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Hückeswagen
Eine Kelle für die Sicherheit der Kinder

Hückeswagen: Eine Kelle für die Sicherheit der Kinder
Katja Rotthoff (vorne) und Sandra Schibisch im Einsatz an der Kölner Straße. Wolf- gang Weitzdörfer FOTO: Wolfgang Weitzdörfer
Hückeswagen. Der Elternlotsendienst sorgt seit 2004 ehrenamtlich dafür, dass die Kindergarten- und Schulkinder sicher über die Kölner Straße kommen. Derzeit hat der Dienst allerdings ein massives Personalproblem, da freiwillige Helfer fehlen. Von Wolfgang Weitzdörfer

Es ist halb acht morgens an einem ganz normalen Schultag. Katja Rotthoff steht an der Kölner Straße, am Übergang zwischen der ehemaligen Katholischen Grundschule und dem Kolumbarium, der ehemaligen Johanniskirche. Die zweifache Mutter trägt eine knallgelbe Signalweste und hält eine Kelle in der rechten Hand. Sie ist eine von derzeit zwölf Müttern und Vätern, die sich ehrenamtlich als Schülerlotsen engagieren. Sie helfen den Kindern, die die Löwen-Grundschule, die Realschule oder die beiden Kindergärten Am Kamp und Arche besuchen, sicher über die Kölner Straße.

Diese ist morgens gut befahren: Viele Pendler aus dem "Weierbachblick" und der Kölner Straße fahren zur Arbeit oder in die Stadt, viele Eltern bringen ihre Kinder in die Schulen oder die Kindergärten. Der Elternlotsendienst sei sehr sinnvoll, betont Katja Rotthoff: "Denn seit er im Schuljahr 2004/05 eingeführt wurde, hat es hier am Übergang keinen Unfall mehr gegeben. Wenn es die Lotsen nicht gäbe, wäre es schon ein ziemliches Gewusel."

Immer wieder kommen Autos von oben und unten herangefahren. Wenn Kinder an der Straßenseite stehen, kommt der Einsatz für Katja Rotthoff: Mit der Kelle in der Hand signalisiert sie den Autos, stehenzubleiben. Dann geht sie auf die Straße, sperrt sie mit den Armen ab, und die Kinder können sicher auf die andere Seite wechseln.

Die Elternlotsen haben bei der Verkehrswacht einen Einführungskursus gemacht: "Darin ging es um Themen wie den Bremsweg bei 30 Stundenkilometern, aber auch darum, die Reaktionszeit der Autofahrer richtig einschätzen zu können. Das war schon sehr interessant und wichtig", sagt die ehrenamtliche Helferin. So wirke etwa die von den Autofahrern in der Regel eingehaltenen 30 Stundenkilometer vom Bürgersteig aus schneller, als sie es tatsächlich ist.

Eigentlich sollte Katja Rotthoff nicht alleine sein. Vorgesehen sind immer zwei Schülerlotsen, die von 7.30 bis 8 Uhr an jedem Schultagmorgen ihren Dienst verrichten. Dann ertönt der zweite Gong an der Löwen-Grundschule und signalisiert den Unterrichtsbeginn.

Dass sie an diesem Morgen alleine ist, hat einen aktuellen Grund: Nachwuchssorgen. "Ende des vergangenen Schuljahrs haben eine Menge Eltern aufgehört, weil ihre Kinder die Schule verlassen haben", berichtet die zweifache Mutter. Zum neuen Schuljahr hätten indes zu wenige Eltern die Info über den Elternlotsendienst bekommen, glaubt sie. "Wir könnten also auf jeden Fall Nachwuchs gut gebrauchen." Es müssten auch keine Eltern sein: "Wenn Oma oder Opa Zeit und Lust haben, können sie natürlich auch sehr gerne aktiv werden", versichert Katja Rotthoff.

Das Problem der dünnen Personaldecke ist auch Stefanie Krömer, selbst Mutter, bewusst. Denn sie organisiert den Lotsendienst: "Um jeden Tag mit zwei Lotsen besetzen und auch etwaige Ausfälle kompensieren zu können, bräuchte ich mindestens noch zehn weitere Eltern." Katja Rotthoff wiederum merkt das Defizit nicht nur daran, dass sie an diesem Morgen alleine Dienst "schiebt": "Meine Ältere ist jetzt in der vierten Klasse. Als ich vor vier Jahren angefangen habe, hatte ich etwa einmal im Monat Dienst - seit einiger Zeit ist es einmal pro Woche." Das Problem: Viele Lotsen könnten nur alle 14 Tage eine Schicht übernehmen: "Aktuell steht jede zweite Woche nur ein Lotse an der Straße - wir bräuchten aber eigentlich zwei", betont Stefanie Krömer.

Für Katja Rotthoff ist das Ehrenamt für die Kinder jedoch eine ausgemachte Sache: "Es ist ja auch nur eine halbe Stunde am Morgen, die kann man doch in der Regel gut in den Alltag einbauen", sagt sie. Eine Aufgabe reicht ihr indes nicht: "Ich gehe jetzt noch zum Obstdienst. Dort schnippeln wir frisches Obst, damit die Kinder in der Pause auch etwas Gesundes kaufen können."

Quelle: RP
 
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