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Traditionsberufe Schornsteinfeger
Ein Beruf, der zugleich Glücksbringer ist

Hückeswagen. In einer Serie stellen wir Traditionsberufe vor, die es lange in Hückeswagen gibt. Bezirksschornsteinfeger Thomas Lemmen ist für den nördlichen Teil von Hückeswagen zuständig. Der 36-Jährige bringt auch heute noch vielen Menschen das Glück. Von Wolfgang Weitzdörfer

Hückeswagen Seine Arbeit ist für Thomas Lemmen Beruf und Berufung zugleich. "Man macht diesen Job nicht nur so für acht Stunden am Tag, man muss ihn ein gutes Stück weit leben", sagt der 36-Jährige, der in seiner Freizeit die Jugendfeuerwehr leitet. Dabei hat sich die Arbeit seit dem Mittelalter kaum verändert. "Aufgabe ist es, Schornsteine sauberzumachen. Das war früher so, ist heute auch noch so, denn viele Menschen haben in ihren Häusern wieder Kamine."

Hinzu kommen der Immissionsschutz und der Brandschutz. "Auch hier ist die Beratung sehr wichtig, vor allem im präventiven Bereich", sagt der 36-Jährige. In anderen Ländern sei der Brandschutz nicht so verbreitet wie in Deutschland. "Dass es aber eine sinnvolle Regelung ist, merkt man an den statistischen Zahlen zu Hausbränden durch Kamine. Die sind sehr niedrig", sagt Lemmen. Entscheidend beim präventiven Brandschutz sei der Abstand des Kamins zu brennbaren Materialien wie Holz oder den Gardinen.

Der Schornsteinfeger ist auch heute noch mit dem klassischen Kehrzeug unterwegs, dennoch gehört auch der Laptop zum Arbeitsgerät. "Heute sind Wartung und Optimierung von Gas- und Ölheizungen Aufgabengebiete des Schornsteinfegers", sagt Lemmen. Im Winter kann man dem Schornsteinfeger durchaus auch konventionell begegnen - mit rußverschmiertem Gesicht in voller Arbeitsmontur. Für Lemmen war der Berufswunsch schon früh klar. "Ich habe als 14-Jähriger den Schornsteinfeger bei uns zu Hause gesehen, das hat mich direkt sehr interessiert." Nach einem Schulpraktikum merkte Lemmen, dass ihm der Beruf Spaß macht, und so ging er bei Bezirksschornsteinfeger Ludwig Esleben aus Wipperfürth in die Lehre. "Das war ein sehr angenehmer Ausbildungsbetrieb, ich wurde direkt familiär aufgenommen", erinnert sich der 36-Jährige. Im Anschluss an die drei Gesellenjahre machte er 2002 seinen Meister und bewarb sich nach einigen Jahren in Anstellung 2012 auf die freigewordene Stelle als Bezirksschornsteinfeger - und erhielt den Zuschlag. Dieser ist auf sieben Jahre begrenzt, danach wird der Bezirk neu ausgeschrieben. Eine gute Regelung, sagt Lemmen. "In die Bewerbung fließen alle Fortbildungen und Schulungen ein, die man in den sieben Jahren gemacht hat. Das hat den Vorteil, optimal in den Bereich eingearbeitet zu sein."

Im Betrieb sind Lemmen und sein Geselle zu zweit, die Arbeit sei für sie gut stemmbar. Nachwuchssorgen plagen ihn nicht, auch wenn die Situation, wie im Handwerk sonst auch, besser sein könnte. "Der Beruf entwickelt sich, es ist viel Eigenengagement nötig", sagt Lemmen. Und wenn es einmal eng werde, dann helfe man sich untereinander - getreu dem Schornsteinfeger-Motto: "Alle für einen, einer für alle." Ab und zu hat er auch bereits Praktikanten aus seiner Feuerwehrjugend im Betrieb gehabt. "Richtig Feuer gefangen hat aber noch keiner", sagt der 36-Jährige. Und was hat es damit auf sich, dass der Schornsteinfeger angeblich Glück bringt? Lemmen lacht laut: "Das ist nach wie vor so in den Köpfen der Menschen drin." Der Glaube stammt aus der Anfangszeit des Schornsteinfegerhandwerks, sagt der 36-Jährige. "Früher gab es sehr oft Brände in den Schornsteinen. Wenn aber der Schornsteinfeger da gewesen ist und den Kamin gereinigt hat, war diese Gefahr weitgehend gebannt. Der Schornsteinfeger verringert also die Brandgefahr - und bringt somit Glück."

Es komme zwar nicht jeden Tag vor, sagt Lemmen, aber immer wieder werde er auf der Straße von Menschen gefragt, ob man ihm die Hände schütteln oder an den Jackenknöpfen reiben dürfe. Es gibt wohl wenige Berufe, die gleichzeitig auch Glücksbringer sind.

Quelle: RP
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