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Ehrenamt Christian Thiel
Das THW als größte Motivation

Ehrenamt Christian Thiel: Das THW als größte Motivation
Für ihn steht das Technische Hilfswerk an erster Stelle - auch wenn sein Terminkalender übervoll ist: Christian Thiel. FOTO: wolfgang weitzdörfer
Hückeswagen. Christian Thiel hat das Down Syndrom. Davon lässt sich der 35-jährige Hückeswagener aber nicht abhalten, ehrenamtlich beim Technischen Hilfswerk in der Schloss-Stadt aktiv zu sein. Er unterstützt auch die Jugendleiter bei ihrer Arbeit. Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen Eigentlich wollte Christian Thiel als Jugendlicher seinem Vater nacheifern. Der war Berufsfeuerwehrmann, und sein Sohn wollte zur Jugendfeuerwehr. Das ging aber nicht, weil Christian Thiel besondere Betreuung braucht: Der 35-Jährige hat das Down Syndrom. Und dann kam das Technische Hilfswerk ins Spiel. "Als klar war, dass ich nicht zur Feuerwehr konnte, hat mich mein Vater gefragt, ob ich denn zum THW wollte - und dann hat er mich angemeldet.

" Das war vor 20 Jahren. Seitdem ist Thiel praktisch jeden zweiten Samstag bei den Übungstagen der Jugend dabei. Unterstützt wird er vom Ehepaar Anna und Stefan Pier, die seit einigen Jahren federführend die Jugendarbeit leiten und betreuen. "Christian ist unglaublich stolz, beim THW mitmachen zu können - und das erzählt er auch gerne jedem, der es hören will", sagt Anna Pier und lacht. Zwar sei das Aufgabenspektrum beim THW etwas anders gelagert als bei der Feuerwehr.

"Aber das, worum es mir geht, machen wir hier auch - anderen Menschen zu helfen", sagt der 35-Jährige. Für ihn steht das Technische Hilfswerk an erster Stelle - auch wenn sein Terminkalender übervoll ist. "Das THW ist Motivation für mich: Wenn ich mal müde bin, dann ist das auf einmal egal, wenn es zum THW geht", sagt Thiel. Wie wichtig ihm das Ehrenamt in der blauen Uniform ist, wird an einer kleinen Anekdote deutlich, die Anna Pier erzählt: "Christian hatte einmal einen Bänderriss, der länger nicht erkannt wurde, und konnte daher sein linkes Knie nicht richtig belasten.

Er hat das dann natürlich auch vermieden." Doch dann kam wieder das THW ins Spiel, diesmal in Form von Anna Piers Mann Stefan: "Der hat Christian deutlich gemacht: Wenn du beim THW mithelfen willst, dann musst du dein Knie auch belasten können!" Thiel ergänzt: "Und dann habe ich daran gearbeitet, bis es wieder ging." Neben seinem Einsatz beim THW arbeitet er den ganzen Tag in der Lebenshilfe-Werkstatt in Wermelskirchen. Außerdem ist er erfolgreicher Judoka beim Reha- und Behindertensport, trainiert zudem den Nachwuchs in Leverkusen.

"Wenn aber das THW dran ist, müssen alle anderen Hobbys hinten anstehen", sagt Thiel und schmunzelt. Der 35-Jährige hilft jeden zweiten Samstag bei den Übungsnachmittagen auf dem THW-Gelände in Winterhagen. Die Jugendlichen und Kinder kennen ihn, akzeptieren ihn auch. Zumal er immer eine Art Schlichterfunktion übernimmt. "Wenn mein Mann mal mit den Kids schimpfen muss, weil sie nicht richtig mitmachen, ist Christian immer um Ausgleich bemüht und beruhigt meinen Mann schnell", sagt Anna Pier.

Und der 35-Jährige ergänzt: "Mir sind Ruhe und Frieden wichtig." Es sind allerdings nicht nur die unterstützenden Tätigkeiten bei den Jugend-Übungseinheiten, die dem Hückeswagener beim THW so gut gefallen. Thiel wird auch selbstständig aktiv und hat 2016 das Leistungsabzeichen Bronze geschafft. Bei Einsätzen darf er allerdings nur im Hintergrund mitmachen: "Die Einsatzbefähigung kann er wegen seiner Behinderung leider nicht absolvieren.

Das heißt, dass Christian nicht unmittelbar am Einsatz beteiligt sein kann, wohl aber mittelbar", sagt Anna Pier. Wenn 24-Stunden-Einsätze anstehen, kümmert er sich mit anderen Helfern darum, dass Feldbetten aufgebaut werden oder dass genug zu essen da ist. Ab und zu sei er auch schon bei Einsätzen dabei gewesen, dann allerdings, ohne aktiv einzugreifen, sagt Anna Pier. Am liebsten arbeitet Thiel mit den Jugendlichen von zehn bis 17 Jahren.

Die "Minis", Kinder von sechs bis neun Jahren, sind ihm zu laut, wie er erzählt: "Wir waren neulich im Zoo, da bin ich im Auto mit den Kleinen mitgefahren. Da war ich dann doch froh, als wir in Wuppertal waren und aussteigen konnten. Die waren mal laut", sagt er. Dem THW wird Thiel treu bleiben. Und das aus einem einfachen Grund: "Man hilft mir hier - und ich kann auch selbst mithelfen. Das ist einfach toll!"

Quelle: RP
 
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