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Hückeswagen
Container für Flüchtlinge am Radweg

Hückeswagen: Container für Flüchtlinge am Radweg
In diesem ehemaligen Firmengebäude können demnächst bis zu 30 Flüchtlinge untergebracht werden. Die Stadt hatte die Eigentümer der Grundstücke im Bereich An der Schlossfabrik vor wenigen Tagen eingeladen, sich die Unterkunft anzuschauen und Fragen zu stellen. Fünf Anwohner und Firmeninhaber nahmen laut Persian die Einladung an. FOTO: N. hertgen
Hückeswagen. Im ehemaligen Gebäude einer Tiefbaufirma, An der Schlossfabrik, können Flüchtlinge untergebracht werden. Die Stadt hat den Container umbauen lassen. Kritik gibt es von einem Nachbarn, dem Unternehmer Siegfried Hertwig. Von Stephan Büllesbach

Wo immer es geht, schlägt die Stadt zu und mietet Wohnraum für Flüchtlinge an. Jetzt wurde sie im Bereich An der Schlossfabrik fündig: Das frühere Gebäude der Tiefbaufirma Henschke & Henschke, direkt am Radweg gelegen, ist vom neuen Eigentümer an die Stadt vermietet worden. "Dort ist Platz für 20 bis 30 Menschen", sagte gestern Bürgermeister Dietmar Persian auf Anfrage unserer Redaktion. Untergebracht werden sollen die Menschen, "die uns zugewiesen werden". Das können Familien, aber auch alleinreisende junge Männer sein.

Genau das stößt bei Siegfried Hertwig auf Unbehagen. Der Geschäftsführer der Industriemontage GmbH aus dem gleichen kleinen Industriegebiet nahe Kleineichen sagte im Gespräch mit der BM, dass dort 30 junge männliche Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Jetzt, im Winter, sei das ja noch okay. Hertwig, der von 1998 bis 2001 Vorsitzender des RSV 09 Hückeswagen war, sieht aber Probleme aufkommen, wenn es in die wärmere Jahreszeit geht: "Das Gebäude, umgeben von Büschen, liegt direkt am Radweg. Das ist ein uneinsichtiger Abschnitt." Er befürchtet, dass die jungen Männer dann Mädchen und jungen Frauen, die mit dem Fahrrad oder auf Inlineskates auf dem Radweg unterwegs seien, nachstellen würden. "Ich finde das ein bisschen gefährlich", sagte er. Zumal an der nahen Peterstraße, im ehemaligen Bêché-Verwaltungsgebäude, demnächst ebenfalls Flüchtlinge leben werden.

Der Bürgermeister widerspricht solchen Gedanken. An der Schlossfabrik sollen Flüchtlinge untergebracht werden ähnlich wie im ehemaligen Stadtarchiv an der Ewald-Gnau-Straße; dort leben zwar auch alleinstehende Männer, in erster Linie aber Familien. Zudem betonte Persian: "Bislang haben wir keine Probleme mit unseren Flüchtlingen. Und ich sehe die auch für diesen Bereich nicht." Zwar werden der Schloss-Stadt vereinzelt auch Asylsuchende aus nord- oder zentralafrikanischen Staaten zugewiesen - gerade Nordafrikanern sollen für die Übergriffe auf junge Frauen in der Silvesternacht in Köln verantwortlich gewesen sein -, die überwiegende Mehrheit der seit September in Hückeswagen untergebrachten Flüchtlinge stammt jedoch aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.

"Ich will aber nicht ausschließen, dass es auch mal Probleme geben wird", stellte der Bürgermeister klar. Denn unter einer Million Flüchtlingen seien mit Sicherheit auch welche, die nicht so friedlich sind. Aber das seien auch nicht alle Deutschen. "Unser Konzept ist es, die Asylbewerber dezentral über das ganze Stadtgebiet zu verteilen", erläuterte Persian. "Wir wollen ihnen ein Dach über dem Kopf und eine menschenwürdige Unterkunft bieten."

Das Gebäude in Containerbauweise ist übrigens ein ehemaliges Übergangswohnheim der Stadt. Als Anfang der 90er Jahre der "Eiserne Vorhang" fiel und viele Aussiedler nach Deutschland und somit auch nach Hückeswagen strömten, errichtete die Stadt an der Stelle, wo inzwischen die Tierarztpraxis Lüttgenau steht, einen Wohncontainer. Als der nicht mehr als Übergangswohnheim genutzt werden musste, verkaufte ihn die Stadt, und der neue Eigentümer ließ ihn An der Schlossfabrik aufstellen. Er ist baugleich mit dem Gebäude an der Ewald-Gnau-Straße.

Quelle: RP
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