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Hückeswagen
Bei Uwe Heinhaus ist die D-Mark noch was wert

Hückeswagen. Auch 14 Jahre nach der Einführung des Euro bezahlen im Spiel- und Lederwarengeschäft Heinhaus zahlreiche Kunden mit der D-Mark. Daher braucht der Händler auch zwei Registrierkassen. Von Wolfgang Weitzdörfer

In der Vorweihnachtszeit hatte Uwe Heinhaus, Inhaber des gleichnamigen Spiel- und Lederwarengeschäfts in der Bahnhofstraße, das bekannte Banner wieder ins Schaufenster gehängt: "Hier können Sie mit DM bezahlen", stand dort in großen Buchstaben geschrieben. Denn auch noch 14 Jahre nach der Einführung des Euro als Bargeld zum 1. Januar 2002 - bereits 1999 wurde die europäische Währung als Buchgeld eingeführt - ist der Andrang von Kunden, die in der alten Währung zahlen wollen, groß. "Wir machen das jetzt schon seit fast 14 Jahren so. Und jeden Tag findet irgendwo irgendjemand ein paar alte DM", wie Heinhaus schmunzelnd erzählt. "Bei uns können sie damit bezahlen - wir wollen dann aber vor allen Dingen die Geschichten hören, die hinter diesen Funden stecken."

Die sind manchmal jedoch ganz banal: "Oft kommen Leute, die den Haushalt eines verstorbenen Verwandten aufgelöst und dabei den prall gefüllten Sparstrumpf im Schrank gefunden haben. Oder es sind ältere Menschen, die in einer sentimentalen Stunde nach ihrer Goldhochzeit wieder einmal die Glückwunschkarten zur Silberhochzeit durchgesehen haben. Dabei purzelt dann dem einen oder anderen ein DM-Schein entgegen", erzählt Heinhaus.

Teilweise sind es aber auch die etwas abseitigeren Geschichten, die hinter den DM-Funden stecken. "Da war beispielsweise einmal ein Kunde, der seinen alten Nachtspeicherofen entsorgt hat. An den Geräten sind ja Schlitze an der Seite. Und da hinein haben die Kinder des Kunden wohl über die Jahre hinweg immer wieder Münzen hineingeworfen." Mit für den Kunden durchaus lukrativem Ergebnis: "Er kam mit 800 DM in Münzen zu uns", sagt Heinhaus lachend.

Wie alt und zerknittert die Scheine und angelaufen die Münzen auch immer sein mögen - bei Heinhaus werden die weiterhin angenommen. "Aber natürlich geht das nicht in einer Registrierkasse. Deswegen haben wir eine Sortenkasse für die DM und unsere normale Kasse für den Euro", erläutert Heinhaus.

So haben sich über die Monate und Jahre hinweg viele, viele DM-Scheine und -Münzen an der Bahnhofstraße angesammelt. Die werden dann von Uwe Heinhaus etwa zweimal im Jahr zum Umtausch nach Hagen zur Landeszentralbank gebracht. "Die kennen mich mittlerweile und gehen immer schon laufen, wenn ich mit meinen Kartons angefahren komme", sagt der Einzelhändler lachend. Beim vorigen Besuch ist er mit 48.000 Münzen vorgefahren: "Das wiegt dann schon eine ganze Menge", sagt Heinhaus. Die Münzen werden bei der LZB eingeschmolzen, die Scheine geschreddert.

Für Heinhaus ist die Deutsche Mark nach wie vor "seine" Währung: "Für mich hat der Euro einen ganz anderen, viel niedrigeren Stellenwert. Zumindest emotional", ergänzt er. Deswegen hat er in seinem Geschäft auch direkt nach der Währungsreform die Möglichkeit angeboten, noch mit der alten Währung zu bezahlen: "30 Jahre kann man das. Und wir ziehen das jetzt durch, auch wenn wir am Anfang dafür belächelt wurden", sagt Heinhaus.

Für den Umsatz sind die zahlreichen DM-Funde letztlich auch gut: "Wir sind mittlerweile bekannt, die Leute kommen auch aus der weiteren Umgebung - Köln, Engelskirchen, Wuppertal, Kürten - und kaufen dann nach Herzenslust ein. Denn für die ist das Geld ja praktisch vom Himmel gefallen", erklärt Heinhaus.

Quelle: RP
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