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Hückeswagen
Bever fühlt sich wohl in schwierigem Job

Hückeswagen: Bever fühlt sich wohl in schwierigem Job
FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Hückeswagen. Der erste Monat als neue Kämmerin liegt für Isabel Bever bald zurück. Die 50-Jährige ist zufrieden, obwohl die Rahmenbedingungen nicht gerade optimal sind. Sie hofft für die Zukunft auf noch mehr Beteiligung der Bürger. Von Stephan Büllesbach

Ihr "Lieblingskind" ist gestorben. Nur einige ostdeutsche Kreise und die Stadt Hückeswagen hätten an dem Leuchtturmprojekt des Bundes "Prozessbeschreibung" teilgenommen, so dass das inzwischen wieder zu den Akten gelegt wurde. "Die Behördenwelt macht nicht mit", bedauert Isabel Bever. Dabei hätte das Thema sehr gut auf Verwaltungen angewandt werden können, um vor allem Effektivität und Qualität zu beleuchten.

Für Hückeswagen setzt die neue Leiterin der Kämmerei, die zum 1. Juni den aus gesundheitlichen Gründen ausgeschiedenen Bernd Müller abgelöst hatte, auf die Steuerung von Ressourcen, "vornehmlich auf die des Geldes", sagt sie im Gespräch mit der BM. Als Basis dafür dient das 2006 eingeführte Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF), das wiederum auf dem Handelsgesetzbuch basiert. Die Hückeswagener Verwaltung ist demnach ein mittelständisches Unternehmen, und genauso möchte Isabel Bever zusammen mit Bürgermeister Dietmar Persian den Betrieb auch steuern. "Das Zahlenwerk des Haushalts und besonders das Arbeiten mit Zielen und Kennzahlen ist die Grundlage dafür", erläutert die Kämmerin. Nur sei das für die meisten Beteiligten neu.

Isabel Bever hat sich selbst mehrere Ziele für ihre Arbeit gesetzt. So will sie unternehmerisch denken, Verantwortung für die Zukunft übernehmen und "mit breitem Fachwissen die notwendigen Entscheidungen und Entwicklungen für die Verwaltung vorantreiben". Die Entscheidungen, die die Politik trifft, will sie entsprechend unterstützen und begleiten. Dabei spielen die Kommunikation aller Beteiligten und auch die Verständlichkeit und Klarheit der Darstellung eine entscheidende Rolle. "Das ist mir ein besonderes Anliegen, denn unsere Auftraggeber und Kunden sind die Bürgerinnen und Bürger. Sie haben einen Anspruch auf bestmögliche Information und Teilhabe", sagt sie.

So strebt die Kämmerin an, die Bürgerbeteiligung mehr in den Fokus zu rücken. Dass sich viele Hückeswagener in den vergangenen Monaten, als um den Haushalt für 2015 gerungen wurde, engagiert und eingebracht hatten, fand sie sehr fruchtbar.

Die Stadt müsse und werde weiter sparen. "Aber es ist einfach nicht mehr der ganz große Blumentopf zu gewinnen", stellt sie fest. Die Kommunalaufsicht und der Bund der Steuerzahlen hätten der Stadt bescheinigt, seit Jahren zu sparen. "Unser Potenzial ist ausgeschöpft", verdeutlicht die Kämmerin. Noch mehr Personal abzubauen, könne sich die Stadt nicht leisten. "Ansonsten würde die Qualität leiden."

Bereits jetzt arbeitet die Kämmerei am Haushalt 2016, der voraussichtlich im Dezember eingebracht werden soll. "Darin fließen alle aktuellen Zahlen mit ein", erläutert Isabel Bever. Also auch die zusätzlichen Mittel vom Bund etwa für die Erstattung der Flüchtlingskosten. "Die sind trotzdem nicht auskömmlich und vor allem nicht wirklich planbar." Denn wer wisse schon heute, wie sich etwa die Zahl der Asylbewerber oder die Stromkosten weiter entwickeln werden?

Überhaupt habe die Stadt nur wenig gestalterische Möglichkeiten: Sie habe im Haushaltssicherungskonzept lediglich Einfluss auf unter zehn Prozent der Gesamtaufwendungen. Die Kämmerin bereitet die Hückeswagener daher darauf vor, dass nicht mehr alle Standards - etwa bei der Grünflächenpflege oder dem Winterdienst - so bedient werden können, wie das in der Vergangenheit der Fall gewesen war.

Die Einnahmen, die die Stadt etwa aus einer Parkgebühr erzielen will - die Erlösvorgabe liegt bei mindestens 120 000 Euro -, sind für den Haushalt wichtig. Ob die Parkautomaten im nächsten Jahr wirklich aufgestellt werden, kann Isabel Bever noch nicht sagen. Ihr Blick geht nicht zuletzt deshalb auch immer wieder Richtung Bund und Land, von woher vielleicht doch noch zusätzliche Finanzmittel in die Schloss-Stadt fließen werden. Doch letztlich sei finanzieller Druck auch Veränderungsdruck. "Den braucht es oft, und er hat auch eine höchst gute Seite", betont die neue Kämmerin.

Die ersten vier Wochen im neuen Amt bezeichnet Isabel Bever als "gut, spannend und rappelvoll mit Terminen". Die Zusammenarbeit und die Unterstützung der Kollegen in der Stadtverwaltung sei toll. Nicht zuletzt deshalb fühle sie sich recht wohl in ihrer Rolle, auch wenn die etwas leichter sein könnte. "Unser Land und unsere Stadt haben in der Vergangenheit schon viele Probleme gemeistert, und das werden sie auch in Zukunft tun", gibt sie sich optimistisch.

Quelle: RP
 
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