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Hückeswagen
Das alte, wieder ganz neue Lied von Mann und Frau

Hückeswagen. Wie erfrischend das Thema "Geschlechterkampf" auch im Jahr 2016 noch sein kann, wenn man es nur richtig anpackt! Wo ein Mario Barth immer noch die Verbalkeule unter die Gürtellinie krachen lässt - und damit zugegebenermaßen die Massen fasziniert und in die größten Hallen zieht - kommen da mal eben sechs ältere Herren aus dem Rheinland an einem Freitagabend im Juni nach Hückeswagen, steigen auf die Bühne im Kultur-Haus Zach, gucken auf die rund 40 Zuschauer und präsentieren den ganz eigenen Blick auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Und das machen sie, indem sie munter Gassenhauer wie "Ganz Paris träumt von der Liebe", "Bésame mucho" oder "Nur nicht aus Liebe weinen" spielen und dazwischen Erich Kästner, Joachim Ringelnatz und Kurt Tucholsky zitieren. Das ist, um im Bild zu bleiben, ein Abbild des Landes der Dichter und Denker - und halt nicht mal eben was für die "dichten Denker". Das ist sozusagen das, eigentlich ganz alte Lied von Mann und Frau, erfrischend neu interpretiert. Und, auch das ist ganz wichtig: Das Publikum fühlt sich bestens unterhalten, lacht immer wieder verhalten und leise auf, applaudiert nach den Beiträgen dankbar und freut sich ganz offensichtlich darüber, dass es eben auch ohne Schlüpfrigkeiten und vulgäre Verbalinjurien gehen kann, auch im Jahr 2016.

Das Programm ist dreigeteilt, eigentlich genau wie die Liebe es auch ist, deswegen passt natürlich auch der Titel perfekt: "Clocharles kabarettet die Liebe". Clocharles, so heißt das Ensemble um den bestens aufgelegten Schlagzeuger Helmut Pohl. Und die drei Teile behandeln die Liebe, wie sie, "1. Teil: Typisch Mensch" eben ist, ehe sie, "2. Teil kam ihre Liebe abhanden ...", verschwindet, um dann, "3. Teil: Die Liebe - gerettet?", ins - vermeintliche? - Happy-End zu gleiten.

Dass diese Mann-Frau-Beziehung aber natürlich auch die zwischen Mutter und Sohn umfasst, wird deutlich im "Mütterlein" des Wiener Kabarettisten Georg Kreisler, wo es heißt: "Mütterlein, Mütterlein, alles hast du mir erklärt, nur nicht, wer mein Vater war." Das wiederum macht nachdenklich, im Lachen, das bei den einzelnen Strophen durchbricht. Und eines wird da auch klar: Das Ensemble "Clocharles", das insgesamt bestimmt weit über 300 Jahre auf die Bühne bringt, ist aktuell. Aktueller, als man vielleicht beim ersten Hören meinen mag.

Ob "Clocharles" die Liebe tatsächlich gerettet haben mag, wie es der Titel suggeriert, bleibt abzuwarten. Dass es vom Team des Kultur-Haus Zach eine kluge Wahl gewesen ist, die Rheinländer zu buchen, steht nach diesem gelungenen Abend jedoch außer Frage.

(wow)
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