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Hückeswagen
Ein Hausarztzentrum rentiert sich nicht

Hückeswagen. Der Hausärzteverband Oberberg möchte drohenden Versorgungslücken entgegenwirken und Hausärzte mit attraktiven Konditionen in die Region locken. Das gelingt in Hückeswagen nicht. Die niedergelassenen Ärzte sehen zu viele Risiken. Von Joachim Rüttgen

In den vergangenen zwei Jahren haben die Hausärzte in der Schloss-Stadt viel gerechnet. Ergebnis: Für sie lohnt sich ein vom Hausärzteverband Oberberg geplantes Hausarztzentrum aus finanziellen Gründen nicht. Mit diesem Zentrum soll die hausärztliche Versorgung gerettet werden, denn die Lage im Kreis ist dramatisch. Sofortiges Handeln sei dringend nötig, hatte der Verbandsvorsitzende Dr. Ralph Krolewski bei der Vorstellung des neuen Modells berichtet.

Von den derzeit 160 Hausärzten in Oberberg werde bis 2021 mindestens ein Viertel wegfallen. Mittelfristig befürchtet er einen Hausärztemangel. Das Hausarztzentrum soll in den Kommunen die drohenden Versorgungslücken schließen, in dem es Ärzte mit attraktiven Konditionen ins Bergische lockt.

Eine Idee, die in Hückeswagen zwar nicht auf Ablehnung stößt, die die hiesigen Hausärzte für sich aber nicht als lukrativ bewerten. "Wir haben das Modell mehrfach diskutiert und mit einem externen Praxisberater konkret hochgerechnet", berichtet Ärztesprecher Helmut Becker von mehreren Treffen der nur noch sieben in der Schloss-Stadt niedergelassenen Hausärzte.

Auch eine Immobilie habe man bereits konkret im Blick gehabt - 500 bis 1000 Quadratmeter im Neubau am Etapler Platz. "Aber das rechnet sich für uns nicht", sagt Beckert. Wer lange als niedergelassener Arzt in Hückeswagen praktiziere, liege von der Kostenstruktur günstiger, wenn er nicht in ein Hausarztzentrum zieht, sagt der 54-Jährige, der seit mehr als 20 Jahren in Hückeswagen eine Praxis hat. Einen Kostenvorteil gebe es für die Ärzte nicht. "Für junge, neue Praxen oder Einsteiger könnte es von Vorteil sein", vermutet Beckert. Aber als Gründer würden die Hausärzte garantiert Verluste machen. Außerdem sei ein solches Zentrum mit einem hohen logistischen Aufwand verbunden. "Wir schaffen ein Nadelöhr, indem sich statt 3000 Patienten durch drei Praxen noch mehr Patienten durch eine Praxis, eine Anmeldung und ein Wartezimmer quälen müssten."

Beckert und seine Kollegen stellen sich die Frage, wer das Verwertungsrisiko trägt. Wie sieht es aus mit der Nachfolge-Problematik? "Die anderen bleiben auf den Kosten sitzen, wenn sich ein Arzt aus dem Zentrum verabschiedet und kein Nachfolger kommt", sagt Beckert. Wer das neue Modell realistisch abklopfe, komme zu keinem guten Ergebnis. In Hückeswagen bliebe den Ärzten am Ende ihrer Arbeitszeit ein gigantisches Kostenrisiko. "Mein Fazit: Rente adé", sagt der Sprecher, nachdem er mit seinen Kollegen alle Zahlen, Abrechnungen und Personalschlüssel erforscht hat.

Auch ein Wirtschaftsberater habe den Ärzten abgeraten, dem Zentrum beizutreten. Selbst kleinere Lösungen würden nicht den erhofften Gewinn bringen. "Schauen Sie sich die Mietpreise an: Sie würden von jetzt sieben bis acht Euro pro Quadratmeter auf zwölf bis 13 Euro steigen", sagt Beckert.

Das ist eine Entwicklung, die Bürgermeister Dietmar Persian mit Sorge verfolgt. "Ein schwieriges Thema. Ich bedauere die Entwicklung. Mir fehlt zurzeit aber auch die Fantasie für eine Lösung", sagt er. Den Ansatz, dass Hausärzte künftig in großen Einheiten praktizieren sollen, hält er grundsätzlich für richtig. "Ein Zentrum bietet jungen Ärzten die Möglichkeit, ohne das Risiko einer alleinigen Selbstständigkeit praktizieren zu können", sagt er. Er verstehe aber auch, dass es für die Ärzte vor Ort wirtschaftlich nicht tragbar ist, wenn durch andere Abrechnungssysteme mögliche Synergieeffekte wieder aufgehoben werden und es sich nicht lohnt.

Persian sieht dagegen die Kassenärztliche Vereinigung in der Pflicht, um die Ärzteversorgung sicherzustellen. Da müssten Konzepte erarbeitet werden. "Problem ist, dass Hückeswagen mit Wipperfürth einen Versorgungsbereich bildet und Hausarztzentren oft dort gebildet werden, wo ein Krankenhaus vorhanden ist", sagt er. Sowohl mit Wipperfürth als auch mit Radevormwald gebe es gute Kontakte zu Ärzten und den Krankenhäusern.

Quelle: RP
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