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Andrea Poranzke
Das Leben im Kinderdorf funktioniert

Andrea Poranzke: Das Leben im Kinderdorf funktioniert
Auch die Inklusion funktioniert im Kinderdorf. Hier hilft Dominik dem im Rollstuhl sitzenden Eldar beim Bekleben von Gläsern mit bunten Glassteinen. FOTO: J. Moll
Hückeswagen. Die zweite Woche des Kinderdorfs hat begonnen. Stadtjugendpflegerin Andrea Poranzke zieht ein positives Zwischenfazit zum groß angelegten Inklusionsprojekt mit 100 Kindern. Am kommenden Freitag endet der Einblick in die Erwachsenenwelt.

Frau Poranzke, es ist Halbzeit im Kinderdorf. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf?

Poranzke Sehr. Es gibt, obwohl es mehr Kinder sind als im vorigen Jahr, weniger Streit, der geschlichtet werden muss. Die Kinder sind insgesamt etwas friedlicher dieses Jahr.

Sind unvorhergesehene Probleme aufgetaucht, oder gibt es Optimierungsbedarf?

Poranzke Für uns haben wir das im personellen Bereich festgestellt. Die Zusammenarbeit in so einem großen Team, das ja zusammengewürfelt ist, kann noch optimiert werden. Mir schwebt da zum Beispiel das Eintragen fester Arbeitszeiten in die Honorarverträge vor. Aber wir haben das Gefühl, dass es wächst.

Mit der Inklusion der Kinder mit Behinderung gab es bei der Premiere in den Herbstferien keine Probleme. Ist das diesmal wieder so?

Poranzke Ja, die Kinder haben sich gut integriert. Das haben wir auch gar nicht anders erwartet.

Wie integrieren sich die Kinder der Asylbewerber in die Gruppe?

Poranzke Ganz besonders toll ist es, wie nahtlos sich die beiden Flüchtlingskinder eingefügt haben, obwohl sie gar nicht unsere Sprache sprechen. Die Kinder schaffen es auch, sich untereinander zu verständigen. Selbst komplizierte Dinge, wie Einzahlungen bei der Sparkasse, bekommen sie hin. Sie scheinen glücklich zu sein und strahlen eine innere Zufriedenheit aus.

Welche Werkstätten sind bei den Kindern besonders beliebt?

Poranzke Die Sparkasse ist wieder der Renner, obwohl wir gar nicht wissen wieso. Das scheint die Macht des Geldes zu sein. Vielleicht denken die Kinder auch, dass die Banker das meiste Geld verdienen (lacht). Aber auch die anderen Werkstätten sind alle gut frequentiert. Die Anzahl von 19 Werkstätten und die 100 Kinder harmonieren sehr gut.

Und welche Freizeitangebote und Ausflüge waren bisher der Renner?

Poranzke Wir müssen diesmal kaum Werbung für die Angebote machen, die bisher alle gut besucht waren. Besonders schnell ausgebucht waren die Fahrten ins Tierheim und zum Bogenschießen.

Was hat sich in Sachen "Diebstahl von 50 Juze-Talern" ergeben? Wurde eine Polizei ins Leben gerufen und der Täter überführt?

Poranzke (lacht) Ich glaube, das ist nur ein Gerücht. Aber die Kinder spielen gerne Detektiv. Der Stadtrat hat eine Polizei ins Leben gerufen, die regelmäßig patrouillieren geht. Allein am Freitag haben sie 42 JuZe-Taler Strafgeld eingenommen. Das wird für Fehlerverhalten im Kinderdorf fällig, wenn es beispielsweise Streit gibt oder Schimpfwörter benutzt werden.

Funktioniert der Plan, das Mittagessen in drei Schichten einzunehmen?

Poranzke Logistisch ist es schon eine Herausforderung. Wir haben ein Ampelsystem eingeführt, so dass die Essenzeiten rotieren. Ein Pfeil zeigt auf die Gruppe, die gerade dran ist. Das funktioniert sehr gut.

Haben Sie genügend Sponsoren für das Projekt gewinnen können?

Poranzke In diesem Jahr schon. Wir müssen sehen, wie das im nächsten Jahr wird, wenn der Zuschuss vom Kreis wegfällt. Unterstützung erhoffe ich mir dann vom Bürgermeister, um Werbung fürs Kinderdorf zu machen und Sponsoren mit an Land zu ziehen. Das ist in der heutigen Zeit nicht einfach. Ich denke aber schon, dass das klappen wird. Denn es ist schon eine wichtige Sache für die Stadt, auch wenn nicht alle Kinder aus Hückeswagen kommen. Die Stadt selbst hat das Projekt keinen Cent gekostet.

Planen Sie eine Neuauflage des Kinderdorfs für 2016? Und wenn ja, kann es noch größer werden, oder sind 100 Teilnehmer die Kapazitätsgrenze?

Poranzke Wir haben schon einen Termin Anfang August dafür ins Auge gefasst. Wenn uns die ganze Sporthalle zur Verfügung stände, könnten wir theoretisch auch mehr Kinder aufnehmen. Das einzige Problem ist der Platz für das Mittagessen im Foyer. Da wir momentan abends immer die Halle räumen müssen und deshalb im Foyer noch Werkstätten untergebracht sind, reicht der Platz für das Mittagessen nicht aus. Aber 130 bis 140 Kinder wären durchaus möglich.

HEIKE KARSTEN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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