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Hückeswagen
Der Herr und Meister der Bever

Hückeswagen. Typisch bergisch: Es regnet mal wieder Bindfäden. Für Heinz Konsen ein Grund zur Freude. "Wegen mir kann's noch ein paar Tage richtig regnen", sagt der 55-Jährige, der von seinem Büro im Betriebsgebäude des Wupperverbands nahe der "Zornigen Ameise" aus die Wasseroberfläche der Bever-Talsperre im Blick hat. Von Stephan Büllesbach

Knapp 20 Zentimeter fehlen noch bis zum Vollstau, bei dem 23,7 Millionen Liter Wasser in der Bever-Talsperre wären. Warum der Talsperrenmeister momentan lieber Niederschlag als Trockenheit hat, ist schnell geklärt. "Ich möchte die Talsperre voll bekommen, damit genügend Wasser zur Verfügung steht, wenn die Wupper im Sommer wieder Niedrigwasser führt", erläutert Konsen.

Die Regulierung der Wupper ist vorrangige Aufgabe des "Beverblocks" mit Bever-, Neye- und Schevelinger Talsperre ("Silber"): Hat die Wupper in trockenen Monaten zu wenig Wasser, muss aus den Talsperren "nachgeschossen" werden. "Im Tal der Wupper ist ein gleichmäßiger Wasserstand angebracht, weil einige Betriebe Wasser benötigen. Etwa für die Stromerzeugung oder als Kühlwasser", berichtet der Talsperrenmeister.

Gleichzeitig gehört es zu seinen Aufgaben, Hochwasser zu vermeiden. Deshalb sorgt Konsen regelmäßig ab Juni dafür, den Pegel der Bever peu à peu zurückzufahren, denn: "Ab dem 1. November und bis Ende Februar ist der Hochwasserschutz vorgeschrieben." Das bedeutet, dass ab Allerheiligen die Bever fünf Millionen Kubikmeter unter Vollstau liegen muss. Denn sollte es in der dunklen Jahreszeit viel regnen und schneien, was im Bergischen nunmal keine Seltenheit ist, fängt die Talsperre so das Wasser auf, und entlang der Wupper bleiben Hochwasser aus.

Im Grunde genommen könnte der gelernte Maler und Lackierer, der vor 25 Jahren als Betriebshandwerker beim Wupperverband anfing und seit 1996 Talsperrenmeister ist, die Steuerung des Beverpegels von seinem Büro aus vornehmen. Täglich erhält er alle möglichen notwendigen Messdaten, und auch die Ablassschieber kann er vom PC aus über das Prozessleitsystem öffnen und schließen. Doch die technischen Einrichtungen sind natürlich ständig Wasser, Schlamm und Korrosion ausgesetzt. Da kann's schonmal haken. Also ist der Talsperrenmeister einmal im Monat zu einer Funktionsprüfung unterwegs. "Ich muss schauen, ob die Ablassorgane funktionieren, also die Schieber vernünftig auf und zu gehen", erzählt Konsen. Sollten sich in den Schiebern tatsächlich etwas festgesetzt haben und sie sich auf elektronischem Weg nicht mehr öffnen oder schließen lassen, ist Muskelkraft gefragt. Dann muss er in die Schieberkammer und versuchen, das hakende Ablassorgan manuel wieder in Bewegung zu setzen. Konsen kontrolliert zudem ständig den Druck, der auf dem Beverdamm lastet. Dazu ruft er die Daten über den Grundwasserpegel, die Sickerwassermengen und den Sohlewasserdruck ab.

Eines stellt Heinz Konsen klar: "Bei der Bever-Talsperre steht die Wasserwirtschaft im Vordergrund. Segeln und andere Freizeitangebote sind zweitrangig." Deshalb macht es ihm auch nichts aus, dass es immer noch in Strömen regnet. Aber zu Ostern darf auch für Heinz Konsen die Sonne scheinen.

Quelle: RP
 
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