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Hückeswagen
Die Bewahrer der Industriegeschichte

Hückeswagen: Die Bewahrer der Industriegeschichte
Antonio Garcia erklärt Hermann Kuhlmann und Hans Scheid eine Texturiermaschine der Firma Barmag (Baujahr 1990). Die Maschine ist eine Stiftung des Wülfing-Museums in Radevormwald. BM-Foto: Jürgen Moll FOTO: Moll, Jürgen (jumo)
Hückeswagen. Der Verein "3-Städte-Depot" hat beim Tag der Offenen Tür auf dem ehemaligen Gelände der Firma Bêche & Grohs 65 Exponate präsentiert - etwa Nähmaschinen aus den 30er Jahren, alte Filmvorführgeräte oder Röhrenfernseher. Von Wolfgang Weitzdörfer

Ein Jahr gibt es den Verein "3-Städte-Depot" nun. Natürlich ist das ein Anlass, ein Fazit zu ziehen. Es ist aber auch ein Anlass, sich zu präsentieren. Am besten mit einem Tag der Offenen Tür. So geschehen am Sonntagvormittag auf dem ehemaligen Gelände der Firma Bêche & Grohs in der Peterstraße. Der Verein kümmert sich um historische Maschinen, Schätzchen aus dem Bergischen Land, in dem ja, dem Bergischen Heimatlied zufolge, einst nicht nur die Nachtigall sang, die Wupper auf steinigem Weg wogte, sondern auch die Hämmer mit Gesaus niedergingen und der Amboss erklang. Das zitierte auch einer der drei anwesenden Bürgermeister, Dietmar Persian, das Stadtoberhaupt der Schloss-Stadt.

Genau wie seine Amtskollegen aus Wipperfürth und Radevormwald, der stellvertretende Bürgermeister Norbert Grüterich und der stellvertretende Bürgermeister Arnold Müller, legte Persian aber vor allem auf eine Sache Wert: "Es hat sich eine ganze Menge getan, seit dem ersten Tag der Offenen Tür vor einem Jahr." Im Städtedreieck habe es immer schon eine vielfältige Industrielandschaft gegeben, das Ziel des Vereins sei es, die Geschichte zu bewahren. Und auch wenn der Weg zur Gründung nicht einfach gewesen sei, sei vor allem seine Ausrichtung wichtig: "Das '3-Städte-Depot' hilft nicht nur dabei, in die Vergangenheit zu schauen, sondern auch dabei, daraus für die Gegenwart und Zukunft zu lernen."

Albrecht Nunn, Vorsitzender des Vereins, äußerte sich diesbezüglich ganz ähnlich: "Was bringt uns das Erhalten der Industriegeschichte für das Morgen? Morgen werden die Maschinen untereinander kommunizieren. Das Smartphone von heute ist für das Kind von morgen ein alter Hut. Aber damit der neue Hut entwickelt werden kann, brauchen wir kreative und mutige Menschen mit dem richtigen Riecher, die das Wissen von früher an die Jugend weitergeben." Im Inneren der Halle waren für den Tag der Offenen Tür 65 Exponate zu sehen gewesen. Ungewohnt, denn eigentlich kann und will der rein ehrenamtlich organisierte Verein kein Museum stemmen: "Zehn bis 15 engagierte Mitarbeiter kommen jeden Montagmorgen in die Halle und kümmern sich um die Schätzchen", sagte Nunn. Ein echtes Museum könne da alleine aus Zeitgründen nicht entstehen, aber wer Interesse hat, Nähmaschinen aus den 30er Jahren oder Filmvorführgeräte, einen Röhrenfernseher oder eine Feil- und Sägemaschine aus den 20ern zu sehen, der könne montags vorbeikommen: "Es ist ab 9 Uhr immer jemand da."

Es sei zudem die Zusammenarbeit zwischen Radevormwald, Wipperfürth und Hückeswagen, die für das besondere Material im "3-Städte-Depot" sorge, sagte Norbert Güterich: "Es sollten auch noch viel mehr Stiftungen aus Wipperfürth dazukommen, denn schließlich wurde Wipperfürth auch wegen der Industrie zur 'Hansestadt'", sagte der stellvertretende Bürgermeister. Vor Kurzem hatte die Firma Radium ein altes Schätzchen gestiftet. Arnold Müller war in der Halle auf einige "alte Bekannte" getroffen, wie er sagte: "Es ist wichtig, auf der Basis der Geschichte zu lernen und so unsere Industrie weiterzuentwickeln", so Müller. Er fügte an: "Radevormwald ist die 'Stadt auf der Höhe' - das passt, weil auch mehrere Aktive im Verein aus Rade kommen."

Der weitere Weg des Vereins werde vor allem durch die Mitarbeit der Bürger geleistet, sagte Nunn: "Möglichst viele Menschen sollen angesprochen werden und durch die Stiftung ihrer Schätzchen die Arbeit des Vereins unterstützen." Aber nicht nur Maschinen werden gesucht, sondern auch Ehrenamtler, die im administrativen Bereich mithelfen wollen.

Quelle: RP
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