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Interview mit Bürgermeister Dietmar Persian
"Die Bever ist für Biker weiterhin attraktiv"

Interview mit Bürgermeister Dietmar Persian: "Die Bever ist für Biker weiterhin attraktiv"
Dietmar Persian FOTO: nico Hertgen (Archiv)
Hückeswagen. Auch wenn es keine Genehmigung mehr für die beiden Verkaufsbuden am Beverdamm gibt, so kommen doch immer noch Biker nach Hückeswagen und auch an die Bever. Über das Thema "Motorradlärm" sprach unsere Redaktion mit Bürgermeister Dietmar Persian.

Am Beverdamm gibt's keine Verkaufsbuden mehr. Haben Sie Erkenntnisse darüber, ob das an den schönen Wochenenden schon Auswirkungen auf die Anzahl der Motorradfahrer gehabt hat?

Dietmar Persian Nein, da wird man die nächsten Wochen abwarten müssen. Sicher werden am Beverdamm nicht mehr so viele Biker stehen, aber ich sehe bei schönem Wetter nach wie vor sehr viele Motorradfahrer, die auf unseren Straßen unterwegs sind.

Sie haben im vorigen Jahr noch gesagt, dass die Verkaufsbuden ein Wirtschaftsfaktor für Hückeswagen sind und Sie nichts dagegen hätten, würden Sie dort weiter stehen. Zuletzt haben Sie jedoch klar gemacht, dass Sie einer Änderung des Flächennutzungsplans für die Ansiedelung neuer Buden nicht zustimmen werden. Warum dieser Meinungsumschwung?

Persian Im Flächennutzungsplan haben wir den Freizeitschwerpunkt an der Bever eindeutig auf die Westseite gelegt. Dort haben wir ein großes Angebot etwa an Liegeflächen, Gastronomie und Parkplätzen. Auf der Ostseite an der K 5 ist es schon aus topografischen und Naturschutz-Gründen nicht möglich, Ähnliches anzubieten. Auch der Regionalplan verbietet es, hier einen neuen Schwerpunkt zu bilden. Darum scheidet die Änderung des Flächennutzungsplanes aus. Unabhängig davon halte ich persönlich Verkaufsbuden auf Verkehrsnebenflächen nach wie vor für unproblematisch. Das sehe ich auch weiter so: In beschränktem Rahmen, sowohl zeitlich als auch vom Umfang her, dürften auch in Zukunft Verkaufswagen auf Verkehrsnebenflächen zulässig sein. Das ist dann im Rahmen eines Baugenehmigungsverfahrens in aller Ruhe durch die Bauaufsicht zu prüfen. Eine Flächennutzungsplanänderung ist hierfür meines Wissens nicht zwingend erforderlich. Wäre sie es, dann gibt es halt keine Verkaufsbuden.

Also gäbe es doch noch eine Möglichkeit für Buden am Beverdamm?

Persian Zumindest will ich das für die Zukunft nicht kategorisch ausschließen. Im Moment stellt sich aber die Frage nicht, weil wir gemeinsam mit dem Kreis die weitere Entwicklung beobachten wollen.

Sie haben zu Beginn der Diskussion um den Motorradlärm viel Kritik seitens der Anwohner bekommen. Vor allem, als Sie ein Fortbestehen der Buden befürwortet hatten. Ist Ihre Meinungsänderung ein Einknicken vor den Bürgern?

Persian Mir ist es wichtig, alle Seiten zu hören. Die Anwohner an den überörtlichen Straßen, die zu Recht genervt sind vom zunehmenden Lärm, aber genauso die Motorradfahrer, die gerne ins Bergische Land kommen und unsere schöne Landschaft genießen. Wir freuen uns immer über Gäste, egal mit welchem Fahrzeug sie kommen.

In den sozialen Netzwerken machen viele Biker ihrem Unmut Luft über die Entwicklung am Beverdamm. Viele werfen dem Kreis vor, der Umbau der K 5 sei nur deshalb in Angriff genommen worden, um die Verkaufsbuden loszuwerden. Sie als Bürgermeister stehen im ständigen Kontakt mit der Kreisverwaltung: Sind diese Vorwürfe für Sie nachvollziehbar?

Persian Nein. Der Kreis musste handeln, um die Verkehrssicherheit hier zu erhöhen. Außerdem ist der Umbau seit vielen Jahren geplant; er wird nur in einem Teilbereich vorgezogen. Es ist gut, dass jetzt umgebaut wird.

Manche Biker machen die Anwohner, die sich in der Bürgerinitiative gegen den Motorradlärm zusammengeschlossen haben, mitverantwortlich dafür, dass die Inhaber der Buden keine weitere Sondernutzungsgenehmigung bekommen haben. Halten Sie es für möglich, dass einige Motorradfahrer – sozusagen aus Rache – nun bei der Einfahrt nach Hückeswagen ihre Maschinen extra laut aufdrehen?

Persian Ich kenne viele Motorradfahrer und bin davon überzeugt, dass die allermeisten Rücksicht auf ihre Mitmenschen nehmen. Schwarze Schafe gibt es aber leider überall.

Glauben Sie auch, wie viele Anwohner, dass es mittel- bis langfristig weniger Biker zur Bever ziehen wird, wenn es am Damm nichts mehr zu essen und zu trinken gibt?

Persian Nein, das glaube ich nicht. Die Bever und ihr Umland sind so schön, dass sie auch in Zukunft eine große Anziehungskraft auf Motorradfahrer ausüben.

Aber der Lärm mancher Maschinen ist schon eine Qual, oder?

Persian Der Motorradlärm ist in der Tat an manchen Tagen störend. Hier sind in erster Linie Gesetzgeber und Hersteller gefragt, alles dafür zu tun, um die Maschinen leiser zu machen. Und natürlich wirkt sich auch der zunehmende Motorradverkehr aus – es fahren einfach viel mehr Leute auf ihren Motorrädern. Und ganz besonders bei uns. Daran werden aus meiner Sicht zwei Buden mehr oder weniger an der Bever-Talsperre nichts ändern.

Stadt und Kreis haben bereits angekündigt, in dieser Saison ein besonderes Augenmerk auf die Biker zu legen und verstärkt in Hückeswagen zu kontrollieren. Was kann, was wird die Stadt Hückeswagen tun, um ihre Einwohnern an den betroffenen Bundes-, Land- und Kreisstraßen vor lärmenden Maschinen zu schützen?

Persian Wie gesagt, ist es überwiegend ein bundes- und landesweites Problem, das überörtlich gelöst werden muss. Dennoch sind wir mit Kreis, Straßenverkehrsamt, Polizei und den Nachbarkommunen dabei, das Thema grundsätzlich anzugehen. Zunächst werden wir in den nächsten Wochen gemeinsam Verkehrszählungen durchführen, um verlässliche Zahlen zu haben. Danach werden wir uns zusammensetzen und gemeinsam überlegen und entscheiden, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten, wie beispielsweise Geschwindigkeitsbegrenzungen in bestimmten Bereichen. Die Polizei wird verstärkt Kontrollen durchführen, was ich sehr begrüße.

In anderen Kommunen, wie etwa in Lindlar (K 19), hat es Streckensperrungen für Motorräder gegeben. Wäre das für die Schloss-Stadt eine Option?

Persian Die Streckensperrung in Lindlar ist erfolgt, weil es dort schwere Verkehrsunfälle mit Toten aufgrund überhöhter Geschwindigkeit und waghalsigen Überholmanövern gegeben hat. Eine Streckensperrung ist immer die letzte Möglichkeit; das sehe ich für Hückeswagen nicht als notwendig an.

In der gemeinsamen Sitzung von Kreisbauausschuss und Hückeswagener Planungsausschuss hatte es eine Initiative gegeben, wonach Biker-Vertreter und Anwohner das gemeinsame Gespräch suchen wollen. Hat es das Ihres Wissens schon gegeben?

Persian Ich habe nach der Sitzung mit Jürgen Hager als Sprecher der Bürgerinitiative telefoniert und ihm gesagt, dass ich gerne an diesen Gesprächen teilnehme. Es ist immer gut, miteinander zu sprechen, um die andere Seite zu verstehen. Aber auch, um gemeinsam zu überlegen, was getan werden kann. Noch hat es diese Gespräche nicht gegeben; aber dies wird seitens der Bürgerinitiative vorbereitet.

Stephan Büllesbach führte das Gespräch.

 
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