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Hückeswagen
Der erste Tag im Waldkindergarten

Hückeswagen. Mit 13 angemeldeten Kindern ist gestern das neue Angebot des Kindergartens im Johannesstift, der Waldkindergarten, an den Start gegangen. Künftig werden bis zu 20 Kinder jeden Tag für vier Stunden im Wald unterwegs sein - bei Wind und Wetter. Von Wolfgang Weitzdörfer

Einzig das Wetter spielte nicht mit: Gestern verbrachten die 13 Jungen und Mädchen in der neu gegründeten Gruppe des Waldkindergartens im Johannesstift ihren ersten Tag in freier Natur - und zur Premiere nieselte es den ganzen Vormittag über. "Das ist aber gar nicht so schlimm, schließlich sind wir künftig auch bei Wind und Wetter draußen", sagte Gruppenleiterin Sandra Heider, die gegen Mittag noch mit vier Kindern und ihren beiden Kolleginnen Lisi Storek und Ute Evang im Bauwagen am Ende des Parkplatzes oberhalb des Altenzentrums saß.

Die Kinder waren hungrig, weil sie viel Neues im Freien erlebt hatten. Entsprechend dreckig waren die Hosen und Schuhe der "Waldkinder", und auch den Teppich im Eingangsbereich "zierten" bereits zahlreiche große und kleine Fußabdrücke. Zum Mittagessen, das sich alle schmecken ließen, trugen alle saubere Hosen. Bis spätestens 14 Uhr können die Kinder von den Eltern abgeholt werden.

Der Grund dafür, dass die Reihen schon so früh gelichtet waren, lag im ersten Tag begründet, erläuterte Kindergarten-Leiterin Katrin Weiler: "Es ist für alle Beteiligten eine ganz neue Situation, nur zwei Kinder waren vorher schon im Regelkindergarten.

Mit Ute Evang und Lisi Storek sind zudem zwei neue Kolleginnen dabei." Dazu komme die ungewohnte Umgebung, und für viele Kinder war es der erste Tag im Kindergarten überhaupt. "Da muss man natürlich darauf gucken, was gut für das einzelne Kind ist", sagte Katrin Weiler. Entsprechend seien die Kinder teils schon früher von den Eltern abgeholt worden.

Nicht so der fünfjährige Mark. Er kennt den Johannesstift-Kindergarten bereits, hat nur die Gruppe gewechselt. Allerdings war auch er nach dem langen Tag im Freien k.o., reckte aber auf die Frage, wie es ihm denn gefallen habe, grinsend den Daumen in die Höhe. So sieht wohl müde Zustimmung aus.

"Mark hatte heute auch die erste wichtige Aufgabe zu erledigen", sagte Sandra Heider - Wasser zu holen. Denn die Kinder des Waldkindergartens sind nicht nur den ganzen Tag im Freien, sie achten natürlich auch auf Hygiene: "Wir waschen uns mit Bioseife die Hände, bevor wir draußen in unserem 'Waldlager' frühstücken", betonte die Erzieherin. Ihre Kollegin Storek ergänzte: "Das ist nicht anders als im Regelkindergarten, die Kinder bringen ihr Frühstück von zu Hause mit." Die Premiere ist gelungen, das sah man nicht nur an den müden, aber glücklichen Kindern. Auch die Erzieherinnen, die vorher ein wenig aufgeregt waren, waren zufrieden. Vor allem Ute Evang, die für die neue Stelle im Johannesstift eigens ihre bisherige Stelle aufgegeben hat, sagte: "Ich habe meinen unkündbaren Vertrag aufgelöst, weil ich mir mit der Arbeit im Waldkindergarten einen Traum erfüllen wollte."

Auch die Eltern zeigten sich begeistert. Ira Reichelt stand gegen 13 Uhr im Türrahmen des umgebauten Bauwagens, der "Basis" des Waldkindergartens, um Nicklas abzuholen. Der Dreijährige wollte direkt in ihre Arme und legte seinen Kopf an ihrer Schulter ab: "Ich glaube, er hatte einen tollen Tag", sagte Ira Reichelt. "Wir wollen unsere beiden Kinder ganz viel draußen haben. Als ich vom Waldkindergarten gehört habe, habe ich sofort ja gesagt und Nicklas angemeldet."

Wenn sich alle Beteiligten so zufrieden zeigten, war das wohl ein guter Auftakt. Nieselregen hin, Nieselregen her.

Quelle: RP
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