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Hückeswagen
Bewerber-Rückgang bei Ausbildungen

Hückeswagen: Bewerber-Rückgang bei Ausbildungen
Lange Zeit begehrt, geht die Nachfrage nach einer Ausbildung im Frisörhandwerk jetzt offenbar zurück. FOTO: Ralf Hohl
Hückeswagen. Die Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach hat die Daten des Ausbildungsjahres 2016/2017 analysiert: Im Oberbergischen Kreis sinkt das Interesse von Jugendlichen an einer Ausbildung. Zeitgleich meldeten die Firmen weniger freie Stellen. Von Merlin Bartel

Unbesetzte Ausbildungsstellen trotz Bewerberüberschuss: Im Ausbildungsjahr 2016/2017 sanken die Bewerberzahlen im Oberbergischen Kreis, gleichzeitig meldeten weniger Firmen Ausbildungsplätze an die Agentur für Arbeit (AA). Aufgrund dessen begannen weniger Bewerber eine Ausbildung als im Vorjahr. Die Anzahl der unbesetzten Stellen stagnierte.

2109 Jugendliche suchten nach einer Ausbildung (minus 1,7 Prozent), 105 von ihnen hatten Anfang November noch keinen Ausbildungsplatz gefunden - ein deutlicher Anstieg um 29,6 Prozent. In Oberberg wurden der Arbeitsagentur bis Ende September 1542 Ausbildungsstellen gemeldet - das sind 5,8 Prozent weniger als im Vorjahr. 120 davon blieben allerdings unbesetzt (plus 16,5 Prozent).

"Weniger gemeldete Ausbildungsstellen und mehr unversorgte Bewerber - diese Situation kann uns nicht zufriedenstellen", sagt Stefan Krause, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Bergisch Gladbach, die auch für Hückeswagen zuständig ist. Daher läuft aktuell eine Nachvermittlungsphase: Auch jetzt können noch Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. "Ziel ist, noch möglichst viele Jugendliche und Arbeitgeber zusammenzubringen", erklärt Krause. Informationen zu diesem Prozess erhalten Bewerber und Arbeitgeber bei den IHK-Beratungsstellen, der Kreishandwerkerschaft sowie der Arbeitsagentur.

"Die Lage in unserem Bezirk ist ernst", hat auch Marcus Otto, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, festgestellt. "Bereits jetzt ist abzusehen, dass durch fehlende Ausbildungsverträge künftig Versorgungslücken entstehen." Diese könnten sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region auswirken. "Es muss deutlich gemacht werden, dass eine qualifizierte berufliche Ausbildung gleichwertig zur akademischen Bildung ist", sagt Otto und rechnet vor: "Ein Meister verdient in seinem Leben ähnlich viel wie ein Bachelor-Absolvent."

Innerhalb der Berufsbilder hat es über die Zeit jedoch starke Schwankungen gegeben: Verlierer der aktuellen Entwicklung sind vor allem Frisöre, Maler, Lackierer und Zimmerer - in diesen Jobs wurden für das Ausbildungsjahr 2016/2017 weniger Verträge geschlossen. "Das ist kein gutes Signal für kundennahe Dienstleistungen", kritisiert Otto. Profiteure sind hingegen Bäcker, Kfz-Mechatroniker, Dachdecker und Tischler - bei ihnen zeigt sich ein klarer Aufwärtstrend.

"Trotz einiger Erfolge ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt weiter angespannt", sagt Otto. "Arbeitsplätze in Industrie und Verwaltung werden von Eltern häufig als sicherer und lukrativer wahrgenommen. Die Handwerksbetriebe sind jedoch nicht weniger attraktiv." Tischler seien heute im komplexen Ladenbau tätig und müssen mit moderner Technik arbeiten. Auch Bäckermeister bieten mittlerweile ein anspruchsvolleres Angebot, um auf Lebensmittel-Unverträglichkeiten sowie Ernährungstrends zu reagieren.

Bei Zweifeln an der Eignung der Bewerber haben Unternehmen die Möglichkeit einer Einstiegsqualifizierung: Firmen können die Fähigkeiten junger Menschen sechs bis zwölf Monate lang im Arbeitsalltag testen. Funktioniert die Zusammenarbeit, wird ein Vertrag geschlossen - die Zeit der Einstiegsqualifizierung kann dann angerechnet werden.

Auch im Bezirk der IHK Köln gingen die Ausbildungsverträge zurück (minus 1,1 Prozent). Die negative Entwicklung betrifft jedoch ausschließlich den kaufmännischen Bereich, während industriell-technische Berufe weiterhin gefragt sind. "In Bereichen, die keine Stellen aufbauen, wird auch weniger ausgebildet", sagt Michael Sallmann, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Oberberg. "Die hohe Nachfrage belegt die gute konjunkturelle Lage der Industrie im Oberbergischen Kreis."

Quelle: RP
 
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