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Hückeswagen
Bei Trischans jüdischen Witzen bleibt das Lachen nicht im Halse stecken

Hückeswagen: Bei Trischans jüdischen Witzen bleibt das Lachen nicht im Halse stecken
Michael Trischan wusste mit jüdischen Witzen zu überzeugen. FOTO: Bauer
Hückeswagen. Dass der jüdische Witz sehr speziell und eine ganz eigene Humorgattung ist, wurde den rund 50 Zuschauer schnell klar, die am Freitagabend ins Kultur-Haus Zach gekommen waren. Sie ließen sich von TV-Schauspieler Michael Trischan, der vielen aus seiner Rolle als Pfleger Hans-Peter Brenner in der ARD-Krankenhaus-Serie "In aller Freundschaft" bekannt ist, bestens unterhalten. Von Wolfgang Weitzdörfer

In der Serie überschreitet er ständig seine Kompetenzen und riskiert ein ums andere Mal Ärger mit den Ärzten in der Leipziger Sachsenklinik. In dieser Rolle wirkt Trischan immer ein wenig humorbefreit. Und jetzt sollte er in seinem Programm "Sex am Sabbat" mit jüdischem Witz überzeugen? Dass das klappte, war vor allem Trischans angenehmer Erzählweise zu verdanken. Mal hektisch, mal eher gemächlich, aber immer auf den Punkt kommend und mit Gespür für Dramaturgie, brachte er böse, derbe und tragische Witze am laufenden Band und wusste auch mit teils jiddisch eingefärbter Sprache zu begeistern.

Der zweite, ebenfalls wichtige Garant für diese äußerst gelungene und kurzweilige knapp anderthalbstündige Vorstellung war die musikalische Begleitung. Attila Trischan, Sohn des Schauspielers und Musikstudent, spielte Keyboard, sein Studienfreund Johannes Dau brillierte an der Klarinette. Gemeinsam sorgten sie mit perfekt getimten Zwischenspielen für eine besondere, nahezu comic-hafte Atmosphäre. Sie spielten Klezmer, jene traditionelle jüdische Volksmusik, die zumeist sehr flott vorgetragen wird und geschickt zwischen Fröhlichkeit und Melancholie changiert. Immer wieder spielten die beiden auch längere Stücke, die vom sichtlich begeisterten Publikum mit besonders starken Applaus gewürdigt wurden. Ein abendfüllendes Konzert dieser beiden großartigen Musiker wäre eine feine Sache.

Trischan selbst hatte einen Heidenspaß beim Erzählen und grinste immer wieder bis über beide Ohren, wenn er einmal mehr eine gelungene Pointe herausgehauen hatte, die für lautstarkes Gelächter im Publikum sorgte. Männer und Frauen waren oft das Thema - und das immer auf bitterböse Art: "Meine Frau und ich haben das Geheimnis für eine glückliche Ehe herausgefunden: Wir gehen zweimal in der Woche in ein schönes Restaurant. Sie geht am Dienstag, ich am Donnerstag." Oder: "Herr Kohn, Ihre Frau lässt ans Telefon bitten! - Lässt bitten? Das kann unmöglich meine Frau sein."

Bei trockenen Pointen wie diesen war es absolut stimmig, dass Trischan sie genauso trocken herüberzubringen vermochte. Auch dann, wenn das Grauen des Nazi-Regimes auf die Schippe genommen wurde: "Ein Wahrsager geht zu Adolf Hitler und sagt zu ihm: 'Sie werden an einem jüdischen Feiertag sterben.' Hitler fragt: 'Wann denn?' Der Wahrsager antwortet: 'Das ist ganz egal. Jeder Tag, an dem Sie sterben, wird ein jüdischer Feiertag sein.'"

Den Titel seines Programms und die Witze hatte der Wahl-Leipziger, der aus Hessen stammt, von Ilan Weiss übernommen, der 2010 die gleichnamige Witzesammlung "Sex am Sabbat" herausgebracht hat. "Ich hatte immer schon ein Faible für die jüdische Kultur", sagte Trischan in der Pause. Am Freitag zeigte sich, dass jüdische Witze ganz spielerisch über einen ganzen Abend unterhalten können. Vor allem dann, wenn sie mit so viel Spaß vorgetragen werden.

Quelle: RP
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