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Serie Ausprobiert
Ein Bademeistertag im Bürgerbad

Serie Ausprobiert: Ein Bademeistertag im Bürgerbad
Schwimmmeistergehilfe Werner Lehmacher (l.) und BM-Mitarbeiter M. Eickhorn überprüfen den Chlor- und pH-Wert im Becken des Bürgerbads. FOTO: J. Moll
Hückeswagen. Unser Autor ist dieses Mal als Bademeister unterwegs und erlebt das Bürgerbad aus einer anderen Perspektive. Zusammen mit Andrea Jörrens und Werner Lehmacher macht er einen Abstecher in die Kellerräume unter dem Bad. Von M. Eickhorn

Hückeswagen Das Herz des Bürgerbads ist nicht etwa das große Becken, das 600.000 Liter Wasser fasst. Für die Besucher unsichtbar, für den Schwimmbetrieb aber extrem wichtig sind die Filteranlagen im Untergeschoss. Hier wird das Wasser gereinigt und dem Schwimmbad sauber wieder zugeführt. Von den Filteranlagen aus gelangen Andrea Jörrens, Meisterin für Bäderbetriebe, Schwimmmeistergehilfe Werner Lehmacher und ich in den "Kriechkeller", der unter die Becken führt. Fazit: Ein Rundgang durch die Bürgerbad-Katakomben ist ebenso spannend wie ein Spaßtag im Schwimmbereich.

Krabbelnd tasten wir uns im Dämmerlicht durch die staubigen Gänge, bücken uns unter Leitungen und Rohren hindurch, bis wir schließlich unter den Sprungtürmen des großen Beckens stehen. Nun, "stehen" ist nicht ganz der richtige Ausdruck. Meine 182 Zentimeter lassen mich angesichts der niedrigen Decke in die Knie gehen. Hinzu kommt die schwüle Luft, die das Atmen im "Kriechkeller" erschwert. Und schaurig ist es in den labyrinthartigen Gängen, in denen alles pfeift und pafft, auch. Immerhin finde ich eine Antwort auf die in meiner Kindheit viel gestellte Frage, wie die Bahnleinen bei Schwimmwettkämpfen ins Wasser kommen: Im Bürgerbad werden sie durch die "Kriechkeller"-Decke und den Boden des Beckens hinaufgezogen und festgespannt.

Dass es in den Katakomben staubig ist, ist logisch. Und dass viele Dinge im Bürgerbad schon etwas älter aussehen, ist angesichts dessen, dass es 1974 erbaut wurde, auch klar. Das Dampfbad, das laut Andrea Jörrens ein regelrechtes "Folterkammer-Ambiente" ausstrahlt, soll deswegen in diesem Jahr renoviert werden: "Die Kunstfelsen kommen dann raus. Das war vor 15 Jahren vielleicht mal schick. Dafür soll das Dampfbad größer werden."

Die Arbeit eines Bademeisters besteht nicht ausschließlich darin, Ertrinkenden das Leben zu retten. Das Kassengeschäft, Sauna-Aufgüsse und Reinigungsarbeiten gehören genauso dazu. Dass jemand gerettet werden muss, kommt sowieso selten vor. Ein paar Notfälle und auch ein Todesfall haben sich im Bürgerbad allerdings schon zugetragen. Das aber ist viele Jahre her. "Manche Kinder legen sich bewegungslos auf das Wasser und spielen ,toter Mann'. Wenn sie wirklich ohnmächtig wären, sähe das anders aus", versichert Andrea Jörrens.

Nach einer gewissen Zeit lerne man, Geräusche, die beim Planschen im Wasser entstehen, richtig zu deuten, versichert Werner Lehmacher. Und seine Kollegin fügt hinzu: "Ein weinendes Kind sticht zwischen Freudenschreien immer heraus. Gezappel aus Freude oder Not kann man ganz einfach unterscheiden."

Die große Wasserrutsche, die sich durch das halbe Bürgerbad schlängelt und im Nichtschwimmerbecken endet, sei übrigens nicht so gefährlich, wie ich das anfänglich vermutet habe, teilt mir Andrea Jörrens mit. "Schlimmer ist die steile Treppe, die nach oben zum Rutschtunnel führt", betont sie.

Damit das Schwimmen nicht zum Ekel-Erlebnis wird, reinigen die Filteranlagen das kühle Nass in drei Schritten. Zunächst sorgt Flockungsmittel dafür, dass sich kleine Verschmutzungen zu einer großen Dreckwolke verbinden. Diese kann dann einfach aus dem Wasser herausgefischt werden. Anschließend folgt die Reinigung durch geschlossene Schnellfilter, zu guter Letzt wird eine Chlor- und pH-Wert-Korrektur vorgenommen. Dreimal täglich entnimmt Werner Lehmacher eine Wasserprobe. Der 52-Jährige überprüft Temperatur, Chlorgehalt, pH-Wert und Keimtötungsgeschwindigkeit.

Das Schwimmbad-Personal geht übrigens so gut wie nie privat schwimmen. Logisch. Wenn man den ganzen Tag über Pfannkuchen backt, hat man abends ja auch keine Lust mehr, selbst welche zu essen. . .

Quelle: RP
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