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Hückeswagen
Ein Schulalltag mit ganz vielen Sprachen

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft
Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller
Hückeswagen. In vier der fünf Hückeswagener Schulen besuchen mittlerweile viele Flüchtlingskinder den Unterricht. Allgemeiner Tenor der Leiter: Es fehlt an Lehrern. Dabei sind die Deutschkurse eine wichtige Voraussetzung für die Integration. Von Wolfgang Weitzdörfer

Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, weil sie in ihrer Heimat bedroht und verfolgt werden, gehören mittlerweile auch in Hückeswagen zum Stadtbild. Sei es in der Innenstadt oder an den Wupperauen - oder eben auch in den Klassenräumen in den Schulen. Denn natürlich suchen nicht nur Frauen und Männer Zuflucht vor Not und Gefahr, sondern auch ihre Kinder. Nicht nur die Stadt, auch die Schullandschaft ist deshalb in den vergangenen Tage, Wochen und Monaten deutlich bunter geworden. Aber wie funktioniert so ein Schulalltag, wenn eines oder mehrere der Kinder einer Klasse beispielsweise kein Wort Deutsch können? Wie gehen die Hückeswagener Schulen mit dieser Herausforderung um?

Grundschule Wiehagen Ingeborg Jacobs, Schulleiterin der Grundschule in Wiehagen, sieht dringenden Handlungsbedarf für die Zukunft. "Es ist sehr schwierig, Kinder in den laufenden Unterricht zu integrieren, die kein Wort Deutsch können. Deswegen sind Deutschkurse enorm wichtig - nicht nur an den Grundschulen, das muss gegebenenfalls schon in den Kindergärten anfangen. Da müssen intensive Gespräche geführt werden, damit wir diesen ersten, wichtigen Schritt nicht versäumen." In Wiehagen sind etwa 40 Kinder mit Migrationshintergrund eingeschult, fünf von ihnen können kein Deutsch. Ingeborg Jacobs sieht weitere Probleme. "Wir brauchen nicht nur Sprachkurse, wir brauchen auch psychologische Betreuung für die Menschen, die teils schlimmste Erlebnisse hinter sich haben. Es reicht nicht, wenn sie ein Dach über den Kopf und eine medizinische Erstversorgung bekommen."

Fotos: Große Hilfsbereitschaft am Dortmunder Hauptbahnhof FOTO: dpa, mjh

Erich-Kästner-Schule An der Hückeswagener Förderschule sind derzeit zwei Kinder aus dem Kosovo eingeschult, das allerdings schon seit einem halben Jahr, berichtet Schulleiterin Renate Mohr. "Das war eine Kooperation mit der Montanusschule. Eines der beiden Kinder ging bis zur vierten Stunde auf die Hauptschule und kam dann zu uns in die OGS, um Deutsch lernen zu können. Beide Kinder sind Roma, die im Kosovo sehr stark verfolgt werden." Die Kooperation hat sich ausgezahlt. "Der Junge kann mittlerweile sehr gut Deutsch. Er hat aber Lernförderbedarf, deswegen ist er seit diesem Schuljahr ganz bei uns", sagt Mohr. Auch sie sieht die Notwendigkeit, Konzepte zu erarbeiten. "Wir müssen ja individuell mit den Kindern arbeiten. Im Moment geht das noch, weil wir nur wenige Flüchtlingskinder haben. Aber das wird in den kommenden Monaten und Jahren mehr werden. Und dann brauchen wir gute Konzepte, um bestmögliche Förderung zu erreichen."

Montanusschule Gerd Püschel, Leiter der Montanusschule erzählt von elf Kindern, die ganz frisch auf seine Schule gekommen sind. Auch er sieht das Hauptproblem in der Sprache. "Wir versuchen, die Kinder ohne Deutschkenntnisse zusammenzuführen, um sie gezielt unterrichten und fördern zu können. Zudem haben wir einen Antrag beim Schulamt gestellt, und zwar für eine Förderklasse, die mit einer halben Stelle besetzt sein soll. Ich hoffe, dass das schnell geht, derzeit ist man da ja sehr kooperativ", sagt Püschel. Insgesamt fehle es aber an der nötigen Manpower, sagt der Schulleiter. "Das ist aber kein Vorwurf. Wir alle sind von der Situation überrollt worden."

Dortmunder applaudieren Flüchtlingen am Bahnhof

Löwengrundschule Für Claudia Sträter, seit diesem Schuljahr die neue Schulleiterin der Löwengrundschule, steht eines fest: "Alle Kinder sind bei uns willkommen, wir kümmern uns nach Kräften darum, dass sie - genau wie alle anderen Kinder auch - bestmöglich beschult werden. Und da stellen wir uns auch all den möglichen Schwierigkeiten, die damit im Zusammenhang stehen", betont die Nachfolgerin von Beate Dickentmann. Realschule In der Städtischen Realschule gibt es noch keine Flüchtlingskinder. Es ist aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch dort bunte Schulklassen Alltag sein werden. Die Herausforderungen werden also nicht kleiner.

Quelle: RP
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