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Hückeswagen
Depression zwischen Karneval und Kirche

Hückeswagen: Depression zwischen Karneval und Kirche
Viel zu lachen gab es am Donnerstagabend in der Gaststätte "Zum Alten Markt" in der Hückeswagener Altstadt. Der Vorsitzende der Senioren-Union, Horst Schreiber, begrüßte Willibert Pauels. FOTO: jürgen moll
Hückeswagen. Der "bergische Jung" Willibert Pauels erzählt auf Einladung der Senioren-Union Hückeswagen in der Gaststätte "Zum Alten Markt" über seine Krankheit. Die eigene Depression begleitet den 61-Jährigen schon seit seiner Kindheit. Von Wolfgang Weitzdörfer

Schwarzer Hut, ebensolche Brille, dazu die rote Pappnas' - so kennt und liebt man im Rheinland den "bergischen Jung" Willibald Pauels. Dass der Clown, der immer lustig ist, oftmals aber der traurigste Mensch im Raum ist, ist ein vielbemühtes Bild - auf Pauels, der lange Jahre von schweren Depressionen geplagt wurde, trifft es indes zu. Darüber hat der Karnevalist, Kabarettist und katholische Diakon ein Buch geschrieben.

Am Donnerstagabend war der Wipperfürther in der Kneipe "Zum Alten Markt" in der Schloss-Stadt zu Gast, um auf Einladung der Hückeswagener Senioren-Union darüber zu erzählen, wie er der Krankheit auf die Schliche gekommen ist und sie schließlich in den Griff bekommen hat. Etwa 30 Zuhörer waren gekommen - und amüsierten sich in den knapp anderthalb Stunden prächtig.

"Wenn dir das Lachen vergeht" - so heißt Pauels Buch. Eigentlich hätte er aber lieber eine Alliteration im Titel gehabt: "KKK - Kirche, Karneval, Klapse. Das sollte der eigentliche Titel sein. Der Verlag war aber dagegen", sagte Pauels, der, natürlich, von einer kleinen Bütt aus sprach. Es war weniger Lesung, Diskussion auch nicht, vielmehr eine besondere Art der Predigt. Aber eine, die immer wieder für große Heiterkeit und Applaus im Publikum sorgte. Warum auch nicht, sagte Pauels: "Depression ist ein ernstes Thema. Aber mein Buch hat 256 Seiten. Wenn jemand 256 Seiten über Depression lesen müsste, wird er am Ende selbst noch depressiv." Und so ging es um die drei großen Themen des ursprünglichen Titels: "Wobei, machen wir doch aus der Klapse die Klinik", schränkte der 61-Jährige schmunzelnd ein.

Und überhaupt, das hänge doch alles zusammen. Aber über allem stünde, neben dem lieben Gott, bei dem der Wipperfürther sich seit Kindertagen geborgen, aufgehoben und zu Hause fühle, der Witz. "Denn wenn man lachen kann, verschwindet die Angst." Das gelte auch für die Kirche: "Die Hölle kann genauso Angst verbreiten, wie es die Gestapo konnte. Der Witz ist aber der Triumph über die Angst. Und Humor muss Teil der Religion sein", sagte Pauels.

Seine eigene Depression begleitet den 61-Jährigen ebenfalls seit der Kindheit. Erkannt hat er sie jedoch erst spät. Und wirbt seitdem dafür, Symptome wie Angst, Unruhe, Panik, Sprachlosigkeit oder Antriebslosigkeit ernst zu nehmen. "Hätte ich das vor 20 Jahren schon getan, wäre ich später vielleicht nicht so abgerutscht", sagte er am Donnerstagabend ernst - und dann ohne Pappnase im Gesicht. Mit der Hilfe von guten Ärzten, Therapeuten und der richtigen Medikation habe er die Krankheit schließlich in den Griff bekommen. Trotz aller Nebenwirkungen, die aber dann doch von anderen Antidepressiva rührten, die er auch einnehmen müsse: "Bounty, Snickers und Milka heißen die", kalauerte der 61-Jährige.

Und das war die Erkenntnis des ungemein unterhaltsamen Abends: Man kann eine Depression nicht weglachen. Es kann aber dennoch helfen, wenn man der Düsternis ein Lachen entgegensetzt.

Quelle: RP
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