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Hückeswagen
Erinnerung an drei Opfer der Nazis

Hückeswagen: Erinnerung an drei Opfer der Nazis
Am Hauptweg des Friedhofs liegen die Gräber der drei erschossenen Kommununisten. Im März 2007 erinnerte die Stadt mit einem Kranz und einer kleinen Gedenkfeier an die Ereignisse 75 Jahre zuvor. FOTO: Dörner (Archiv) / BZG-Archiv
Hückeswagen. Auf der Peterstraße werden Hückeswagens erste "Stolpersteine" verlegt. Sie erinnern an drei ermordete Kommunisten. Von Georg Amend

Zwischen den ersten beiden Morden liegen 45 Minuten, weitere eineinhalb Stunden später gibt es das dritte Opfer. Am 13. März 1932, 11 Uhr, wird Bruno Blumberg erschossen, um 11.45 Uhr Friedrich Wilhelm Mondré, um 13.15 Uhr stirbt Johann Fries. Alle drei Hückeswagener waren Mitglied der Kommunistischen Partei und wurden am Tag der Reichspräsidenten-Wahl bei einem Scharmützel von Mitgliedern der nationalsozialistischen Sturmabteilung (SA) an der Peterstraße getötet.

Gedacht wurde dem Trio unter anderem im Jahr 2007, also 75 Jahre nach seiner Ermordung, mit einer Kranzniederlegung auf dem Friedhof Am Kamp durch den damaligen Bürgermeister Uwe Ufer. Am kommenden Montag soll die Erinnerung dauerhaft in der Stadt verankert werden: Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig wird ab 12 Uhr am Beginn der Peterstraße, gegenüber der Sparkasse, "Stolpersteine" verlegen.

Seit 1993 beschäftigt sich der 1947 in Berlin geborene Künstler mit diesem Projekt, das an die Opfer der Nazizeit erinnern soll. 1996 verlegte er die ersten "Stolpersteine" in Berlin-Kreuzberg, inzwischen liegen diese Gedenktafeln aus Messing deutschlandweit in 1100 Orten. Die Bezeichnung weist dabei nicht darauf hin, dass sie Fußgänger behindern, sondern sie zum Innehalten und Nachdenken anregen sollen.

Die Betonsteine, in denen die Messingplatte mit den Namen der Ermordeten eingelassen sind, verlegt Demnig persönlich im Gehweg an der Peterstraße. Es sind die ersten "Stolpersteine" in der Schloss-Stadt. Besucher sind zu der Verlegung eingeladen, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung. Im Anschluss gibt es eine kleine Ausstellung zum Thema in der Geschäftsstelle des Vereins Bergische Zeitgeschichte (BZG), Islandstraße 1, der die Aktion unterstützt.

Der Künstler selbst zitiert auf der Homepage seiner Aktion den Talmud des Judentums mit den Worten: "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist." Mit seinen Steinen will er also nicht nur die Erinnerung an die Verbrechen der Nazizeit erhalten, sondern auch die Opfer und ihre Geschichte an sich.

Die Ereignisse von damals hat die Bergische Volkszeitung, die Vorgängerzeitung der Bergischen Morgenpost, seinerzeit ausführlich beschrieben. "Die Bevölkerung geriet in furchtbare Aufregung. Die Stadt ist in Aufruhr. Von der Polizei wurden Nationalsozialisten, darunter drei aus Lennep, verhaftet", schildert das Blatt die Zustände nach den Morden, zu denen es noch mehr Details gab. So wurde Bruno Blumberg durch "einen Herzschuss sofort getötet". Daraufhin sei der mutmaßliche Täter verfolgt worden, der sich dann im Haus des Dachdeckermeisters A. Marx an der Peterstraße versteckt habe. Als man dort versuchte, den vermeintlichen Todesschützen herauszuholen, habe Marx "durch das Guckloch in der Haustüre mehrere Schüsse aus einem Armeerevolver auf die Verfolger" abgegeben, berichtet die Volkszeitung. Dabei sei Friedrich Wilhelm Mondré durch einen Kopfschuss sofort getötet worden, Johann Fries erlag - ebenfalls nach einem Kopfschuss - später im Johannesstift seinen Verletzungen.

Der mutmaßliche erste Täter und der Dachdeckermeister Marx wurden verhaftet und zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt - diese wurden aber nach dem 30. Januar 1933, dem Tag der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, sofort annulliert. Die drei Ermordeten waren am 18. März 1932 beerdigt worden - damals unter großer Anteilnahme von mehr als 15.000 Hückeswagener Bürgern. Ab Montag werden ihre Namen nicht nur im Gedächtnis verankert, sondern auch im Boden der Peterstraße.

Quelle: RP
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