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Zur Woche
Die Sparkasse wagt wieder einmal einen Neuanfang

Zur Woche: Die Sparkasse wagt wieder einmal einen Neuanfang
FOTO: Moll Jürgen
Hückeswagen. Die Sparkasse kommt nicht zur Ruhe. Wieder einmal hat ein Vorstandsmitglied frühzeitig das Haus verlassen. Frank Jäschke soll den Neuanfang initiieren und mit seiner Erfahrung die Zukunftsstrategie festlegen. Von Wolfgang Scholl

Die vergangenen Jahre der Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen sind von einer wechselvollen Geschichte gezeichnet. Mehrere Vorstandsmitglieder haben vorzeitig ihren Hut genommen - meistens mit einvernehmlicher Trennung, was zur Folge hat, dass aus dem Ergebnis und Gewinn des Bankhauses sehr viel Geld an die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder fließt. Der Vertrag mit Michael Kühl war 2014 um fünf Jahre verlängert worden. Der Rest ist Bankgeheimnis.

Obwohl die Sparkasse ein zumindest in Teilen dem Gemeinwohl orientiertes Bankhaus ist, konkurriert es per Internet mit Groß- und reinen Internetbanken. Früher gingen die Vertreter der Generationen selbstverständlich zur Sparkasse oder zur örtlichen Volksbank. Heute muss auch die Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen um jeden Kunden kämpfen. Und da muss sie mit ihrem Angebot und ihren Mitarbeitern überzeugen. Das gilt vor allem für Geschäfte, mit denen sich Geld verdienen lässt. Und da scheint es insgesamt über viele Jahre nicht ganz "rund gelaufen" zu sein, sonst gäbe es die große Fluktuation an der Spitze nicht. Und auch das scheint klar: Weniger Ertrag durch zu viele Vorstandsgehälter mindert auch die finanziellen Spielräume, das Gemeinwohl mitzufinanzieren oder, wie es einmal geplant war, auch den städtischen Haushalt beider Kommunen zu unterstützen.

Dabei ist eine Sparkasse mit Bezug zur Region (noch) ziemlich wichtig. Das gilt besonders für das Kreditgeschäft - mit dem normalerweise Teile des Ertrages erwirtschaftet werden. Ein positives Zeichen wurde im Mai gegeben, weil auf Nachfrage erklärt wurde, man sei auch an den beiden größten Bauvorhaben in Radevormwald und Hückeswagen beteiligt.

Was personalpolitisch rund um den Vorstand und auch den Verwaltungsrat sowie die anderen Gremien schief gelaufen ist, bleibt weiter im Dunkeln. Fast immer gibt es den Verweis auf das Bankgeheimnis. Vielsagend scheinen da die Worte des Rader Bürgermeisters zu sein, der Ruhe bei der Sparkasse einfordert. Nur ein guter Ruf in der Öffentlichkeit fördert das Interesse an Geschäften mit einer Bank. Und spätestens da kommen die Politiker beider Kommunen wieder ins Spiel. Ihre Aufgabe muss es nun sein, an diesem neuen, guten Ruf mitzuarbeiten. Nur dann wird man auch die Mitarbeiter im Haus halten können - oder Mitarbeiter, die auswärts ihre Kenntnisse einige Zeit verbessert haben, wieder in das angestammte Haus zurückzuholen. Auch bei der Personalpolitik muss es deshalb eine Strategie geben.

Häufig ist in der Öffentlichkeit der Vorwurf zu hören, dass den Mitarbeitern die Erfahrung fehlt. Nur mit jungen Leuten lässt sich ein regionales Bankhaus sicherlich nicht führen. Wer seinen Ansprechpartner über längere Zeit kennt, ist eher gewillt, ein größeres Geschäft abzuschließen. Noch gibt es Kunden, die Kontinuität zu schätzen wissen. Hoffentlich ist es für die Sparkasse noch nicht zu spät.

Quelle: RP
 
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