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Kommentar zur Woche
Das Dilemma um die künftige Hückeswagener Schullandschaft

Kommentar zur Woche: Das Dilemma um die künftige Hückeswagener Schullandschaft
FOTO: Moll Jürgen
Hückeswagen. Vorherrschendes Thema in dieser Woche waren die beiden Entscheidungen im Schulausschuss. Die Mehrheit lehnte einen Neubau für die Löwen-Grundschule und die Überprüfung einer möglichen Fusion der Hauptschulen von Hückeswagen und Wipperfürth ab. Das ist kurzsichtig. Von Stephan Büllesbach

Es hätte alles so einfach sein können. Wären im Februar 2014 wenigstens 75 Kinder an der noch zu gründenden Sekundarschule angemeldet worden, gäbe es heute keine Diskussion um die Zukunft der Montanusschule. Und auch die Frage zum künftigen Standort der Löwen-Grundschule würde nicht gestellt. Doch es fehlten gerade einmal acht Anmeldungen - die Hückeswagener Eltern hatten die Sekundarschule nicht gewollt.

Hätte, wäre, würde - der Konjunktiv bringt die Stadt nicht weiter. Politik und Verwaltung müssen mit der aktuellen Situation leben. Die haben sie sich letztlich selber eingebrockt. Seit zwei Jahren gibt es einen Ratsbeschluss, der besagt, dass die Löwen-Grundschule in das Gebäude der Realschule zieht, wenn diese mit im (erweiterten) Hauptschulgebäude untergebracht ist. Nur hat sich in eben dieser Zeit de facto nichts getan. Auch nichts an der gewünschte Stärkung der Schulen, wenn man einmal von der für die Erich-Kästner-Schule gefundenen Lösung absieht, die unbestritten gut ist für Hückeswagen.

Die politische Mehrheit klammert sich an den Ratsbeschluss von 2015 und verweist nun auf den Zeitdruck, der anscheinend wichtiger wird als sinnvolle Lösungen. Doch würde der Rat den Neubau der Grundschule im Brunsbachtal beschließen, bestünde kein Zeitdruck mehr mit Blick auf Haupt- und Realschule - und damit auch keine Gefahr, aus diesem Druck heraus falsche Investitionsentscheidungen zu treffen. Immerhin geht's um Kosten für den Umbau des Hauptschulgebäudes von 20 Millionen Euro. Die Entscheidung für den künftigen Standort der Grundschule muss daher von der, wie es mit den weiterführenden Schulen weitergeht, getrennt werden.

Vor allem sollte die Politik der Verwaltung wenigstens die Zeit geben, eine mögliche Zusammenlegung der Hückeswagener mit der Wipperfürther Hauptschule zu prüfen. Wenn sich schon zwei Jahre nichts Entscheidendes in Sachen Schullandschaft getan hat, dann kommt es auf wenige Wochen auch nicht mehr an. Diese Zeit sollten sich die Verantwortlichen in Hückeswagen jedoch geben, um zu einer vernünftigen Lösung zu kommen - und eben um Fehlinvestitionen in gewaltigen Höhe zu vermeiden.

An der Montanusschule dürfte jetzt wieder die Zukunftsangst einsetzen, denn im Februar werden die Anmeldungen für die Fünftklässler des Schuljahrs 2018/2019 entgegengenommen. Auch wenn die demografischen Prognosen zuletzt optimistischer klangen, ist es doch nicht von der Hand zu weisen, dass der Hauptschule erneut eine Zitterpartie bevorsteht. Leichter würde es garantiert, würden zwei Hauptschulen zu einer fusionieren. Denn das Potenzial für die fünfte Klasse wäre deutlich größer und das Ziel - nämlich mindestens 18 Jungen und Mädchen für die Einstiegsklasse zu bekommen - einfacher zu erreichen.

Sollte die politische Mehrheit am 28. November im Rat dennoch bei ihrer Haltung bleiben, könnte sich die Verwaltung in Sachen Schullandschaft zurücklehnen. Denn sollte irgendwann tatsächlich keine fünfte Klasse mehr an der Montanusschule wegen zu wenigen Anmeldungen gebildet werden können und sie daraufhin in den folgenden Jahren auslaufen, können die Verantwortlichen im Rathaus darauf verweisen, dass die Politik mehrheitlich nicht einmal die Prüfung einer Fusion wollte.

Dabei hat sich die Politik gemeinsam dafür ausgesprochen, die Hauptschule unbedingt als Angebot in Hückeswagen halten zu wollen. Doch das Damoklesschwert des Auslaufens der Schulform wird weiterhin über der Schule schweben. Denn auch künftig wird es Eltern geben, die ihre Kinder an der Realschule anmelden, obwohl die Viertklässler nur eine Empfehlung für die Hauptschule bekommen haben. Auch das ist Elternwille.

Interessant ist der Vorschlag der FDP, die zum Standort Löwen-Grundschule einen Bürgerentscheid befürwortet. Könnten doch so die Hückeswagener mit ins Boot geholt werden. Zwar würden die wichtigen Entscheidungen zur künftigen Schullandschaft erneut um Monate verschoben, aber letztlich hätte die Stadt einen Willen, an dem sie sich orientieren kann: vornehmlich am Elternwille. Der hat schon einmal eine wichtige Rolle gespielt - Anfang 2014, als die Sekundarschule abgelehnt wurde. Jetzt könnten bei einem möglichen Bürgerentscheid (auch) die Eltern von schulpflichtigen Kindern erneut zeigen, was sie wollen - oder eben was sich nicht wollen.

Quelle: RP
 
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