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Hückeswagen
Eltern aus Dreibäumen kritisieren Raser

Hückeswagen: Eltern aus Dreibäumen kritisieren Raser
Astrid Lorenz mit Neffe Lennox an der L 101 in Dreibäumen. FOTO: schütz
Hückeswagen. Die Angst ist immer da. Die Anwohner fordern schon seit langem entsprechende Maßnahmen, aber bislang ohne Erfolg. Von Joachim Rüttgen

Astrid Lorenz steht seit fünf Minuten mit ihrem Neffen Lennox an der Landstraße 101 in Dreibäumen und möchte die Straße überqueren. Keine Chance. Auto an Auto rollt durch die kleine und enge Ortschaft, in der die Häuser nah an der Straße stehen und somit kaum Platz für Fußgänger bleibt. Auf der Seite Richtung Hückeswagen fehlt ein richtiger Bürgersteig. Aber: Würden die Autos nur rollen, würden sich die Anwohner nicht seit Jahren um die Sicherheit gerade von Kindern und älteren Menschen sorgen. Doch obwohl die Anwohner immer wieder verkehrsberuhigende Maßnahmen fordern, ist nichts geschehen. "Kein Unfallbrennpunkt", heißt es immer wieder.

"Die Angst ist da, denn hier wird gerast. Das ist kritisch gerade für unsere Kinder", sagt Astrid Lorenz. Immer wenn sie ein Bremsgeräusch höre, zucke sie zusammen. "Da steht man ständig unter Strom", sagt sie. Vor allem an der Kneipe, wo sich auch die Bushaltestelle Richtung Wermelskirchen befindet, ist der Bürgersteig besonders schmal - "und hier müssen die Kinder, vom Erstklässler bis zum Abiturienten, drei Richtungen im Blick haben", sagt die besorgte Mutter. In Dreibäumen könne kein Kind mal eben zum Nachbarskind spielen gehen. "Wir müssen sie immer begleiten. Den Leuten ist nicht bewusst, dass sie hier durch eine kleine Ortschaft rasen", sagt sie. Immerhin 30 Häuser und 100 Einwohner (darunter etwa 20 Kinder) zählt Dreibäumen, das bis zur Einmündung zur L 80 zu Hückeswagen zählt und jenseits davon zu Wermelskirchen.

Auch Nachbarin Dagmar Schleicher kennt das Problem: "Mit Laufrad und Kinderwagen warte ich manchmal zehn Minuten", sagt sie. Und eine Nachbarin, die im Rollstuhl sitzt, habe da erst recht keine Chance. Besonders schlimm ist es morgens zwischen 7 und 9 Uhr und am späten Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr. "Da ist es hier richtig gefährlich", sagt Anwohner Friedhelm Heil. Ihm sei es völlig unverständlich, dass in Dreibäumen nicht Tempo 30 eingerichtet werden kann. "In Bergisch Born auf der Bundesstraße ist das doch auch möglich", sagt er. Als es in Scheideweg früher noch die Schule gab, habe auch Tempo 30 gegolten.

Erst vorige Woche erlebte Heil, wie schnell in Dreibäumen gefahren wird. "Ich arbeitete im Vorgarten und hörte ein heftiges Hupen. Da raste ein Motorradfahrer mit Tempo 120 durch den Ort", berichtet er. Das sei unverantwortlich, interessiere aber niemanden. An beiden Bushaltestellen stehen regelmäßig sechs bis acht Kinder. Heil sieht ein zusätzliches Problem: Für Dreibäumen sind zwei Kommunen und zwei Kreise zuständig. "Die werden sich aber selten schnell einig", sagt er.

Die Anwohner fordern entweder Tempo 30, eine Überquerungshilfe oder einen stationären Blitzer. "Wir können die gefährlichen Situationen nicht mehr länger hinnehmen, hier muss was passieren", sagt Astrid Lorenz. In den nächsten Wochen wollen die Anwohner auch eigene Warnschilder aufstellen.

Astrid Lorenz würde sich Politiker wünschen, die sich der Sache annehmen. Die Blitze in Kammerforsterhöhe bezeichnet Heil als "pure Abzocke". Einige Anwohner würden sich freuen, wenn ein stationärer Blitzer auf ihrem Grundstück installiert würde. "Ich wäre dazu bereit, denn ich habe keine Lust darauf, dass irgendwann mein Sohn auf der Straße liegt", sagt Nachbar Peter Erlhagen.

Angst um seine Kinder hat auch Frank Schleicher. Als Polizist hat er einen noch ganz anderen Blick auf die Problematik: "Zu gewissen Zeiten wird hier durchgekachelt", sagt er. Der Landesbetrieb sei zwar für die Straße zuständig, aber er finde schon, dass sich der Bürgermeister an den entsprechenden Behörden für Dreibäumen als Brennpunkt einsetzen könnte. "Und die beiden Kommunen müssten auch mehr zusammenarbeiten", fordert der Anwohner.

Quelle: RP
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