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Hückeswagen
CVJM-Posaunenchor spielt Luther

Hückeswagen: CVJM-Posaunenchor spielt Luther
Ein begeisterndes und informatives Konzert gab der CVJM-Posaunenchor am Donnerstag in der Pauluskirche. FOTO: A. Lorenz
Hückeswagen. Musik und Geschichten über Martin Luther waren am Donnerstagabend in der Pauluskirche zu hören. Dazu gab es vom CVJM-Posaunenchor unter der Leitung von Lothar Vandenherz Lieder und Choräle aus der Zeit des großen Reformators. Von Wolfgang Weitzdörfer

Der Posaunenchor des CVJM präsentierte eine Stunde lang "Bläsermusik zum Reformationsjubiläum". Der Abend war eine Mischung aus Textbeiträgen über Luther, sein Leben und seine Zeit sowie musikalischen Intermezzi, die in der Pauluskirche dank der Akustik besonders schön zur Geltung kamen.

Dabei wurde Luther nicht nur als der große Reformator porträtiert, schließlich war er auch oft genug im gängigen Antisemitismus seiner Zeit verfangen. "Im Jahr 1543 schrieb Luther die Schrift 'Von den Juden und ihren Lügen'", berichtete ein Mitglied des Posaunenchors. Das dürfe und könne man nicht verschweigen, wenn es um Martin Luther ginge. Auf der anderen Seite aber sei Luther ein umtriebiger und produktiver Autor zahlreicher Kirchenlieder gewesen, die noch heute gerne gesungen würden. "Luthers Choräle wurden erst kürzlich zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt", sagte ein anderes Mitglied des Posaunenchors.

Luther und die Barockmusik - das ging schon in früheren Zeiten sehr gut zusammen, auch wenn er rund 200 Jahre früher lebte als die wichtigsten Protagonisten dieser Musikrichtung. Die Zusammengehörigkeit zeigte sich etwa daran, dass der Posaunenchor einen Kanon Luthers mit Musik von Johann Pachelbel (1653 bis 1706) in einer Bearbeitung von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) gab. Das klang wundervoll, die Bläser hallten kräftig im Gotteshaus, und so kam feierlich-festliche Stimmung auf.

Zwischendurch gab es immer wieder interessante Details aus Luthers Leben und Auswirkung auf die heutige Zeit zu hören. "Luther hatte eine besondere Fähigkeit, mit der Sprache umzugehen", sagte etwa ein Musiker So sei etwa im Psalm 23 nach Luthers Lesart nicht mehr von "Rute und Stab", sondern von "Stock und Stab" die Rede. Auch das Repertoire der geflügelten Worte habe Luther ausgiebig bedient: "Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang" oder "Wenn ich wüsste, dass die Welt morgen untergehen wird, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen" - das seien Sprichworte, die heute noch vielfach gebraucht würde und die ihren Ursprung beim Reformator hätten.

Überhaupt hätten Predigten im 16. Jahrhundert eine weit größere Bedeutung gehabt. "Das Flugblatt war ein großes Medium. Der Buchdruck war von entscheidender Bedeutung für Luthers Erfolg als Reformator", sagte ein Musiker. Auch für die weite Verbreitung der Bibel in der Luther-Übersetzung sei Gutenbergs Erfindung zwangsläufig nötig gewesen.

Aufgeräumt wurde mit dem Mythos der "95 Thesen": "Luther hat Briefe an seine Vorgesetzten geschrieben, in denen er gegen den Ablasshandel wetterte. Diesen Briefen hat er die 95 Thesen angehängt", hieß es am Abend. Es wäre ein überaus großer Affront gewesen, hätte er die Thesen tatsächlich an die Schlosskirche von Wittenberg genagelt.

Im weiteren Verlauf des Abends wurden noch "Impressionen" von Michael Schütz gegeben und zur Fabel von der "Stadtmaus und der Landmaus" das Lied "Best Memories" gespielt. Im Anschluss an den Abendsegen nach Luther war noch ein Abschlusslied von Georg Friedrich Händel zu hören. Damit nahm eine Feierstunde ihr Ende, die diesen Namen wahrlich verdient hatte. Das sah das Publikum in der Pauluskirche genauso und spendete dem CVJM-Posaunenchor ausgiebigen Applaus.

Quelle: RP
 
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