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Traditionsberufe Orthopädieschuhmachermeister
Einen passgenauen Schuh für jeden Fuß

Traditionsberufe Orthopädieschuhmachermeister: Einen passgenauen Schuh für jeden Fuß
Der Hückeswagener Torsten Pütz an seinem Arbeitsplatz in seiner Wermelskirchener Werkstatt. FOTO: Jürgen Moll
Hückeswagen. Wir stellen Handwerksberufe vor, die es schon lange in der Schloss-Stadt und Umgebung gibt. Heute: der Hückeswagener Orthopädieschuhmachermeister Torsten Pütz. Der 51-Jährige betreibt seine Werkstatt in Wermelskirchen. Von Andrea Könemund

Hückeswagen Die Gesundheit der Füße liegt Torsten Pütz besonders am Herzen. Seit mehr als 30 Jahren kümmert sich der Orthopädieschuhmachermeister um die "Problemfüße" seiner Kunden. Dabei hat er immer den ganzen Menschen im Blick, denn Fußprobleme wirken sich auf den gesamten Körper aus. Zufrieden ist der Hückeswagener mit seiner Arbeit erst, wenn der maßgeschneiderte Schuh oder die orthopädische Einlage weder drückt noch schmerzt.

"Wir fassen jedes Teil mindestens 25 Mal an, bis es endlich fertig ist", betont Pütz. Handwerkliches Geschick sei unbedingt notwendig, wenn man den Beruf des Schuhmachers ergreifen möchte. Der 51-Jährige spricht aus Erfahrung. Bereits in der dritten Generation führt er den Familienbetrieb. Sein Opa gründete 1924 eine Schuhmacherei in Hückeswagen. "Unser ganzes Leben spielte sich dort ab." Schon als kleiner Junge half er seinem Vater in der Werkstatt.

Auf engstem Raum lernte er früh, mit Hammer, Zangen und Raspeln umzugehen. Werkzeug, das heute noch zur Grundausrüstung eines Orthopädieschuhmachers zählt. "Bis in die 1980er Jahre fielen häufig Schuhreparaturen an", erinnert sich Pütz. Nach dieser Zeit habe die reine Schuhmacherei jedoch keine Zukunft mehr gehabt. Aus diesem Grund setzte sein Vater den Fokus im Hückeswagener Betrieb an der oberen Islandstraße auf die medizinische Fußpflege, die damals wie heute zu den Leistungen des Schuhmachers zählt.

Torsten Pütz erkannte, dass dem Orthopädieschuhmacher die Zukunft gehört. Mit diesem Wissen begann er 1982 seine Lehre in Wipperfürth. Heute dauert die Ausbildung dreieinhalb Jahre. Der medizinische und technische Fortschritt im Bereich der Orthopädietechnik führte zu einem Wandel und einer Erweiterung der Ausbildungsinhalte. Seit 1992 ist der Beruf als Gesundheitshandwerk anerkannt. "Man sollte sich auf jeden Fall für die Anatomie interessieren", rät Pütz.

Der Arzt stellt zwar die Diagnose, aber der Orthopädieschuhmacher benötigt das anatomische Fachwissen, um es mit seinen handwerklichen Fähigkeiten verbinden zu können. Bei Fußproblemen werden Konfektionsschuhe geändert, Einlagen gefertigt, oder es wird ein Maßschuh hergestellt. "Bei dem Bau eines neuen Schuhs sind uns keine Grenzen gesetzt. Bei der Schuhzurichtung ist es manchmal schwierig, unauffällig zu arbeiten", erläutert Pütz.

Neben dem medizinischen Wissen wird von dem Orthopädieschuhmacher auch psychologisches Einfühlungsvermögen verlangt. "In unserem Beruf muss man sich in die Psyche des Kunden hineindenken können", sagt der Schuhexperte. Seine langjährige Erfahrung hilft ihm dabei. Pütz arbeitete nach seiner bestandenen Meisterprüfung zwei Jahre in Troisdorf als Werkstattleiter. 1999 übernahm er gemeinsam mit seinem Vater einen zweiten Betrieb in Wermelskirchen.

2010 absolvierte er eine Zusatzausbildung als staatlich geprüfter Podologe. "Ich hatte schon früher keine Scheu, die Füße der Kunden anzufassen", sagt er und lacht. Wer diesen Beruf wähle, müsse sich auf Menschen einlassen und gerne mit ihnen im Kontakt stehen. "Im Gegensatz zu früher möchte der Kunde heute über das, was wir tun, auch medizinisch aufgeklärt werden." Fachliche Kompetenz und ständige Weiterbildungen seien notwendig, um auf die vielseitigen Krankheitsbilder eingehen zu können.

Sein liebster Arbeitsplatz ist die Werkstatt. "Wenn ich könnte, würde ich den ganzen Tag dort sitzen und Schuhe bauen", verrät der selbstständige Unternehmer. 2014 musste er den Betrieb im Island schweren Herzens aufgrund fehlender Mitarbeiter schließen. "Es war einfach kein Nachwuchs zu bekommen." Pütz konzentrierte sich deshalb auf sein Geschäft in Wermelskirchen, mit dem er Anfang September an die Telegrafenstraße gezogen ist.

Im Laufe seiner Selbstständigkeit bildete er acht Lehrlinge aus, 2012 bestand sein letzter Auszubildender erfolgreich die Gesellenprüfung. "Seitdem habe ich keine Bewerbung mehr gesehen." Doch Torsten Pütz ist sich sicher: "Wenn jemand ambitioniert ist, dann hat er in unserer Branche alle Möglichkeiten, gutes Geld zu verdienen."

Quelle: RP
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