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Hückeswagen
Einblicke ins gemeinsame Stadtarchiv

Hückeswagen: Einblicke ins gemeinsame Stadtarchiv
Archivleiterin Zarah Zeppenfeld zeigte den Besuchern das "Heiligste" - den Raum mit den Personalakten. Geheimnisse wurden aber nicht ausgeplaudert. FOTO: H. Karsten
Hückeswagen. Beim ersten Tag der offenen Tür erhielten Besucher des gemeinsamen Stadtarchivs von Hückeswagen und Wipperfürth Einblicke in die ansonsten für die Öffentlichkeit unzugänglichen Bereiche. Die Kritiker der Zusammenlegung sind verstummt. Von Heike Karsten

Im Juni 2016 eröffnete das gemeinsame Stadtarchiv der Schloss- und Hansestadt in der ehemaligen Alice-Salomon-Schule in der Neye-Siedlung. Für Sonntag luden die Verwaltungsspitzen und Archivmitarbeiter erstmals zu einem Tag der offenen Tür dorthin ein. Viele Besucher nutzten das Angebot - teils aus historischem Interesse, teils aus reiner Neugierde.

Auch Vertreter der Politik sahen sich um - war die Zusammenlegung der Archive am Standort Wipperfürth in den politischen Gremien der Schloss-Stadt doch im Vorfeld heiß diskutiert worden. Die einstigen Vorbehalte haben sich jedoch nicht bestätigt, betonten Bürgermeister Dietmar Persian und sein Wipperfürther Kollege Michael von Rekowski in ihrer gemeinsamen Ansprache. "Das Stadtarchiv ist ein gutes Beispiels dafür, wie man etwas besser machen kann, was alleine Schwierigkeiten bereitet", sagte von Rekowski.

Auch alte Zeitungsbände der Bergischen Morgenpost sind im Stadtarchiv gelagert und einsehbar. FOTO: Heike Karsten

In Hückeswagen war die Unterbringung der teils Jahrhunderte alten Papiere im Schlossturm und später im Container an der Ewald-Gnau-Straße nicht optimal. Im Archiv in der Neye-Siedlung hätten die Dokumente nun einen neuen, optimalen Platz gefunden. Sie wurden neu gesichtet, bewertet und systematisch erfasst. "Nur das Papier ist in Wipperfürth, nicht unsere Geschichte", betonte Persian einmal mehr.

Am Sonntag durften die Besucher nicht nur die Ausstellungstücke in den Fluren und die ausgewählten historischen Filmvorführungen ansehen. Sie erhielten von Archivleiterinn Sarah Zeppenfeld und ihrer Hückeswagener Kollegin Elisabeth Müller auch Gruppenführungen in die "Heiligen Hallen", die ansonsten für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Im Untergeschoss der Schule lagern unter anderem Personalakten mit Schutzfristen wie auch Schulchroniken. In den Magazinräumen befinden sich rund 40.000 Glasplattennegative von Fotografen - eine schwergewichtige Aufnahmeart, die seit etwa 50 Jahren praktisch ausgestorben ist. "Auf so einen Fotoschatz können die wenigsten zurückgreifen", sagte Sarah Zeppenfeld nicht ohne Stolz. Die empfindsamen Glasplatten werden in Baumwollpapier stehend gelagert, Personenaufnahmen durch die Auftragsbücher der Fotografen mühsam identifiziert und die Aufnahmen digitalisiert.

Durch die Digitalisierung der relevanten Dokumente wird die Recherche auch für Geschichtsinteressierte komfortabel. "Im vorigen Jahr hatte das Stadtarchiv mehr als 300 Anfragen; 110 Besucher waren vor Ort, 42 davon aus Hückeswagen", machte Persian den Erfolg des Archivs an Zahlen fest. "Das Stadtarchiv weckt das Interesse für die Geschichte, und der Weg aus Hückeswagen hält die Bürger offensichtlich nicht von einem Besuch ab", fügte der Bürgermeister hinzu. Und von Rekowski bezeichnete den Umzug in das ehemalige Schulgebäude als "gelungene Symbiose".

Seit einigen Wochen nutzt auch der Wipperfürther Geschichtsverein die Räume des Stadtarchivs im Obergeschoss. "Die beiden Dachkammern im 'Klösterchen' neben dem Rathaus platzten aus allen Nähten", sagte Erich Kahl, Vorsitzender des Geschichtsvereins.

Sarah Bauer aus Hückeswagen war aus beruflichem Interesse ins Stadtarchiv gekommen. "Ich beginne ab August eine Ausbildung zur Archivarin", sagte die 22-Jährige. Eine andere Hückeswagenerin nutzte die dort lagernden Informationen bereits mehrfach zur Erstellung von Hochzeits- und Geburtstagszeitungen. Diplom-Archivarin Iris Kausemann, die das damalige Hückeswagener Stadtarchiv mit aufgebaut hat und Vorsitzende des Bergischen Geschichtsvereins Hückeswagen ist, verschaffte sich ebenso einen Überblick über das gemeinsame Archiv wie Ahnenforscher Fredi K. Roß, der unter anderem die Hückeswagener Kirchenbücher in jahrelanger Arbeit erfasst und die Daten dem Stadtarchiv digital zur Verfügung gestellt hatte. Die Kritiker der Zusammenlegung sind mittlerweile verstummt, zumal auch die Archivalien beider Städte tatsächlich getrennt aufbewahrt werden.

In den Tischvitrinen und an den Wänden der Flure waren am Sonntag unter anderem Impressionen des alten Hückeswagener Bahnhofs zu sehen. Auch ein 350 Jahre altes Ratsprotokoll der Hansestadt Wipperfürth lag aus, was das Interesse der Bürgermeister weckte. "Wie ich gesehen habe, waren zu dieser Zeit die Bürgermeister noch heilig", sagte Dietmar Persian - und lachte.

Quelle: RP
 
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