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Hückeswagen
Die Hirsch-Apotheke existiert nicht mehr

Hückeswagen: Die Hirsch-Apotheke existiert nicht mehr
In der Hirsch-Apotheke gibt es seit eineinhalb Wochen keine Medikamente mehr. Sie wurde verkauft und soll nicht weiter betrieben werden. FOTO: St. Büllesbach
Hückeswagen. In Hückeswagen gibt es nur noch drei Apotheken, denn die Hirsch-Apotheke an der Friedrichstraße wird seit dem 8. August nicht mehr betrieben. Erworben wurde sie von Dr. Andreas Winterfeld, der sie aber nicht mehr fortführen wird. Von Stephan Büllesbach

Noch hält sich Hans-Joachim Schulte in den Räumen der Apotheke auf, die er mehr als 20 Jahre betrieb. Doch Medikamente gibt er nicht heraus, ebenso wenig verkauft er noch etwas. Zusammen mit Britta Belenguer, Mitarbeiterin der Montanus-Apotheke, informiert er die Kunden nur noch darüber, dass es die Hirsch-Apotheke nicht mehr gibt. Der Burscheider Dr. Andreas Winterfeld, der 2007 die Montanus-Apotheker am Wilhelmplatz gekauft und modernisiert hatte, hat die Konkurrenz von der Friedrichstraße übernommen.

Als Schulte vor einigen Wochen im Gespräch mit Winterfeld seinen Wunsch äußerte, in den Ruhestand zu gehen, "haben wir nach einer Lösung für die Hirsch-Apotheke gesucht", erzählt der Winterfeld. Es sei konkret über die Möglichkeit gesprochen worden, die Aktivitäten der Hirsch- und der Montanus-Apotheke zu bündeln. Dass die Kunden, die bisher zur Apotheke an der Friedrichstraße gegangen sind, nun zum Wilhelmplatz kommen sollen, ist das Ziel der Zusammenlegung: "Das Bündeln der Apotheken im Zentrum passt für die Kunden gut zusammen", sagt Winterfeld im Gespräch mit unserer Redaktion. "Ich hoffe, dass wir einen Großteil der Kunden der Hirsch-Apotheke zu uns herüberziehen können."

Das dürfte für Winterfeld auch der Hauptbeweggrund gewesen sein, die Konkurrenz zu übernehmen. Denn fortführen wird er die Hirsch-Apotheke nicht. Das darf er ohnehin nicht, da er bereits vier Apotheken besitzt (siehe Infokasten); mehr ist nicht erlaubt. Die beiden Mitarbeiterinnen hat er übernommen - sie verstärkten das Montanus-Team, das nun auf zehn Beschäftigte angewachsen ist.

Weniger erfreut über den Zusammenschluss der beiden Apotheken zeigt sich Barbara Schwinghammer-Steinbach. Die Apothekerin, die vor fünf Jahren nach dem Tod von Klaus Zaehlke die Oberbergische Apotheke übernahm und seit 2010 in Wermelskirchen die Apotheke an der Post betreibt, kritisiert das gesamte Übernahmeverfahren. "Die Apothekerkammer ist der Meinung, dass das so gerade noch akzeptabel ist", berichtet sie auf Anfrage der BM.

Zwei Dinge stören sie: "Der Kollege Schulte hätte vielleicht früher mal mitteilen können, dass er in den Ruhestand geht." Denn dann hätte man sich vor allem auf die geänderte Notdienst-Situation einstellen können. So müssen sämtliche Apotheken in der Region durch den Wegfall der Hirsch-Apotheke einen weiteren Dienst leisten. Statt 24, die für 2016 geplant waren, rechnete Barbara Schwinghammer-Steinbach nun mit 25 - der zusätzliche Notdienst für die Oberbergische Apotheke ist ausgerechnet am Weihnachtssamstag. Für Apotheken etwa in Remscheid sei das vielleicht einfacher wegzustecken. "Für uns im ländlichen Bereich ist das aber eine Belastung", stellt sie klar. Sei es doch schwerer, Personal zu finden, wenn die Zahl der Notdienste hoch sei.

Was mit den Räumen der Hirsch-Apotheke passiert, weiß Andreas Winterfeld noch nicht. "Es hat sich zwar schon ein Interessent gemeldet, aber wir werden uns erst jetzt Gedanken über die Nachfolgenutzung machen", sagt er.

Derweil freut sich Hans-Joachim Schulte auf seinen Ruhestand. Der 64-Jährige ist bereits in die Nähe von Hameln gezogen und will dort demnächst die Rente genießen. "Vielleicht übernehme ich auch mal eine Vertretung", sagt er. "Aber nicht mehr in Hückeswagen." Dazu wäre der Weg aus Niedersachsen wohl auch zu weit.

Quelle: RP
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