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Hückeswagen
Ein Mercedes-Stern "erfährt" ganz Europa

Hückeswagen: Ein Mercedes-Stern "erfährt" ganz Europa
Der Mercedes von Matthias Walter in "717 Papyros-Weiß" hat schon viel von der Welt "gesehen" - schließlich ist der Wagen 48 Jahre alt und hat etwa 1,2 Millionen Kilometer zurückgelegt. FOTO: Wolfgang Weitzdörfer
Hückeswagen. 48 Jahre hat der Mercedes von Matthias Walter mit dem markanten Stern bereits auf der Haube. Und er fährt immer noch. Von Wolfgang Weitzdörfer

Matthias Walter, 51 Jahre alt und Lehrer für Biologie, Erdkunde, Physik und katholische Religion am Wipperfürther St.-Angela-Gymnasium, hat ein Faible für Autos. Für alte Autos. Der Bochumer, der seit 1997 in der Schloss-Stadt lebt, stammt aus einer Ingenieursfamilie: "Das Reparieren von Autos habe ich von meinen Großvater und meinem Vater gelernt. Meinen eigenen Führerschein habe ich im Mai 1982 gemacht. Dann war die Überlegung, welches Auto zum einen günstig im Unterhalt und zum anderen reisetauglich ist", erzählt Walter. Fündig wurde er kurz darauf in seiner Heimatstadt an der Wittener Straße - da stand ein bereits 15 Jahre alter weißer Mercedes Benz Diesel: "717 Papyros-Weiß, um genau zu sein, die original Mercedes-Farbe. Die hat er auch heute noch", ergänzt der 51-Jährige und fügt schmunzelnd an: "Allerdings nicht mehr den Original-Motor."

Kein Wunder bei mittlerweile etwa 1,2 Millionen gefahrenen Kilometern. "Vier oder fünf Motoren hat der Sternenwagen schon verschlissen", sagt Walter. Und dabei über die Jahre nahezu ganz Europa "erfahren". "Was in erreichbarer Nähe ist, sind wir angefahren. Florenz, Paris, London, Prag oder Athen etwa", erinnert sich Walter an die 33 Jahre, die sich der weiße Mercedes schon in seinem Besitz befindet.

Und an so manche teils haarsträubende Anekdote, die er damit erlebt hat. "In den Sommerferien 1982 ging gleich die erste große Tour nach Griechenland; ich bin mit einem Schulfreund bis auf den Peloponnes gefahren. Mein Freund war damals erst 17 Jahre alt, aber spätestens auf der Rückfahrt konnte auch er das Auto fahren."

Komplikationen mit dem Wagen gab es natürlich auch, da war dann Erfindungsreichtum gefragt: "Wir mussten den einen oder anderen Keilriemen austauschen oder einmal den Auspuff mit einer Coladose reparieren. Ein Sternenwagen mag kaputtgehen, aber er bleibt nicht stehen", sagt Walter lachend.

Wer so viel unterwegs ist, der erlebt natürlich auch die eine oder andere brenzlige Situation: "Im Kosovo sind wir auf einer Straße gefahren, die plötzlich abgesackt ist. Da ging es mehrere Meter in den Abgrund. Uns ist nur deshalb nichts passiert, weil ein paar Kinder die Straße bewacht haben." Die wurden dann mit Kaugummi und Kugelschreibern für ihre Hilfe belohnt.

Irgendwann wollte Matthias Walter seinen Mercedes dann doch einmal nicht mehr behalten: "Ich war das ständige Reparieren ein wenig leid. Darum habe ich ihn einem Bekannten aus Kreuzberg geschenkt", sagt er. Mit einer Auflage: "Wenn er ihn nicht weiter in Schuss halten wollte, müsste er ihn mir zurückgeben. Nach ein paar Jahren war er dann wieder bei mir." Denn Reparaturen braucht ein Auto mit einem derart langen Leben von immerhin mittlerweile 48 Jahren natürlich so einige.

Manchmal auch die der eher ärgerlichen Art. So erinnert sich Walter an sein Referendariat, das er zu einem Teil in Berlin absolviert hatte: "Dort brauchte man in den 1980er-Jahren eine ganze Menge Ersatzsterne - wie übrigens im Köln der 1990er-Jahre auch. Hier im Bergischen ist das indes kein Problem mehr gewesen."

Probleme ganz anderer Art gab es in Portugal: "Da haben wir am Abend den Wagen abgestellt und darin übernachtet, wie wir das immer wieder gemacht haben, um Geld fürs Hotel zu sparen. Am nächsten Morgen konnten wir allerdings die Türen des Wagens nicht mehr öffnen, da er bis zur Hälfte im Treibsand versunken war." Da half dann nur noch ein freundlicher portugiesischer Bauer, der den Mercedes mit seinem Trecker aus dem Sand zog.

Von einem anderen Kaliber war indes der erste Aufenthalt in Florenz im Jahre 1985. In der italienischen Metropole trieb damals nämlich ein Pärchenmörder, das sogenannte Monster von Florenz, sein Unwesen. Der hatte es in den Jahren zwischen 1967 und 1985 besonders auf Pärchen abgesehen, die im Auto übernachteten - acht Doppelmorde können dem bis heute nicht ermittelten Täter zugeordnet werden. "Wir haben davon erst zwei Tage nach unserem Aufenthalt in Florenz erfahren. Ein ziemlicher Schock war das aber trotzdem", erinnert sich Matthias Walter an diese nicht ganz so schöne Begebenheit.

Quelle: RP
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