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Traditionsberufe Zimmerer
Dem Holzschwamm auf der Spur

Traditionsberufe Zimmerer: Dem Holzschwamm auf der Spur
Werner Zultner und sein Sohn Maximilian bei der Arbeit. FOTO: Jürgen Moll
Hückeswagen. Werner Zultner ist einer der beiden Geschäftsführer der Wiehagener Zimmerei Zultner. Spezialisiert hat sich der Handwerks-betrieb auf die Fachwerksanierung im denkmalgeschützten Bereich. Aber Zultner liefert auch komplette Holzhäuser. Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen Es ist der Duft nach Holz, der den Kunden direkt umfängt, der das Betriebsgelände der Zimmerei Zultner an der Wiehagener Straße betritt. Der Familienbetrieb, der 1988 von den Brüdern Werner, Dieter und Klaus Zultner gegründet wurde, gehört schon seit fast 25 Jahren zum Stadtbild: "Die ersten vier Jahre waren wir noch in der Neye-Siedlung", erzählt Zimmerermeister und Bauingenieur Werner Zultner. "Wir haben damals den Betrieb Stein, meinen Lehrbetrieb, übernommen und waren die ersten Jahr noch am alten Standort.

" Die Brüder übernahmen den reinen Zimmereibetrieb und gingen dann in Sachen Technik und Angebot einige Schritte weiter. Heute steht der Betrieb mit elf Gesellen, einem Meister, einem angehenden Meister, drei Azubis und einer Verwaltungskraft grundsolide da und hat sich auf vier Schwerpunkte im Zimmereihandwerk spezialisiert. Werner Zultner: "Ein großer Bereich ist der Holzhausbau, der zweite ist die Fachwerksanierung, vor allem im denkmalgeschützten Bereich, dann die Arbeitsvorbereitung für andere Betriebe und natürlich alle anderen herkömmlichen Zimmereiarbeiten.

" Dabei gehe es etwa um Gauben-, Pergola- oder Dachstuhlsanierungen. Werner Zultner selbst hat sich auf den Bereich der Fachwerksanierung spezialisiert, hat den Sachkunde-nachweis im Holzschutz und ist Restaurator. Zudem hat er sich in den alten Handwerkstätigkeiten weitergebildet, die angewendet werden müssen, um dem Denkmal und seiner Bausubstanz gerecht werden zu können. Neben ihm haben sich auch zwei weitere Gesellen in diesem Bereich spezialisiert: "Einer davon hat sich in Biberach in die alten Techniken eingelernt - dort habe ich selbst meinen Restaurator gemacht.

" Die Schloss-Stadt ist mit den vielen denkmalgeschützten Häusern an der Marktstraße für den Restaurator natürlich ein idealer Arbeitsplatz. "Wir arbeiten selbstverständlich auch für Privatpersonen. Etwa dann, wenn es zu Schäden durch Insekten- oder Pilzbefall gekommen ist, was im Alter natürlich immer wieder vorkommt", erläutert Zultner. Andere Objekte seien Kirchen oder alte Gebäudeanlagen. "Derzeit sind wir zum Beispiel an der Lutherkirche in Remscheid dran.

Das ist eine recht aufwändige Baustelle. Und auch im Geburtshaus von Konrad Röntgen sind wir gerade zu Werke", erzählt der Zimmerermeister. Das Lenneper Gebäude soll nach seiner Kernsanierung zum Veranstaltungsort umgebaut werden. Andere Prestigeobjekte, die von der Zimmerei Zultner restauriert wurden, sind das Schloss Lerbach in Bergisch Gladbach, in dem ein Fünf-Sterne-Hotel untergebracht ist, oder das Obergeschoss des alten Küsterhauses, Marktstraße 47.

Am Anfang einer Restauration steht die Schadensfeststellung: "Das ist das A und das O", erläutert Zultner. Denn so werde festgestellt, woher der Schaden im Boden oder der Decke komme. "Ein großer Unterschied ist der zwischen Pilz und Hausschwamm", erklärt der Zimmerermeister. Beim Pilz kann man die Schadstelle einfach entfernen, beim Hausschwamm muss die ganze Umgebung saniert werden. Neben der Denkmalpflege ist eine der schönsten Aspekte am Zimmererhandwerk für Werner Zultner die Vielfalt, die schon historisch im Beruf bedingt ist: "Der Zimmerer hat bereits im Mittelalter ganze Häuser abgeliefert.

Und auch heute noch ist der Handwerker Generalist." So liefert die Wiehagener Firma Häuser bis zum Trockenbau und hat immer auch Folgegewerke an der Hand, die genau wissen, wie der Bau weiterzugehen hat, damit die Bauherren ins fertige Haus einziehen können. Das Zimmererhandwerk erfreut sich große Beliebtheit unter den Auszubildenden, zumindest ist das bei den Zultners der Fall: "Wir bekommen mehr Bewerbungen als Ausbildungsplätze vorhanden sind.

Und wir bilden für den eigenen Bedarf aus", betont er und fügt lächelnd hinzu: "Schließlich sind unsere Leute unser Kapital, die Ausbildung ist unsere Talentschmiede."

Quelle: RP
 
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