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Städtepartnerschaft Der Monat August In Etaples
Erinnerungen an alle, die auf See blieben

Städtepartnerschaft Der Monat August In Etaples: Erinnerungen an alle, die auf See blieben
Gemeinsam mit Bürgermeister Philipp Fait wird der Kranz dem Meer übergeben. Links daneben Daniel Fasquelle, ehemaliger Bürgermeister von Le Touquet Foto: Stadt FOTO: Etaples
Hückeswagen. Einmal im Monat beleuchtet unsere Redaktion das Geschehen in Hückeswagens Partnerstadt Etaples und der Region. Die Prozession auf der Canche vor Mariä Himmelfahrt ist Anlass, die vergangenen Jahrzehnte der Fischerei zu beleuchten. Von Axel Bornkessel

Es war ein Ausdruck traditioneller Frömmigkeit, als am Sonntag vor dem 15. August - Frankreich feierte Mariä Himmelfahrt - die Fischer am Ende ihrer Prozession durch die Stadt mit dem Ausflugsboot "Ville d'Etaples" zur Canche-Mündung hinausfuhren und dem Meer einen blumengeschmückten Kranz übergaben. Zum Gedenken an all jene, die auf See geblieben sind. Die Andacht vorher am Calvaire, jener alten Kreuzigungsgruppe am Hafen, zeugte von der Gläubigkeit der Etapler Fischer, die seit jeher vor dem Auslaufen den Segen für eine glückliche Heimkehr erbitten.

Bei ihrer gefährlichen Arbeit auf See, den Elementen ausgesetzt, haben Generationen von Fischern stets auf überirdischen Beistand vertraut. Auch jenseits von Sturm und Mastbruch ging es um ihre Existenz. Im wechselvollen Kräftespiel politischer Institutionen wussten sie ihre Interessen jedoch durchaus zu verteidigen. Eine Chronik.

In den mehr als 70 Jahren nach 1945 mussten die Fischer immer wieder ums wirtschaftliche Überleben kämpfen, und sie taten es gemeinsam: 1958 schlossen sie sich in Etaples zu einer Kooperative zusammen, die die Fänge besser vermarktete. Das Gewerbe veränderte sich unterdessen dramatisch - eine Ursache war der Gemeinsame Markt, seit 1965 verringerten sich die Einkünfte durch billige Importe aus anderen EU-Ländern um ein Drittel. Für die jüngere Generation war es nicht mehr selbstverständlich, wie Vater und Großvater Fischer zu werden.

Turbulente Zeiten brachen an, als allen Franzosen bewusst wurde, dass ihre goldenen 30 Jahre Wirtschaftsaufschwung zu Ende waren. Mit der Ölkrise 1973 konnte niemand mehr auf ständigen Fortschritt hoffen. Die Fischer spürten das als Erste: Es lohnte sich nicht mehr, auf Fang zu gehen. Allein der Kraftstoff war zu teuer geworden, zudem verfielen die Preise für Fisch. Die Zeit der Kämpfe begann: Anfang 1975 reisten 450 Fischer aus Etaples nach Paris. Als niemand sie dort im Ministerium anhörte, versperrten sie mit ihren Booten kurzerhand den Hafen von Boulogne. Endlich handelte die Regierung: Es gab Importregelungen und Zuschüsse für den Diesel.

Anfang der 80er-Jahre wurde der Kraftstoff wieder knapp und teurer. Abermals blockierten Etapler Fischer und ihre Kollegen Häfen in Nordfrankreich, diesmal reagierte der Staat schneller. Die etwa 80 Kutter aus Etaples hatten zu dieser Zeit ihren Liegeplatz bereits in Frankreichs größten Fischereihafen Boulogne, weil das Fahrwasser der Canche immer wieder versandet und daher für Hochseeschiffe nicht geeignet ist. Auch der Hafen am Fluss veränderte sich - Kai- und Deichanlagen wurden erneuert, 1984 entstand der Anleger für Freizeitboote.

Im Oktober 1987 griffen empörte Etapler Fischer abermals zur handfesten, aber inzwischen bewährten Notwehr - Hafenblockade, diesmal gegen die Ausweitung der britischen Hochseefischerei. Doch die Antwort kam nun nicht mehr aus Paris, sondern aus Brüssel - mit festen Fangquoten, Netzweiten und Fischereizonen. Die bewährte Etapler Fischergenossenschaft hatte inzwischen gelernt, mit unsicherer Existenz umzugehen, denn bislang hat sie die neuen Herausforderungen gemeistert, wie jüngste Meldungen zeigen (die BM berichtete im Juli).

Eine Sorge sind die Etapler Fischer immerhin los: Sie hatten sich darüber beklagt, dass in der Bucht ihrer Nachbarstadt Berck ein Meereswindpark errichtet werden soll. Anfang August, nach einer Radtour entlang der Côte d'Opale, überraschte sie nun Umweltminister Nicolas Hulot mit der Entscheidung, dass aus diesem Plan nichts wird.

Quelle: RP
 
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