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Hückeswagen
Carola Leppings Syrien lag nicht in Trümmern

Hückeswagen: Carola Leppings Syrien lag nicht in Trümmern
1960 hatte Carola Lepping eine 33-tägige Reise nach Syrien unternommen, woraus später ihr Buch "Syrische Reise" entstand. Die 2009 gestorbene Hückeswagener mahnte in dem Buch zum Frieden, doch das Land im Nahen Osten ist momentan durch einen blutigen Bürgerkrieg tief gespalten. FOTO: Frank Becker (Archiv)
Hückeswagen. Syrien steht heute für Bürgerkrieg, Tod und Vertreibung. Die 2009 verstorbene Schriftstellerin hatte dem Land mit ihrem Buch "Eine syrische Reise" ein Denkmal gesetzt - und mahnt darin zum Frieden. Von Franz Mostert

Als Carola Lepping zusammen mit Freunden vom 21. Juli bis 1. September 1960 Syrien bereiste, lag das Land im Nahen Osten noch nicht zu großen Teilen in Trümmern. Ihre Eindrücke schrieb die Hückeswagener Lehrerin und Autorin in einem literarisch wertvollen Buch mit dem Titel "Eine syrische Reise" nieder. Das Werk ist in hoher Auflage im "Medu-Verlag" Dreeich bei Frankfurt erschienen.

Carola Leppings Impressionen von dieser 33-tägigen Fahrt stellen angesichts der aktuellen bedrückenden Ereignisse in dem von politischen Interessen zerrissenen Land einen Zeitspiegel vor, in denen sich die Werte dieses historisch über Jahrtausende gewachsenen Syrien literarisch ablesen lassen. Die "Syrische Reise" der gebürtigen Wuppertalerin ist in Form eines Urlaubs-Tagebuchs jeweils im Vorspann in Kursiv-Schrift sachlich eingeleitet. Was sich im Weiteren auf vielen Seiten ausweitet, ist typisch "Lepping"-Schwarm und randvoll mit einem Wortschatz, der die Autorin in die selten gewordene Zunft der "Erzähler unserer Zeit" hineinhebt. Sie mahnt in ihrem Buch: "Auf dass wir dieses gelobte Land nie verlieren" - und erwies sich als Seherin.

Die Reise geht von Byblos ins alte Sidon, berührt Baalbeck, trifft auf Homs, das jetzt fast vollständig zerstört ist, und gerät bei Rastanee in einen Sandsturm. In Damaskus besucht die Hückeswagenerin das "bedeutendste Museum, das ich je gesehen habe". Dann beschreibt sie Hama und kommt über Maaret zu den byzantinischen Städten.

"Historische Gräberfelder" begegnen Carola Lepping bei ihrer Reise durch Syrien querbeet, und sie betet, dass keine neuen in die Geschichte eingehen mögen. Ein frommer Wunsch, wie sich mittlerweile herausgestellt hat. Denn der syrische Bürgerkrieg hat geschätzte 250.000 Menschenleben gefordert. Über das heute ebenfalls umkämpfte Aleppo schreibt Carola Lepping: "Das ist zwar eine wunderschöne Stadt. Reseta, das fast Untergegangene in der östlichen Wüste, könnte ihr aber das Wasser reichen, wenn es denn welches gäbe."

Am Ende mündet ihre "Syrische Reise" voller Impressionen und weitsichtiger Ahnungen nochmal im biblischen "Hamath", dem jetzt kampfumtobten Hama. Vereinzelte Zedern an Libanon-Ausläufern erinnern Carola Lepping an Psalm-Worte vom "Gerechten, der sich wohl wie eine Zeder auf dem Libanon ausweitet".

Zu den phönizischen, römischen und den Ruinen aus Kalifen-Zeiten kommen seit fünf Jahren die Trümmer, die zusammen mit Flucht, Bedrohung und unsagbarem Leid die aktuelle Realität überfluten. Carola Lepping hat mit ihren "glücklichen" Erlebnissen ihrer "Syrischen Reise" posthum zum Frieden über Gräbern gemahnt.

Quelle: RP
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