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Landwirtschaft
Die Bauern setzten auf Wildschweinjagd

Hückeswagen. Ein nasser und milder Winter, Wühlmäuse und steigende Wildschweinpopulationen machen den Landwirten das Leben nicht leicht. Ortslandwirt Dietmar Strack und der Vorsitzende der Ortsbauernschaft, Christian Felbeck, schildern die Situation. Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen Das Wetter ist eher herbstlich als winterlich - kühl, aber kein Frost. Und vor allem regnerisch. An den ersten Tagen im neuen Jahr war etwa die Wupper an vielen Stellen über die Ufer getreten und hatte die angrenzenden Wiesen unter Wasser gesetzt. Kein guter Jahresstart für die Landwirte im Bergischen.

Ortslandwirt Dietmar Strack nimmt es aber recht gelassen auf: "Den Regen können wir nun einmal nicht beeinflussen. Außerdem sind wir in den vergangenen Jahren diesbezüglich recht verwöhnt gewesen." Zudem könne er nicht von überschwemmten Feldern berichten: "Klar, sie sind wassergesättigt. Aber wir sind hier im Bergischen, da läuft das Wasser zum Glück meistens ab." Was hingegen jetzt fehle, seien einige Tage mit knackigem Frost. Der würde nämlich den im Herbst festgefahrenen und verdichteten Boden wieder aufplatzen lassen. "Das kann man manuell nicht wirklich machen, und es würde dem Boden guttun", sagt Strack.

Christian Felbeck, Vorsitzender der Ortsbauernschaft, bringt ein weiteres Thema ins Spiel: "Wir haben derzeit so viel Gülle auf Lager, wie noch nie. Das Problem war, dass es auch im Herbst schon zu nass war." Die Ausbringfristen für Gülle endet am 31. Januar. Wenn der Boden zu wassergesättigt ist, kann sie aber nicht ausgefahren werden. "Wir bräuchten um den 1. Februar- besser schon vorher - ein bis zwei Wochen trockenes Wetter", sagt Felbeck. Der nasse Boden sei diesbezüglich für viele Betriebe ein echtes Problem, ergänzt der Ortsbauernvorsitzende.

Neben dem Wetter haben die Landwirte aber noch andere potenzielle Probleme. Eines davon ist klein, flauschig und wühlt sich gerne durch die Erde und durchlöchert mitunter ganze Felder: die Wühlmaus. "Dazu kann ich aber im Moment noch nichts sagen. Klar ist, dass die Populationen gewachsen sind", sagt Strack. Er sei bei dem regnerischen Wetter allerdings noch nicht über die Felder gegangen, um zu sehen, wie es diesbezüglich im Moment aussehe. Gegen die kleinen Wühler könne man hingegen nicht viel ausrichten: "Es gibt Köder, die sind aber sehr aufwändig auszulegen. Und im Extremfall müsste man so ein Feld einmal komplett umbrechen und neu besäen", sagt Dietmar Strack. Das sei aber sehr kostenaufwendig.

Für Felbeck spielen die Mäuse keine große Rolle: "Die Tiere richten ihre Schäden an, aber wir leben damit." Auf seinem Hof habe er zudem eine kostengünstige und effektive Maßnahme eingerichtet: "Wir haben am Rand der Felder Sitzstangen für Eulen und Greifvögel aufgestellt - die können von dort dann einfach auf die Jagd gehen."

Ein größeres Problem seien da schon die Wildschweine, sind sich Felbeck und Strack einig: "Die werden immer mehr. Ich hoffe, dass die neue Landesregierung die gesetzlichen Regelungen dahingehend festlegt, dass vermehrt Jagd betrieben werden darf", sagt Felbeck. Er sieht die anwachsenden Populationen vor allem in den milden Wintern der vergangenen Jahre begründet: "Dadurch gibt es auch eine sehr gute Futtersituation für die Tiere." Auch Strack sieht die Aktivitäten der Wildschweine als Problem: "Die wühlen sich manchmal recht ordentlich durch den Acker, manchmal aber auch nur am Rand." Die Landwirte stehen in engem und guten Kontakt mit dem Hegering: "Die Absprachen mit den Jägern funktionieren diesbezüglich sehr gut", bestätigen beide.

Im Bergischen gibt es vorwiegend Milchviehhaltung und nur vereinzelte Schweinemastbetriebe. Daher halte sich die Sorgen bezüglich des Vordringens der Afrikanische Schweinepest im Rahmen. "Wenn die aber kommen sollte, dann haben die Schweinebetriebe ein enormes Problem. Die sind dann fertig", macht der Ortslandwirt deutlich. Schließlich müssten alle Tiere geschlachtet werden, was ein finanzieller Super-GAU sei. Noch habe es im Bergischen keine Verdachtsfälle gegeben.

Felbeck sieht vor allem Bio-Betriebe in Gefahr, denn dort sei die Übertragungsgefahr durch infizierte Wildschweine am größten: "Konventionelle Schweinemastbetriebe sind derart hermetisch abgeschlossen, da müsste das Virus schon der Landwirt selbst reinbringen", sagt Felbeck. "Hysterie bei diesem Thema ist aber unangebracht."

Quelle: RP
 
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