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Adrian Borner
DLRG will mehr als Erfüllungsgehilfe sein

Adrian Borner: DLRG will mehr als Erfüllungsgehilfe sein
Der 26-jährige Adrian Borner übernahm im April den Vorsitz der DLRG-Ortsgruppe. Er wurde Nachfolger von Wolfgang Neuhaus, der nach 17 Jahren sein Amt niedergelegt hatte. FOTO: Schütz Michael
Hückeswagen. DLRG will mehr als Erfüllungsgehilfe sein Er ist der jüngste Vorsitzende, den die DLRG-Ortsgruppe jemals hatte: Im April wurde Adrian Borner zum Nachfolger von Wolfgang Neuhaus gewählt. Im BM-Interview erzählt der 26-Jährige, was er bislang erreicht und was er sich vorgenommen hat.

Herr Borner, warum überlegt sich ein 26-Jähriger, die Ortsgruppe der DLRG zu übernehmen?

Borner Im Grunde habe ich den Posten des Vorsitzenden im Vorfeld der Wahl nie konkret in Erwägung gezogen. Dann wurde ich allerdings häufiger von verschiedenen Mitgliedern darauf angesprochen, ob ich mir dessen Ausübung vorstellen könnte. Als ich zudem von Wolfgang Neuhaus erfuhr, dass er seinen Posten zur Wahl stellen würde, konkretisierten sich meine Überlegungen erstmals, da ich in unserer Ortsgruppe ein großes Potenzial im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung sehe. Die Voraussetzung, dass ich einen verlässlichen und kompetenten Stellvertreter finde, erfüllte sich in kurzer Zeit, so dass ich mich entschloss, den Posten des Vorsitzenden zu übernehmen.

Waren Sie mit der Arbeit des alten Vorstands nicht einverstanden?

Borner Die Arbeit des alten Vorstandes ist in keiner Weise in Frage zu stellen. Im Gegenteil, es gibt viele positive Entwicklungen und Projekte, die wir nun im neuen Vorstand aufnehmen und weiterführen können. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich ein Vorstand über ungefähr ein Jahrzehnt in dieser Weise für einen Verein einsetzt. Darüber können wir als nachfolgender Vorstand nur dankbar sein. Auch der übrige Vorstand ist größtenteils neu.

Wie läuft die Arbeit in dem Gremium?

Borner Sehr gut. Alle Mitglieder sind hoch motiviert und treten professionell auf. Natürlich hakt es hin und wieder an einigen Stellen, was darauf zurückzuführen ist, dass viele Vorstandsmitglieder – wie ich – ihre erste Vorstandstätigkeit ausüben. Allerdings finden wir uns alle von Tag zu Tag besser in unsere Arbeit ein. Was hat Ihnen Ihr Vorgänger mit auf den Weg gegeben? Borner Wolfgang Neuhaus zeichnet aus, dass er jederzeit den Kontakt zu Sponsoren, Politik sowie Unterstützern gehalten hat und ein Ohr in der Bevölkerung hatte. Zudem war es für die Mitglieder jederzeit möglich, Kontakt mit ihm aufzunehmen, um Probleme und Sorgen zu besprechen. Diese Aspekte möchte ich nahtlos aufgreifen und in meine Arbeit integrieren.

Hat die Amtsübergabe reibungslos geklappt?

Borner Ja, definitiv. Wolfgang Neuhaus und ich stehen in regelmäßigem Kontakt. In vielen Angelegenheiten kennt er sich aktuell noch besser aus als ich. Außerdem ist nur so ein Weiterführen begonnener Projekte möglich. Holen Sie sich noch Rat bei den Mitgliedern des alten Vorstands? Borner Ich pflege mit vielen Mitgliedern des alten Vorstands einen guten Kontakt. Zum einen unter dem Aspekt des Weiterführens begonnener Projekte, zum anderen bestehen teilweise auch freundschaftliche Verbindungen. Nicht zuletzt ist die aktive Mitarbeit im Verein für viele frühere Vorstandsmitglieder nicht an ein Amt gekoppelt, so dass diese nach wie vor aktiv am Vereinsleben teilnehmen.

Was ist in den vier Monaten seit der Neuwahl bereits geschehen?

Borner Die Zeit nach der Wahl war durch eine intensive Auseinandersetzung mit den bevorstehenden Aufgaben geprägt. Außerdem standen die jährlichen Veranstaltungen, wie Drachenbootrennen, Sommerfest und Triathlon, sowie arbeitsintensive Sondertermine im Zusammenhang mit unseren Aktivitäten zum Thema "Flüchtlinge" an. Gleichzeitig konstituierten wir den neu gewählten Vorstand, was uns meines Erachtens gut gelungen ist. Zudem haben mein Stellvertreter Enno Bohmfalk und ich an zahlreichen Terminen teilgenommen, um uns in Hückeswagen und Umgebung vorzustellen und Kontakte zu knüpfen.

Welche neuen Wege haben Sie beschritten?

Borner Neue Wege zu bestreiten ist in dieser kurzen Zeit nicht einfach. Dennoch haben wir einige neue Projekte auf den Weg gebracht. Beispielsweise wurde ein Gremium von der Hauptversammlung bestimmt, das sich detailliert mit Vorschlägen für die Beschaffung eines neuen Einsatzfahrzeugs auseinandersetzt. Das müssen wir dringend noch in diesem Jahr beschaffen. Zudem befasse ich mich mit neuen Konzepten der Finanzierung unserer Arbeit.

Sie haben nach der Wahl eine bessere Öffentlichkeitsarbeit, mehr Mitgliederwerbung, intensive Fortbildungsmaßnahmen und die Sicherung der wirtschaftlichen Lage angekündigt. Was ist davon bereits umgesetzt worden?

Borner Zu jedem der angekündigten Punkte konnte ich in den vergangenen vier Monaten zumindest ansatzweise Maßnahmen einleiten. Hervorzuheben sind hierbei die Öffentlichkeitsarbeit, in der wir, vor allem zum Thema "Flüchtlingsarbeit", häufig in den Medien vertreten waren, und die temporäre Sicherung der wirtschaftlichen Lage, zu der wir verschiedene Sponsoren gewinnen konnten. Allerdings waren wir auch bei den Fortbildungsmaßnahmen aktiv und konnten diese Woche eine Zuwendung annehmen, die die Ausbildung von zwei Mitgliedern im Bereich der Schwimmausbildung gewährleistet.

Wie geht's voran?

Borner Alle angekündigten Maßnahmen tragen aktuell erst bedingt Früchte, da diese Zeit benötigen, um zum gewünschten Erfolg zu führen. Beispielsweise die Mitgliederwerbung. Dabei muss aus den vorliegenden Ideen ein sinnvolles Konzept erarbeitet werden, das Jugendliche zu aktiver Mitarbeit in unserem Verein motiviert und auch langfristig bindet. Auch die Sicherung der wirtschaftlichen Lage ist ein langwieriger Prozess, bei dem sich Ergebnisse erst im Laufe der Zeit zeigen werden. Das wohl größte Problem der DLRG-Ortsgruppe, an dem Ihr Vorgänger zeitweise zu verzweifeln schien, ist die schlechte finanzielle Lage.

Hat die sich in den vergangenen vier Monaten verbessert?

Borner Wir haben die bereits erwähnten Spenden erhalten, die die finanzielle Lage für den Moment verbessern können. Zudem habe ich schon einige Gespräche zur dauerhaften Finanzierung der DLRG Hückeswagen führen können. Die DLRG in Nordrhein Westfalen gilt bei Einsätzen, die über die Leitstelle des Rettungsdienstes und der Feuerwehr alarmiert werden, als Erfüllungsgehilfe der Feuerwehr. Somit ist, analog zur Feuerwehr, eine Rettung von Menschenleben für die DLRG nicht abrechenbar.

Wenn die Feuerwehr allerdings ein neues Auto benötigt, stellt sie einen Antrag bei der Kommune, die dieses daraufhin beschafft. Das kann die DLRG nicht. . .

Borner Bei der DLRG ist das leider nicht so. Sie muss den Kraftstoff, die Reparaturarbeiten und nicht zuletzt das neue Auto aus eigenen Mitteln finanzieren. Bei einem Verein, der sich über Mitgliederbeiträge und Spenden finanziert, ist das mitunter nicht einfach. Sollte es uns gelingen, unsere Einsätze in Zukunft abrechnen zu können, um wenigstens unsere Kosten zu decken, können wir die DLRG Hückeswagen auf sichere Beine stellen. Bei der Umsetzung und Diskussion dieses Sachverhaltes sind insbesondere Bürgermeister Dietmar Persian, Landrat Jochen Hagt und der Landtagsabgeordnete Peter Biesenbach positiv hervorzuheben, die uns aktiv unterstützen.

Wo hakt es, finanziell betrachtet, bei der DLRG gerade am meisten?

Borner Die Aufrechterhaltung des Wasserrettungsdienstes verursacht, zusammen mit der Unterhaltung unseres Vereinsgebäudes, immer die größten Kosten. Zum Ausführen unserer satzungsgemäßen Aufgaben und vor allem der Verhinderung von Unfällen durch Ertrinken benötigen wir allerdings zwingend die vorgehaltenen Materialien und können die Kosten hier nicht ohne Risiko für die Bade- und Bootsgäste der Bever-Talsperre reduzieren.

Würden Sie sagen, dass das Vorstandsteam bereits eingespielt ist?

Borner Das Team hat kurz nach der Wahl eine klare Aufgabenverteilung definiert. Das trug von Anfang an dazu bei, dass sich die Mitglieder des Vorstands ihren Aufgaben bewusst waren und keine Arbeiten doppelt oder nicht verrichtet wurden. Somit ist die Arbeit im Vorstand meines Erachtens eingespielt.

Wenn Sie drei Wünsche für die DLRG Hückeswagen frei hätten, welche wären das – und warum?

Borner Der erste Wunsch bezieht sich nicht explizit auf die DLRG Hückeswagen, sondern rankt sich um ein Problem, das nahezu alle Vereine mittlerweile betrifft. Die meisten Jugendlichen haben durch das geänderte Schulsystem weniger Freizeit als in der Vergangenheit. Dadurch leidet zuerst die ehrenamtliche Arbeit in Vereinen. Somit wäre eine größere Mitgliederdichte im Bereich der aktiven Jugendlichen wünschenswert. Mein zweiter Wunsch behandelt das Problem der Finanzierung. Wenn es gelänge, die DLRG in eine adäquate Finanzierungsstruktur für ihre Einsätze zu integrieren, wären viele Probleme gelöst. Der dritte Wunsch ist ein persönlicher und liegt mir sehr am Herzen. Wir haben sehr viele Mitglieder, die den größten Teil ihrer Freizeit für unseren Verein aufwenden und zu jeder Zeit zum Gelingen unserer Vereinsarbeit beitragen. Neben meinem Dank für diesen nicht messbaren Einsatz, wünsche ich mir, dass diese Mitglieder auch in Zukunft gern ihre Freizeit bei uns verbringen und wir als Team der DLRG Hückeswagen den Verein weiterbringen.

Stephan Büllesbach stellte die Fragen.

Quelle: RP
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