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Hückeswagen
Eine ganz besondere Orgel-Beziehung

Hückeswagen: Eine ganz besondere Orgel-Beziehung
Orgelbauer Josef Potthoff und sein Auszubildender Oliver Fischer reinigen und reparieren die Pfeifen der Orgel der Pfarrkirche. In etwa zwei Wochen soll die Erneuerung abgeschlossen sein. FOTO: Jürgen Moll
Hückeswagen. Josef Potthoff kümmert sich seit Anfang Juli um die Restaurierung der Orgel in der katholischen Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt. In etwa zwei Wochen sollen die letzten Arbeiten beendet sein, erzählt er beim Besuch der BM. Von Wolfgang Weitzdörfer

Manchmal dauert es eben ein bisschen länger: Die Renovierung der Kirchenorgel der katholischen Pfarrkirche sollte eigentlich zum Patronatsfest am vergangenen Montag, dem Feiertag Mariä Himmelfahrt, abgeschlossen sein. Ursprünglich waren für die dringend notwendige Restaurierung des 48 Jahre alten Instruments sechs Wochen veranschlagt worden. Die konnten allerdings nicht eingehalten werden, wie Orgelbauer Josef Potthoff aus Bergisch Gladbach erläutert: "Zum einen weiß man ja vorher nie exakt, was genau sich sozusagen hinter der Orgel verbirgt, wie groß also der Arbeitsaufwand tatsächlich ist." Und zum anderen ist es eine bekannte Weisheit, dass eine Arbeit, gescheit erledigt, eben auch mal etwas länger dauern kann: "Wenn man da schnell-schnell macht, schadet man letztlich nur dem Instrument - und langfristig hat niemand etwas davon", betont der 61-Jährige.

Es sei das erste Mal seit ihrem Einbau im Jahr 1968, dass die Orgel einer ordentlichen und umfassenden Wartung unterzogen werde, sagt Potthoff und fügt schmunzelnd an, während er vorsichtig mit einem Hämmerchen an einer kleinen Pfeife zu Gange ist: "Stellen Sie sich mal vor, dass Sie knapp 50 Jahre im Wohnzimmer nicht staubsaugen. . ." Wieder ernster fährt der Orgelbauer, der zusammen mit seinem Azubi Oliver Fischer auf der Empore arbeitet, fort: "Die Reinigung der Einzelteile war lange überfällig, der Staub der Jahrzehnte hat vor allem die kleinen Pfeifen ziemlich verstopft. Da kann man stimmen, wie man will - das klingt einfach nicht mehr richtig." Auch zahlreiche Lederteile sind über die Jahre spröde und rissig geworden: "Etwa an den Bälgen. Die kaputten Stellen müssen natürlich ersetzt oder ausgebessert werden." Insgesamt sei die Orgel aber in einem guten Zustand, versichert der 61-Jährige.

Potthoff restauriert und wartet heutzutage nur noch die großen Instrumente, da in Deutschland so gut wie keine neuen Orgeln mehr gebaut würden. "Wir sind weniger Orgelbauer, als vielmehr Orgelreparateure", sieht es sein Auszubildender Oliver Fischer mit Galgenhumor.

In einzelnen Schritten haben Potthoff und sein junger Helfer das komplette Pfeifenwerk der Pfarrkirchenorgel ausgebaut. "Wie viele Pfeifen das sind, weiß ich gar nicht, jedenfalls eine ganze Menge", sagt Potthoff. Die einzelnen Pfeifen wurden gereinigt und teilweise ausgebessert. Denn die Pfeifen sind entweder aus Holz oder einer sehr weichen Zinn-Blei-Legierung und bekommen etwa beim Stimmen schon einmal eine kleine Delle ab, die den Klang unrein macht. Im nächsten Schritt werden alle Einzelteile im Inneren der Orgel gereinigt, ausgebaut und teilweise ausgebessert: "Bei der Mechanik war aber wegen der hochwertigen ursprünglichen Bauweise nicht viel zu tun, die war weitgehend in Ordnung", sagt Potthoff.

Wenn man so viel Zeit mit einem Instrument verbringt, baut man eine echte Verbindung dazu auf. "Das ist auf jeden Fall so", bestätigt Potthoff. Wenn er beispielsweise zu Orgeln, die er vor Jahren selbst gebaut hat, zum Stimmen kommt, wundern sich seine Mitarbeiter, dass er den Orgelraum betritt und erst einmal ein "Guten Morgen zusammen" in die Pfeifenrunde wirft. "Aber wieso auch nicht? Ich kenne doch schließlich jede einzelne Pfeife", sagt Potthoff verschmitzt.

Nachdem alle Teile wieder an Ort und Stelle sind, wird noch der eigentliche Arbeitsplatz von Organist Hans-Peter Arnold einer Verjüngungskur unterzogen. Denn natürlich haben auch Tasten, Hebel, Sitz und Pedale schon bessere Zeiten gesehen. Zuguterletzt bekommt das Äußere der Orgel noch einen neuen Anstrich. Dann klingt das ehrwürdige Instrument nicht nur wieder wie neu, sondern sieht auch so aus. Für die restlichen Arbeiten veranschlagt Potthoff noch etwa zwei Wochen.

Quelle: RP
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