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Die Woche
Die Friedensstele ist ein Hoffnungsträger - wie Luthers Apfelbaum

Die Woche: Die Friedensstele ist ein Hoffnungsträger - wie Luthers Apfelbaum
FOTO: Moll Jürgen
Hückeswagen. Heute wird nicht nur der Etapler Platz offiziell eröffnet, auch wird die Friedensstele eingeweiht. Ihrem Erschaffer, dem Voßhagener Künstler Bernhard Guski, ist ein grandioses Zeichen und Symbol für den Frieden gelungen. Denn der ist nicht mehr so selbstverständlich, wie er es einmal war. Von Stephan Büllesbach

Seit es die sozialen Netzwerke gibt, machen viele ihre Meinungen öffentlich. Mittlerweile ist dadurch der Eindruck entstanden, es wird nicht diskutiert, weil man etwas schlecht findet, sondern weil man um jeden Preis etwas schlecht finden will. Das gilt offenbar auch für die Online-Diskussion über das Kunstwerk von Bernhard Guski. Das steht seit Donnerstag im Zentrum und wird am heutigen Samstag offiziell im Rahmen der Eröffnungsfeier des neu gestalteten Etapler Platzes eingeweiht.

Über die Sinnhaftigkeit der Friedensstele wird seit Wochen in den sozialen Netzwerken diskutiert. Kritisiert wird vor allem eins: die Kosten. Sicher, 14.000 Euro für ein paar pulverbeschichtete Stahlrohre mögen viel Geld sein. Doch es ist schlichtweg falsch, dass die Stadt diese Summe besser in Schulen oder Kindergärten investieren müsste, wie von Kritikern verlangt. Denn ihre Argumentation basiert auf falschen Grundlagen: Die Stadt Hückeswagen hat für Guskis Kunstwerk nichts bezahlt. Das Geld kommt von der Volksbank Oberberg, deren Raiffeisenbank-Geschäftsstelle in unmittelbarer Nähe zur Friedensstele liegt. Und was ein privates Unternehmen mit seinem Geld anstellt, geht niemanden etwas an - schließlich verbittet sich jeder zu Recht, wenn über seine Ausgaben öffentlich gesprochen wird.

Kunst braucht Unterstützer, Künstler brauchen Sponsoren. Das war in früheren Zeiten so, und das ist heute nicht anders. Die Frage stellt sich, ob ein van Gogh, der Zeit seines Lebens nur ein einziges Bild verkauft haben soll, heutzutage noch als Künstler arbeiten würde, gäbe es keinen finanzkräftigen Gönner. Künstler wollen und müssen von ihrer Arbeit leben, und auch das Material bekommen sie in der Regel nicht geschenkt.

Die 14.000 Euro sind im Fall der Friedensstele eine sinnvolle Investition. Ist dieses Kunstwerk doch ein starkes, wichtiges und vor allem öffentliches Zeichen für den Frieden. Und auch für die Aussöhnung und die Freundschaft mit dem ehemaligen "Erzfeind" Frankreich. Guski spielt wie jeder Künstler mit Symbolik. So steht Weiß auch für Frieden - und ein Kranz in dieser Farbe umgibt und vereint die sechs Stahlrohre, die die Kontinente symbolisieren. Wäre es nicht schön, wenn es endlich einmal keinen Krieg, keinen Hass, keine Gewalt, keine Vergewaltigungen, keinen Missbrauch auf dem Globus mehr geben würde? Wer diese Frage mit nein beantwortet, muss schon sehr hartgesotten sein.

Über allem thront die Friedenstaube - sie alleine für sich ist schon ein starkes Symbol. Doch Guski geht noch zwei Schritte weiter: Er hat sie auf die blaue Stele gesetzt, die für Europa steht und damit für unseren Kontinent, dem der Künstler mehr Frieden wünscht. Doch auch in der "alten Welt" ist es beileibe nicht mehr so friedlich, wie noch vor geraumer Zeit: Fremdenhass wird wieder salonfähig, in den sozialen Medien beschimpfen sich die Menschen - die einander häufig gar nicht kennen - aufs Übelste. Polizisten und Zugschaffner werden attackiert, sogar Rettungskräfte bei Einsätzen geschlagen, getreten und bespuckt. Frauen müssen Angst vor Übergriffen haben, wenn sie im Dunkeln joggen. Und Fußball-"Fans" gehen aufeinander grundlos los, nur weil sie für unterschiedliche Vereine halten. Geht's eigentlich noch? Es hat den Anschein, als ob der Mensch in seiner Entwicklung wieder große Schritte rückwärts macht und erneut verroht. Die Friedenstaube schaut zudem in Richtung Etaples - was für eine starke Aussage! Guski schickt damit Friedensgrüße nicht nur zu den Menschen, die mittlerweile zu unseren Freunden geworden sind. Sondern vor allem zu den Franzosen, die vor nicht allzu langer Zeit noch als der Feind schlechthin angesehen wurden.

Seit 72 Jahren haben die Deutschen glücklicherweise keinen Krieg mehr am eigenen Leib zu spüren gekommen. Der Frieden schien selbstverständlich geworden zu sein. Doch wie das mit Selbstverständlichkeiten so ist - sie werden irgendwann nicht mehr wahrgenommen, verblassen. Überall auf der Welt, in Europa, in Deutschland und sogar im beschaulichen Hückeswagen kommen die Hardliner aus ihren Löchern. Mit der Folge, dass der Frieden wieder bedroht ist. Umso wichtiger ist es, wenn Symbole wie das Guski-Kunstwerk auf dem Etapler Platz in den Alltag und ins Blickfeld der Menschen geraten.

Die Hückeswagener Friedensstele wird die Probleme dieser Welt mit Sicherheit nicht lösen. Aber sie ist wie Luthers Apfelbäumchen - ein Hoffnungsträger: Der große Reformator warb dafür, ein solches Bäumchen auch dann noch zu pflanzen, wenn tags drauf die Welt untergehen sollte.

Quelle: RP
 
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