Geburt die Betreuung durch eine Hebamme. Auch vor und nach der Geburt kann es hilfreich sein, wenn ein Dritter dabei ist. Da kommt die Familienhebamme ins Spiel. "Wir sind ausgebildete Hebammen, dazu haben wir die Fortbildung zur Familienhebamme gemacht. Derzeit gibt es in Wipperfürth und Radevormwald jeweils zwei", sagt Susanna Müller. Sie ist selbst Familienhebamme und berichtete jetzt zusammen mit ihren drei Kolleginnen Claire Peter, Susanne Hessing und Manuela Neumann Generalvikar Dr. Dominik Meiering aus dem Erzbistum Köln von ihrer Arbeit.

Die Familienhebammen kommen, zumindest theoretisch, zu allen frischgebackenen Eltern, sagt Müller. "Das sind die sogenannten Babybesuche, die wir anbieten. In Wipperfürth und Radevormwald besuchen wir pro Jahr 200 neue Eltern." Natürlich können Eltern sagen, dass sie den Besuch nicht wünschen, aber das Angebot werde gut angenommen, versichert Susanna Müller.

Die Fälle unterscheiden sich dabei schon von der Intensität her - und damit auch von der Besuchsfrequenz. So gebe es Familien, die sie oder ihre Kolleginnen jeden Wochentag besucht hätten, bei anderen Familien wiederum seien sie nur einmal pro Woche gewesen. "Die Zeitdauer hängt auch vom Zeitpunkt der Kontaktaufnahme ab. Theoretisch sind natürlich auch ein Jahr und neun Monate möglich", sagt Müller und schmunzelt.

Grundsätzlich könne die Begleitung der Eltern und ihres neugeborenen Kindes aber bis zu dessen ersten Geburtstag andauern. Ausnahmen bestätigen die Regel: "Wir haben auch schon Eltern gehabt, die nach einem halben Jahr gesagt haben: Danke, aber jetzt kommen wir klar." Das sei natürlich gut, aber auch abhängig davon, ob die Expertinnen dazu ihr Jawort geben. "Wir überprüfen schon, ob die Eltern das richtig einschätzen können", sagt Müller. Ihre Kollegin Peter ergänzt: "Die Babywillkommensbesuche sind ein Türöffner, wir sind sehr gerne gesehen - und das ist auch das Schöne an unserem Beruf."

Die Familienhebammen kommen nach der Ankündigung mit einem Geschenkpaket zu den frischgebackenen Eltern. "Zu 95 Prozent nehmen die Eltern unser Angebot an. Wir bringen dann eine Tasche mit verschiedenen Begrüßungsgeschenken mit - ein Babythermometer etwa, oder Babybadetücher. Eben alles, was frischgebackene Eltern brauchen können", sagt Peter. Dazu gäbe es einen Ordner mit allen Infos zu den Angeboten der jeweiligen Stadt. "Das deckt sowohl den psychosozialen Bereich ab, aber natürlich auch den medizinischen und gesundheitlichen", sagt Peter.

Das Angebot der Familienhebammen sei sehr wichtig, betonte auch Meiering: "Familie ist das Wichtigste, was unsere Gesellschaft hat." Und die Bedeutung des Angebots stellte Müller direkt heraus: "Wir haben suchtkranke oder minderjährige Eltern, Väter oder Mütter mit psychischen Erkrankungen. Dann kommen Eltern mit sogenannten Schreikindern zu uns, aber auch solche mit kranken, behinderten oder frühgeborenen Kindern."

Ebenfalls ein bedeutsames Thema sind Eltern von Flüchtlingskindern oder Eltern mit Mehrlingskindern. Wichtig sei die professionelle Unterstützung, auch in Situationen, die nicht alltäglich sind. "Wir sind Hebammen, das kriegt man auch nicht mehr aus uns raus", sagt Müller und lacht.

Quelle: RP
 
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