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Hückeswagen
Ein "Märchenwald" aus Sperrmüll

Hückeswagen. Im Eingangsbereich des Wertstoffhofs, An der Schlossfabrik in Hückeswagen, begrüßen wohl an die 100 liebevoll wieder aufbereitete Dekorationsstücke die Kunden. Zu kaufen gibt es die Artikel bei Leiterin Eva Winkelmann allerdings nicht. Von Maren Panitz

Auf einer Naturholzbank hocken "Dick und Doof" einträchtig neben dem Weihnachtsmann und einem Gartenzwerg. Die Herrschaften sind alle aus Keramik. Über einem stilvollen Vogelhäuschen kreist eine Brockenhexe auf ihrem Besen. Und knuddelige Plüschteddybären reiten auf Schaukelpferdchen. Wohl an die 100 liebevoll wieder aufbereitete Dekorationsstücke begrüßen die Kunden des Wertstoffhofs des Bergischen Abfallwirtschaftsverbands (BAV), An der Schlossfabrik - im "Müll-Märchenwald" von Eva Winkelmann. Sie leitet den Wertstoffhof. Seit einem halben Jahr wächst das kleine Müllmuseum im Eingangsbereich Stück für Stück. "Inzwischen bringen mir die Kunden sogar extra aussortierte Objekte, um sie zur Freude anderer Menschen in meinem 'Märchenwald' mit beizustellen", berichtet Eva Winkelmann.

Die Idee zu dieser attraktiven Ausstellung von ehemals lieblos Weggeworfenem stammte von einem Witwer, der aus gesundheitlichen Gründen zur Haushaltsauflösung gezwungen worden war. "Als er mir die vielen geschätzten Dekoartikel seiner verstorbenen Frau auf den Hof brachte, standen dem Mann die Tränen in den Augen", erinnert sich Eva Winkelmann. Also drapierte sie die Gegenstände gut sichtbar neben der Pförtnerloge, damit sich der Mann - und auch die übrigen Kunden - auch später noch daran erfreuen konnte.

"Immer wieder sprechen mich Leute wohlwollend und mit einem Lächeln im Gesicht auf meinen 'Märchenwald' an. Viele möchten sogar etwas abkaufen", berichtet die Wertstoffhof-Leiterin. Sie muss ihnen jedoch eine Absage erteilen. Denn das Entsorgungsgesetz schreibt eindeutig vor, dass alle Gegenstände, die zur Beseitigung übergeben werden, keine andere Verwendung mehr haben dürfen.

"Deshalb ist der Sperrmüll-,Märchenwald' sicher auch eine freundliche Ermahnung an unsere Kunden, sich lieber vor der Entsorgung Gedanken zu machen, ob die weggeworfenen Gegenstände nicht in Kindergärten, Schulen oder zum Beispiel in Flüchtlingsheimen doch noch eine höhere Wertschätzung finden könnten", sagt BAV-Sprecherin Annette Göddertz. Sie spricht in ihrem Aufgabenbereich beim Bergischen Energiekompetenzzentrum auch nicht mehr von "Müll" oder "Abfall", sondern von "Sekundärrohstoffen". Und sie beschreibt die hohe Recyclingquote in der Wertstoff-Aufbereitung: "Aus Bioabfällen wird hochwertiger Kompost, aus Altglas lässt sich Bausand herstellen, und aus Kunststoffmaterialien wird Dämmmaterial produziert."

Annette Göddertz lobt auch das aufgeklärte Umweltbewusstsein der jüngeren Generationen. So kooperiert der BAV im Oberbergischen Kreis mit 170 Kindertagesstätten. "Was die Jüngsten in den Kindergärten über die richtige Abfalltrennung lernen, tragen sie dann auch in ihre Familien", hofft die Sprecherin.

Nur bei den modernen Elektroartikeln will dieses aufgeschlossene Umweltdenken nicht immer funktionieren. "Gerade die Handys lassen sich mit ihren vielen verschiedenen Baukomponenten sehr schwer wiederverwerten", erläutert Annette Göddertz. Die Geräte hielten eigentlich auch sehr lange. Daher stelle sich für sie schon die Frage, ob man sich wirklich alle zwei Jahre das jeweils neueste Modell zulegen müsse.

Quelle: RP
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