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Hückeswagen
Das Kinderdorf ist jetzt mit Leben gefüllt

Hückeswagen. Nach monatelanger Vorbereitungszeit wurde gestern das Kinderdorf eröffnet. Bis Freitag kommender Woche lernen 150 Kinder, darunter auch behinderte und Flüchtlingskinder, auf spielerische Weise das Leben der Erwachsenen kennen. Von Flora Treiber

Das Einwohnermeldeamt des Kinderdorfs hatte gestern viel zu tun, denn schon am frühen Morgen besiedelten 150 Kinder die elternfreie Zone, die in der Schloss-Stadt bereits zum dritten Mal eingerichtet wurde. Das Kinderdorf auf dem Gelände des Jugendzentrums (JuZe) und der Mehrzweckhalle ist für Mädchen und Jungen zwischen sechs und zwölf Jahren für die nächsten zwei Wochen tagsüber Arbeit, Freizeit und Zuhause in einem.

Die Aufregung war groß, und sobald die Kinder ihren Kinderdorf-Ausweis in der Hand hielten, stürmten sie auf das Gelände, wo sie von rund 70 Betreuern und Helfern in Empfang genommen wurden. Den Ausweis müssen übrigens auch Besucher im Einwohnermeldeamt beantragen. So wollen die Verantwortlichen den Überblick bei rund 220 Menschen - Kinder und Betreuer - auf dem Gelände behalten.

Eva war schon voriges Jahr Bewohnerin des Kinderdorfs und will nun wieder als Radiomoderatorin arbeiten. Die Zehnjährige hat viele Freundinnen mitgebracht und freut sich auf die Zeit im Kinderdorf. "Hier ist immer was los, man lernt viele Berufe kennen und hat den ganzen Tag Spaß", sagte sie. Die Kinder können zwischen 20 verschiedenen Berufen wählen, die sie im halbstündigen Takt wechseln können. In 30 Minuten verdienen sie drei JuZe-Taler, die - wie im Erwachsenen-Leben - versteuert werden müssen: Eine von den hart verdienten Münzen wandert direkt in die Dorfkasse. Mit dem Gesamterlös kann der Bürgermeister des Kinderdorfs etwa Wahlversprechen (zum Beispiel Eis für alle) einlösen, davon können aber auch Ausflüge finanziert werden.

Das Kinderdorf beherbergt alles, was eine reale Stadt auch besitzt: neben dem Einwohnermeldeamt eine Sparkasse, eine Post, ein Reisebüro und viele verschiedene Möglichkeiten, Geld zu erwirtschaften. Am Eingang des von Kindern regierten Dorfes haben sich Maler und Glaser angesiedelt, es gibt eine Gärtnerei, eine Fotowerkstatt, die dieses Jahr auch eine Tageszeitung produziert, eine Seifen-Werkstatt und die Möglichkeit, Nähen zu lernen. Außerdem sind sportliche Angebote und Schwimmkurse im Programm.

Stadtjugendpflegerin Andrea Poranzke hat sich nicht nur um die finanzielle Realisierung des Kinderdorfs gekümmert, sondern sich auch für ein integratives Konzept stark gemacht. "Kein Kind soll ausgeschlossen werden", betonte sie. "Wir haben behinderte und geflüchtete Kinder aufgenommen und auch finanzielle Notlagen unterstützt. Ich freue mich auf die Zeit."

Die Vorfreude auf die Zeit im Kinderdorf, das bis zum 12. August täglich von 8 bis 16 Uhr für seine Bewohner geöffnet ist, war bei der Eröffnung gestern zu spüren. Die Eltern verabschiedeten sich von ihren Kindern und sind für das Kinderdorf dankbar. "Eine tolle Betreuungsmöglichkeit, bei der die Kinder viel lernen und sich entwickeln können", sagte Miriam Manet, Mutter von Viveko.

Im Reisebüro und in der Post bereiteten Denise Gerhardus und Joana Stoy derweil alles vor. Die Helferinnen unterstützen die Kinder bei ihrer Arbeit und stehen für Fragen bereit. "Wir sind gespannt, wie unsere Reisen angenommen werden", sagte die 17-jährige Denise. "Wir bieten einen Ausflug zur Firma Pflitsch oder zur DLRG an. Die Reisen können die Dorfbewohner von ihren JuZe-Talern kaufen." Jeder Tag im Kinderdorf startet mit einer Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle, auf der Nachrichten und Aktionen verkündet werden. Das einzige, das dem Dorf noch fehlt, ist ein Oberhaupt. Die Bürgermeisterwahl findet heute Nachmittag statt, am Mittwochmorgen wird der Bürgermeister dann offiziell in seinem Amt begrüßt. Er trifft wichtige Entscheidungen für das Kinderdorf, verwaltet die Finanzen und erfüllt auch eine repräsentative Funktion.

Den Kindern steht bis zum 12. August eine Zeit voller Selbstbestimmtheit, Verantwortung und Spaß bevor. Die Eltern dürfen sich das Spektakel am Montag, 8. August, angucken, dann ist das Dorf für Besucher geöffnet.

Quelle: RP
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