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Rückblende Hückeswagen Vor 45 Jahren
Der Beginn einer langen Städtefreundschaft mit Etaples

Rückblende Hückeswagen Vor 45 Jahren: Der Beginn einer langen Städtefreundschaft mit Etaples
Seit 1972 wird die Städtepartnerschaft gepflegt - und nicht nur, wie hier von Manfred Flosbach, auf Schildern. FOTO: BM-Archiv
Hückeswagen. Ist es wirklich gut und richtig, so fragten sich damals die Verantwortlichen, wenn die Feierlichkeiten zur Gründung der Städtepartnerschaft mit Etaples ausgerechnet mit einem großen Schützenfest begangen wird? Aus heutiger Sicht kein Problem, doch damals - 1972 - war der Zweite Weltkrieg gerade einmal zweieinhalb Jahrzehnte vorbei. Sollte man den ehemaligen Erzfeind ausgerechnet mit einem großen Bundesschützenfest und damit einhergehend mit einer traditionellen Schießsportart begrüßen?

Der damalige Stadtdirektor Günter Kröning sah sich daher am 29. Juli 1972 veranlasst, den künftigen französischen Freunden bei einem abendlichen Empfang die Sache mit einer umfangreichen Stellungnahme zu erläutern: "Die Schützen unserer Zeit verkörpern nicht die Tradition der Soldaten der Moderne, sondern die der bürgerschaftlichen und bäuerlichen Selbstverteidigung im Mittelalter." Es folgten weitere Ausführungen, doch letztlich viel entscheidender dürfte für die Franzosen die Aufforderung gewesen sein: "Lasst uns miteinander fröhlich sein und Freunde werden!"

Schon am Nachmittag, als auf dem Schlossplatz die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet wurde, hatte ein Böllerschuss unfreiwillig die Dramaturgie bestimmt. Gerade als Bürgermeister Dr. Friedrich Weyer mit seiner Rede beginnen wollte, feuerten die Schützen, die zeitgleich ihr Bundesschützenfest feierten, Böllerschüsse ab.

Alleine schon die Tatsache, wie ausführlich sich die damalige Berichterstattung um Befindlichkeiten und Zufälle drehte, zeigt, wie verkrampft das Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen noch war. Dabei gab es jede Menge Ereignisse des Besuchswochenendes, an denen man sich hätte erfreuen können. Bereits im Mai fand der Auftakt des Freundschaftsschlusses in Etaples statt, die Feiern im Juli in der Schloss-Stadt waren somit der zweite Akt.

Am Freitagabend war die Delegation aus Frankreich mit Bürgermeister Jean Bigot an der Spitze eingetroffen. Nach einer kurzen Begrüßung im Museumssaal wurden die Gäste dann auf ihre Gastgeber verteilt, um später zu einem Imbiss wieder zusammenzukommen. Die offizielle Unterzeichnung der Urkunde fand dann am Samstagnachmittag statt, bei dem auch ein Gedenkstein auf dem Schlossplatz enthüllt sowie eine "eichenblättrige Pyramiden-Blutbuche" gesetzt wurde. Es folgte der Empfang am Abend.

Dass die Freundschaft Zeit haben würde zu reifen, dazu gab es Anlass zur Hoffnung, als nämlich Etaples Bürgermeister Jean Bigot sagte: "Unsere Partnerschaft kann nur auf gegenseitiger Toleranz und Wahrheit aufgebaut werden." Es war ein Satz wie ein Donnerhall, der ohne jeden Zweifel auch heute noch Gültigkeit hat. Nicht nur in Europa.

NORBERT BANGERT

Quelle: RP
 
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