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Heimat genießen - in Hückeswagen
Der perfekte Boden für Kartoffeln

Heimat genießen - in Hückeswagen: Der perfekte Boden für Kartoffeln
Bauer Bernd Sesterhenn ist froh, wenn es trocken ist: Da laufen die Erntemaschinen besser. FOTO: Miserius
Hückeswagen. Auf bergischen WochenMärkten sind Kartoffeln aus Leichlingen besonders beliebt. In diesen Tagen ist Erntezeit. 18 Betriebe, wenige Kilometer von der Haustür entfernt, haben aber noch mehr zu bieten. Von Ina Bodenröder

Kartoffeln, so weit das Auge reicht, viele noch im Boden, die meisten schon bereit für den Abtransport auf dem großen Traktoranhänger: große und kleine, grüne und krumme, die sofort von Hand aussortiert werden, manchmal auch Steine, die sich zwischen die Erdäpfel gemogelt haben. Bernd Sesterhenn hatte in diesen Tagen Kartoffelernte und nutzte mit seiner Frau Martina und Stefan Joest vom benachbarten Sonnenhof das gute Wetter, das ihm und seinen Helfern die Arbeit erheblich leichter macht.

"Wenn es jetzt regnete, könnten wir auf diesem Acker gar nicht ernten", erzählt der Leichlinger Landwirt, der Kartoffelroder würde seinen Dienst sofort einstellen. Denn der Boden in Junkersholz ist sehr schwer, fast lehmig und ein wenig tonhaltig, die Ernte für Mensch und Maschine nicht so leicht wie auf lockerem Untergrund. Auf den Äckern an der Wupper ist der Grund im Gegensatz dazu viel sandiger, dort gedeiht neben Erdbeeren und Gemüse zum Beispiel auch Getreide. Selbst auf den Flächen um Bennert und Grünscheid, so berichtet Stefan Joest, sei der Boden nicht so schwer wie auf der Höhe südlich des Weltersbachs.

"Im Winter freuen wir uns deshalb immer über langen Frost. Wenn der gefrorene Acker im Frühjahr aufbricht, ist er lockerer. Das ist besser für die Maschinen und die Pflanzen", erklärt Bernd Sesterhenn. Für den Geschmack der Kartoffeln aber ist der schwere Boden nahezu perfekt. Exemplare mit wohlklingenden Namen wie die frühreife, fest kochende Annabelle, die halbfest kochende Secura oder die mehlige Afra recken sich hier zu unterschiedlichen Jahreszeiten zum Licht.

Um das Wachstum zu fördern, werden sie besonders auf die Zeit im Freien vorbereitet. "Clevere Bauern beginnen Anfang des Jahres damit, ihre Pflanzkartoffeln in Stimmung zu bringen", schreibt dazu die Landwirtschaftskammer NRW. Sinn des so genannten Vorkeimens bei Licht und Wärme sei es, möglichst noch vor Pfingsten - vielleicht sogar zeitgleich mit dem Spargel - mit den ersten Frühkartoffeln auf den Markt zu kommen.

Auch Landwirt Sesterhenn gibt seinen Pflanzen einen entsprechenden Wachs-Anschub mit. Später im Jahr landen die Kartoffeln dann in den verschiedensten Formen auf den Tellern der Knollenfreunde. "Interessanterweise mögen Ostdeutsche vor allem halbfeste oder mehlig kochende Kartoffeln, die sind besonders gut für Kartoffelpüree", erzählt Sesterhenn. Wer aber mehr auf Bratkartoffeln setzt, sollte besser zu einer fest kochenden Sorte greifen. Auf anderthalb Hektar baut der Landwirt die Erdäpfel an, in guten Jahren erntet er brutto rund 60 Tonnen. In diesem Jahr werden es wohl etwas weniger, weil es sehr früh sehr heiß war. Das aber mag das Nachtschattengewächs im Knollenaufbau ganz und gar nicht. Verkauft wird die Ernte auf dem Hof, meist liegt der Preis bei rund fünf Euro für fünf Kilo.

Den Großhandel aber beliefert Bernd Sesterhenn nicht. "Das macht in Leichlingen keiner, dafür sind die Betriebe zu klein und die Böden nicht optimal", sagt der Landwirt, der zugleich Vorsitzender der Ortsbauernschaft Leichlingen/Witzhelden ist. Stattdessen hätten die hiesigen Bauern aber meist mehrere Standbeine. Viele nutzten die Direktvermarktung, um ihre frischen Produkte an den Kunden zu bringen. 18 Betriebe listet beispielsweise die Broschüre "Höferoute Leichlingen" auf, die die Stadt herausgibt. Tierhaltung mit Kühen, Hühnern, Kaninchen, Geflügel, Schafen oder Pferden, Obst, Spargel, Erdbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, verschiedenstes Gemüse, Futter- und Biogasmais: Die Landwirtschaft zwischen Witzhelden und Leichlingen ist tatsächlich kunterbunt, die Vielfalt enorm.

Quelle: RP
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