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Hückeswagen
Brandschutz fürs Schloss wird überprüft

Hückeswagen: Brandschutz fürs Schloss wird überprüft
Statt im gesperrten großen Sitzungssaal tagte der Rat am Dienstagabend im Musikraum der Realschule. FOTO: Stephan Büllesbach
Hückeswagen. Die Sperrung des großen Sitzungssaals im Schloss durch die Stadtverwaltung war erst der Anfang. Wird sie doch nicht umhin-kommen, ein Brandschutzkonzept für das alte Gemäuer aufzustellen, hieß es in der Sondersitzung des Rates am Dienstag. Von Stephan Büllesbach

Im zwölften Jahrhundert mag es vielleicht Brandschatz-Experten gegeben haben, mit Sicherheit jedoch keine für den Brandschutz. Und eine Baugenehmigung fürs Schloss mussten seine Erbauer vor mehr als 850 Jahren nicht einreichen - zumal es keine entsprechende Behörde gab. Doch heute, im 21. Jahrhundert, sieht die Sache anders aus. Zwar handelt es sich bei dem Grafenschloss, in dem die Stadtverwaltung und das Heimatmuseum untergebracht sind, nicht um einen Sonderbau, in dem etwa Veranstaltungen für mehr als 200 Menschen möglich sind oder bei dem es sich um ein Bürogebäude mit mehr als 3000 Quadratmetern Geschossfläche handelt. Doch im Ratssaal halten sich schon mal bis zu 70 Menschen auf - und dort fehlt der zweite Rettungsweg.

Deshalb hatte Bürgermeister Dietmar Persian diesen Raum vor drei Wochen gesperrt. Auch die Bauaufsicht hatte, nach einer Besichtigung mit Vertretern der Brandschutzdienststelle, darauf gedrängt. Das berichtete Dieter Klewinghaus, Leiter des Regionalen Gebäudemanagements, am Dienstagabend in der Sondersitzung des Stadtrats. Der fand, weil der Sitzungssaal im Schloss für jedwede Veranstaltung gesperrt ist, im Musikraum der Realschule statt.

Bürgermeister Dietmar Persian betonte zu Beginn, dass der Brandschutz immer mehr an Bedeutung gewonnen habe - spätestens seit der Katastrophe im Düsseldorfer Flughafen, bei der am 11. April 1996 17 Menschen ums Leben gekommen waren. "Wir haben das Thema immer sorgfältig behandelt", sagte er und verwies auf die Schwerpunkte Schulen und größere Gebäude wie die Mehrzweckhalle. Das Schloss sei vor einigen Jahren mit einer Brandmeldeanlage ausgestattet worden, zudem seien sogenannte Brandlasten - also leicht entflammbare Gegenstände - aus dem Dachgeschoss entfernt worden.

Das sei bei der Besichtigung der Brandschutz-Experten zwar positiv vermerkt worden, sagte Klewinghaus. "Sie wiegen den im Sitzungssaal fehlenden zweiten Rettungsweg aber nicht auf, weil der erste nicht die dafür erforderliche Qualität hat." Der führt durch eine schmale Tür und über eine Holztreppe ins Innere des Schlosses. Die Sperrung des Ratssaals sowie die Besichtigung sind Folgen der Wortmeldungen von Brigitte Thiel (FaB) und Shirley Finster (Grüne), die im jüngsten Sozialausschuss den zweiten Rettungsweg gefordert hatten.

"Die Bauaufsicht verlangt in erster Linie die Herstellung des zweiten Rettungswegs für den Ratssaal", berichtete Klewinghaus. In Frage kommen zwei Lösungen, die jetzt geprüft werden sollen. So könnte ein Durchbruch durch die hintere Tür ins Heimatmuseum gemacht werden. Allerdings liegt dessen obere Etage 1,61 Meter tiefer, so dass eine Treppe erforderlich ist. Auch ist die Spindeltreppe ins Erdgeschoss des Museums wohl ungeeignet. Sollte eine neue Treppe installiert werden, müsste auch die Holzdecke den Vorschriften entsprechend erneuert werden. Zudem bräuchte die Außentür des Museums ein Panikschloss.

Denkbar ist auch ein Durchbruch in der hinteren, linken Seite des Ratssaals nach draußen, wofür an der Außenseite eine Fluchttreppe angebracht werden müsste. Jede der beiden möglichen Lösungen müssten aber zunächst mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden, unterstrich Klewinghaus.

"Wir werden nun nicht umhinkommen, ein Brandschutzkonzept fürs Schloss aufzustellen", sagte er. Ein renommiertes Büro aus Radevormwald, das zurzeit ein ähnliches Konzept für Schloss Burg aufstellt, soll sich mit der Materie vertraut machen. Klewinghaus weiter: "Aufgrund der Vielzahl an notwendigen Maßnahmen und Abstimmungen ist eine kurzfristige Lösung nicht möglich." Auch könnten naturgemäß noch keine Kosten beziffert werden.

Quelle: RP
 
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