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Hückeswagen
Dunkle Wolken über dem Bauhof

Hückeswagen: Dunkle Wolken über dem Bauhof
Der Straßenfertiger ist ausrangiert, ein neuer gebrauchter soll nun angeschafft werden. Andere Fahrzeuge des Bauhofs weisen ebenfalls erhebliche Mängel auf. FOTO: büba (Archiv)
Hückeswagen. Keine gute Gesamtnote gab's für den gemeinsamen Bauhof von Hückeswagen und Wipperfürth. Jörg Krüger von der Kölner BSL-Managementberatung stellte in seinem Gutachten, das er dem Hückeswagener Betriebs- und dem Wipperfürther Bauausschuss in einer gemeinsamen Sitzung vorstellte, viele Mängel heraus. Er hatte aber auch Positives zu berichten. Von Stephan Büllesbach

Je länger der Vortrag des Gutachters dauerte, der bundesweit schon etliche Bauhöfe untersucht hatte, desto länger wurden die Gesichter bei den Politikern, aber auch bei den Verantwortlichen aus beiden Rathäusern. Denn was sie nach gut vier Jahren Existenz des gemeinsamen Bauhofs zu hören bekamen, war nur selten erfreulich. Untersucht hatte Krüger den Bauhof zwischen Januar und Juni dieses Jahres.

Wurden die anvisierten Kosteneinsparungen erreicht?

Ein klares Nein! Ausgegangen wurde bei den Planungen für den Bauhof von Einsparungen in Höhe von 4,2 Millionen auf zehn Jahre und somit jährlich 420.000 Euro. Tatsächlich sind es nur rund 104.000 Euro. Krüger: "Die angepeilte Kosteneinsparung konnte auch nicht erreicht werden." Das liegt vor allem an der Personalstruktur - lediglich 1,75 Stellen wurden tatsächlich eingespart. Und statt Aufgaben abzugeben, seien welche zurückgeholt worden. "Anders war es aber auch nicht möglich."

Was sagen die Mitarbeiter?

39 der 45 Beschäftigten nahmen an einer anonymen Befragung teil, das Ergebnis war teilweise niederschmetternd: 90 Prozent kritisieren die technische Ausstattung und dabei vor allem das Alter der Fahrzeuge und deren reparaturbedingten Ausfälle. Krüger: "Häufig sage ich nach Beurteilungen, dass die Fahrzeuge reif fürs Deutsche Museum sind." Doch in diesem Fall würde es sie nicht nehmen: "Ich habe selten einen solch maroden Fahrzeugpark gesehen", stellte der Gutachter klar. Kritik seitens der Mitarbeiter gab es auch an der Unterbringung, mit der 82 Prozent unzufrieden sind: Sie wünschen sich vor allem mehr Lagerflächen und eine beheizte Maschinenhalle. Krüger: "An manchen Wintertagen müssen die Mitarbeiter erst die Scheiben freikratzen, bevor sie zum Winterdienst hinausfahren können." Was ist beim Mitarbeiter-Bestand zu beachten?

Laut Krüger verfügen nur 62 Prozent der Beschäftigten über eine bauhofspezifische Berufsausbildung (normal seien 70 bis 75 Prozent), das Durchschnittsalter der draußen arbeitenden Kollegen liege bei 49 Jahren und sei zu hoch. Der Gutachter rät, künftig bei Neueinstellungen auf Fachkräfte zurückzugreifen. Und um das in einigen Jahren altersbedingt verstärkte Ausscheiden von Mitarbitern abzumildern, müsse ein Personalentwicklungskonzept her. Wie ist die Gebäudesituation?

Insgesamt präsentiert sich der Bauhof zwar weitestgehend gut. "Die Fahrzeughalle ist aber viel zu klein dimensioniert", hat Krüger feststellen müssen. Die Folge sei ein morgendliches Rangieren, was Arbeitszeit koste. Eine beheizte Fahrzeughalle im Winter sei ein Muss, betonte er. Wie sieht der Fuhrpark aus?

Er ist veraltet und teilweise in einem schlechten Zustand. Üblich in Bauhöfen ist ein Durchschnittsalter von 8,4 Jahren, die Fahrzeuge kommen hier auf 10,6 Jahre. Die Hälfte ist acht Jahre und älter, dazu ist der technische Zustand einiger Fahrzeuge sehr schlecht. Was gibt's noch zu bemängeln?

Berechnungsgrundlage für das Controlling der Fahrzeuge sind die Kilometerleistungen. Besser sei es, die Einsatzzeiten inklusive der Standzeiten auf den Baustellen zu erfassen, da das Fahrzeug entsprechend im Einsatz ist. Zudem sollte der Fahrzeug- und Geräteeinsatz auf Stundenbasis mittels moderner Tablets auf GPS-Basis abgerechnet werden.

Was rät der Experte?

Wichtig sind Investitionen - etwa in eine beheizte Halle; in einen modernen Fuhrpark müssten jetzt 800.000 Euro investiert werden. Zudem sollten nicht die Politiker in den Ausschüssen über Neuanschaffungen entscheiden, sondern der Bauhofleiter. "Das ist der Experte", betonte Krüger. "Ihm sollte ein entsprechendes Budget eingerichtet werden." Auch sollten die Arbeitszeiten an die Jahreszeiten angepasst werden - im Sommer, wenn es morgens schon hell ist, sollte früher, im Winter später begonnen werden.

Wie lautet das Fazit?

"Die Bildung eines gemeinsamen Bauhofs war die richtige Entscheidung", unterstrich Krüger. Auch wenn die Wunschpotenziale bisher nur teilweise erreicht werden konnten. "Der Bauhof ist aber auf einem guten Weg." Er habe in den wenigen Jahren seines Bestehens schon einen hohen Organisationsgrad erreicht, der aber noch steigerungsfähig sei. Erste Synergien seien eingetreten, und insbesondere die Fachlichkeit der Arbeiten habe zugenommen. Der Experte schrieb den Verwaltungen und Politikern jedoch ins Buch, dass der Investitionsstau bei den Fahrzeugen unbedingt abgebaut werden sollte. Er regte zudem eine Änderung der Rechtsform von der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung hin zu einem Zweckverband oder einer Anstalt des öffentlichen Rechts an: "Das garantiert keine höhere Wirtschaftlichkeit, sie beschleunigt aber vielfach Verfahrensabläufe und Entscheidungen."

Wie reagierten die Verwaltungschefs?

Sowohl Persian als auch sein Wipperfürther Kollege Michael von Rekowski betonten, dass sie hinter dem gemeinsamen Bauhof stehen. Beide sehen aber auch, dass es noch viel Potenzial gibt, um besser zu werden. Und dass die notwendigen Veränderungen nicht zum Nulltarif zu haben sind.

Quelle: RP
 
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