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Nachwuchssorgen in Hückeswagen
Die ärztliche Versorgung ist am Limit

Nachwuchssorgen in Hückeswagen: Die ärztliche Versorgung ist am Limit
In den sechs Praxen in Hückeswagen darf kein Arzt ausfallen - sonst wird es eng. FOTO: Patrick Pleul (dpa)
Hückeswagen. In Hückeswagen können die Patienten noch von den vorhandenen Ärzten versorgt werden. Doch in der Zukunft wird es eng. Von Wolfgang Weitzdörfer

Der Fachkräftemangel ist beileibe nicht nur ein Thema für Handwerk und Industrie, auch die Ärzte plagen Nachwuchssorgen - zumindest die auf dem Land. Und dazu gehört Hückeswagen. In ein paar Jahren könnte das Thema durchaus die ärztliche Versorgung in der Schloss-Stadt betreffen. "Momentan ist die Situation einigermaßen okay, wir kriegen das hin", sagt Ärzte-Sprecher Helmut Beckert, der zusammen mit Dr. Stephan Lode eine Gemeinschaftspraxis betreibt. "Man muss dazu aber auch sagen, dass wir uns von der Kapazität durchaus am Limit bewegen."

Beckert betont: Es dürfe keiner der zehn Hückeswagener Ärzte in den sechs Praxen ausfallen. "Wir alle haben sehr hohe Patientenzahlen - wenn da einer wegfällt, können wir das kaum übernehmen." So würden in der Gemeinschaftspraxis Beckert/Lode rund 2500 Patienten pro Quartal versorgt - der NRW-Durchschnitt liege dagegen bei rund 800 pro Einzelpraxis. "Da kommt man so langsam an seine Grenzen", stellt der Allgemeinmediziner klar. Am besten wäre es ohnehin, sagt der Ärzte-Sprecher, wenn sich schon jetzt ein neuer Kollege ansiedeln würde. "Aber das ist eher unwahrscheinlich."

Beckert ist 55 Jahre, seine Kolleginnen und Kollegen sind etwa im selben Alter. Somit ist absehbar, dass in den nächsten zehn Jahren mehrere Ärzte in der Schloss-Stadt in den Ruhestand gehen werden. "Das ist eine bundesweite Tendenz: Bis 2023 wird rund ein Viertel aller Ärzte pensioniert", sagt Beckert.

Ebenfalls nicht außer Acht lassen dürfe man, dass die Zukunft der Medizin eindeutig weiblich sei: "Eine Vielzahl der Absolventen sind Frauen", sagt der Ärzte-Sprecher. Dadurch würde es künftig die klassische Rollenverteilung so nicht mehr geben: "Der typische Hausarzt, der den ganzen Tag arbeitet, könnte der Vergangenheit angehören. Möglich sind etwa Teilzeitmodelle für Ärztinnen, die Kinder haben", sagt Beckert. Dann seien jedoch noch mehr neue Ärzte nötig, um den Bedarf zu decken.

Ein weiteres Problem sei für viele Ärzte, die jetzt noch im Krankenhaus tätig sind, dass der Beruf des niedergelassenen Arztes aufgrund des Kostendrucks und der Bürokratie durchaus einiges von seinem früheren Reiz verloren habe. "Da überlegen schon viele junge Krankenhausärzte, ob sie sich nicht doch eher in Richtung Forschung bewegen sollen", betont Beckert. Abgesehen davon sei die ländliche Lage Hückeswagens eher unattraktiv: "Wer die Wahl hat, ob er in Köln-Ehrenfeld eine Praxis übernimmt oder in Hückeswagen - da ist klar, wie die Entscheidung ausfallen wird."

Das allgemeine Ansehen der Ärzte sei davon übrigens nicht betroffen - zumindest in der Bevölkerung: "Das merkt man nicht. Es sind oft eher die Krankenkassen und die Medien, die den Ärzten unterstellen, etwa zu viel Geld auszugeben." Das grundsätzliche Problem seien eher die genannten bürokratischen Hürden: "Die neuen Regelungen zur Ausstellung von Heilmittelverordnungen kosten beispielsweise unheimlich viel Zeit", sagt Beckert. Was früher ein Rezept war, sei heute ein umfangreicher Fragenkatalog, den Arzt und Patient zu bearbeiten hätten. Sicher habe das seinen Sinn, sagt Beckert: "Aber letztlich landet das bei uns und kostet den Patienten Zeit. Die Budgetierung ist auf allen Ebenen angekommen."

Um den Arztberuf attraktiver zu machen, wünscht sich Beckert, dass man schon in der Universität weg von der Selektion durch den Numerus clausus kommt: "Es gibt eine Vielzahl von Abiturienten, die perfekte Hausärzte wären - auch wenn sie kein Einser-Abi haben." Schließlich brauche man nicht den 25. Professor für irgendein Spezialgebiet.

Quelle: RP
 
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