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Uwe Heinhaus Und Ute Seemann
Einzelhändler begegnen DOC kämpferisch

Hückeswagen. Zwei bergische Einzelhändler sprechen über ihre Sorgen, die der Bau des Remscheider Outlet-Centers bringen könnte.

bergisches land Im Januar 2018 startet voraussichtlich der Bau des Designer Outlet Centers (DOC) in Lennep. Dann soll eine Verkaufsfläche für Markenartikel-Sortimente von rund 20.000 Quadratmetern zur Verfügung stehen. Die beiden Einzelhändler aus Hückeswagen, Ute Seemann und Uwe Heinhaus sprachen mit der BM über ihre Bedenken.

Frau Seemann, Herr Heinhaus: Wie stehen Sie zum DOC in Lennep?

Heinhaus Das DOC in Lennep ist nach wie vor nicht positiv für uns Einzelhändler in Hückeswagen, Wermelskirchen, Radevormwald oder auch Remscheid. Alle diese Städte sind davon betroffen.

Wird Ihnen das DOC Kunden wegnehmen?

Seemann Ja. Den meisten DOC-Kunden wird es um das vermeintlich günstige Einkaufen gehen. Jeder Kunde, der dort einkauft, nimmt dem riesigen Handel in den umliegenden Städten etwas weg. Den Seiteneffekt, sich nebenbei die bergischen Städte im Umland anzuschauen und anderweitig Umsatz zu bringen, schätze ich als gering ein.

Ein Teil Ihrer Kunden wird Ihnen also definitiv weglaufen?

Seemann Am Anfang auf jeden Fall. Die Neugierde wird die Kunden ins DOC ziehen. Das ist auch gut zu verstehen, aber jeder fehlende Kunde tut weh. Und es wird auch die Kunden geben, die wirklich der Meinung sind, dort günstiger einkaufen zu können. Dabei wird es ihnen eventuell entgehen, dass das DOC Sachen aus dem Vorjahr ober B-Ware verkauft, die etwa hier in Hückeswagen auch mit bis zu 50 Prozent Nachlass zu haben sind. Ich wünsche mir natürlich, dass unsere Kunden das erkennen und wieder zu uns zurückkommen.

Hat das DOC denn aus Ihrer Sicht überhaupt einen Nutzen für die Kunden?

Heinhaus Klare Antwort: Nein. Es wird etwa bei Re-Importen Augenwischerei betrieben mit Prozenten, die gar nicht vorhanden sind. Natürlich: Die immense Verkaufsfläche bietet kompakt sehr viele unterschiedliche Firmen, die fußläufig erreichbar sind. Das können wir nicht bieten. Unsere Einkaufszonen in den bergischen Nachbarstädten sind leider noch nicht überdacht. Das ist das einzige Manko, das wir noch haben. SEEMANN Und natürlich haben unsere einzelnen Geschäfte nicht eine solche Auswahl, wie sie das DOC bietet. Eine größere Anzahl von Geschäften bietet zwangsläufig auch ein breiteres Sortiment an. Und so hoffen die Kunden aufgrund der großen Auswahl darauf, ein Superschnäppchen zu machen. Aber ich glaube nicht, dass es so sein wird.

Gibt es aus Ihrer Sicht überhaupt einen Nutzen des DOC für Sie als Einzelhändler?

Heinhaus Nicht unmittelbar. Wenn es stimmt, dass noch weitere 30 solcher Outlet-Center in der Planung oder bereits in der Bauvorplanung sind, dann fällt das Merkmal der Einmaligkeit allmählich weg. Da können wir nur spekulieren. Im ersten Jahr laufen zunächst die Kunden dorthin. Aber was passiert im zweiten und dritten Jahr? Dann ist die Neugierde weg, dann ist jeder schon mal da gewesen. Und dann sehen wir erst die tatsächlichen Auswirkungen auf unser Geschäft im Bergischen.

Mit wie viel Umsatzrückgang rechnen Sie durch das DOC?

Heinhaus Man rechnet zwischen fünf und sechs Prozent, die einer Stadt an Umsatzvolumen verloren gehen. Schwerpunkte sind die Sortimente, die im DOC am meisten vertreten sind, wie Textilien und Sportartikel. Die werden überproportional betroffen sein.

Was können Sie tun, um konkurrenzfähig zu bleiben?

Seemann Wir müssen im Grunde daran festhalten, was wir jetzt auch tun: Wir punkten mit individueller Beratung und Kundennähe. Wir kennen die Kunden. Sie müssen sich bei uns nicht durch die Angebote quälen, um für sich das Passende zu finden. Service und Dienstleistung wird bei uns groß geschrieben. Wir geben zum Beispiel auch eine Auswahl mit nach Hause oder kürzen Hosen kostenlos. Das kann ein DOC nicht bieten. Wir schaffen Kundenzufriedenheit. HEINHAUS Wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang auch, dass die angesprochenen Städte wie Hückeswagen, Rade und Wermelskirchen besser zusammenarbeiten und sich vernetzen, um Aktivitäten nicht alle auf einmal zu starten.

Woran denken Sie dabei?

Heinhaus Na ja, die Städte sollten etwa nicht alle dasselbe Verkaufswochenende im Mai oder Juni wählen. Damit nehmen sie sich gegenseitig die Kundschaft weg. Hier bedarf es einer Koordination und Absprachen. Man sollte solche Highlights wie eine Leistungsschau nicht zeitlich bündeln, sondern gleichmäßig verteilen. Die Städte sollten sich zusammensetzen und sich darüber Gedanken machen, was können wir den Menschen anbieten, um in Wermelskirchen oder Hückeswagen oder Wipperfürth zu bleiben?

Sehen Sie eine realistische Chance, mit solchen und anderen Maßnahmen gegen das DOC zu bestehen?

Heinhaus Natürlich. Wir haben die Möglichkeit, deutlich schneller als das DOC zu reagieren. SEEMANN Wir können gerade im Modebereich deutlich mehr aktuelle Mode zeigen: Das sind neben unserem Service die markanten Nischen, mit denen wir definitiv unseren Marktanteil kämpferisch verteidigen.

Das klingt spannend. Sie blicken also persönlich im Hinblick auf das DOC doch optimistisch in die Zukunft?

Seemann Optimistisch schon, aber ich tue das persönlich mit einer großen Portion Bauchschmerzen.

BERND GEISLER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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