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Hückeswagen
Ernste und tröstliche Musik in einem "eiskalten" Konzertraum

Hückeswagen: Ernste und tröstliche Musik in einem "eiskalten" Konzertraum
Einstellige Temperaturwerte im Kolumbarium, da waren selbst die Chormitglieder dick eingepackt. Dennoch überzeugten alle Beteiligten. FOTO: Jürgen Moll
Hückeswagen. Die Evangelische Kantorei gab am Sonntagnachmittag, zusammen mit Bariton Johannes Meyer und Organistin Margret Thiemann, ein besinnliches Konzert - in einem ausgekühlten Kolumbarium. Von Heike Karsten

Es war nicht das gemütlichste Konzert, dass die rund 70 Zuhörer in der Johanniskirche am Sonntagnachmittag miterlebten. Die Temperaturen im Kolumbarium waren der Jahreszeit angepasst, da nutzte auch das vorherige Heizen nicht viel. Und auch die historische Ibach-Orgel sträubte sich gegen die kühle Feuchtigkeit des Novembers und offenbarte kleine Zipperlein, die Organistin Margret Thiemann beim Spielen den Atem stocken ließen. "Wir hatten bei den Proben einen 'Heuler' in der Orgel", sagte sie nach dem Konzert. Damit gemeint war ein klemmender Dauerton, den Kantorin Ingrid Kammerer jedoch mit körperlichem Einsatz beheben konnte und der beim Konzert nicht wieder auftrat.

Irgendwie waren diese Rahmenbedingungen aber auch passend zum Thema des Konzerts zum Ende des Kirchenjahres. "Wir möchten Sie einladen, um mit uns Gedanken zu sammeln und sich zu besinnen", sagte Kammerer bei der Begrüßung. Gerade jetzt, in der düsteren Jahreszeit, werde die Endlichkeit des irdischen Lebens bedacht. Mit Musik lasse sich die Seele jedoch stärken. Und das schaffte der Chor unter dem Dirigat von Ingrid Kammerer ebenso wie Solist Johannes Meyer. Der Sänger und ehemalige Wermelskirchener Kantor mit der klaren Bariton-Stimme war im April in seine Heimatregion und an seine frühere Wirkungsstätte zurückgekehrt, nachdem er mehrere Jahre als Kreiskantor in Weimar tätig war. Nun lebt er in der Schloss-Stadt. "Es ist heute mein erstes Konzert in Hückeswagen nach meiner Rückkehr", berichtete er auf Nachfrage unserer Redaktion.

Die Auswahl der Programm-Stücke befriedigte schon höhere Ansprüche an die Kirchenmusik. "Vater-Unser-Vertonungen und andere Gesänge" lautete der Titel des Konzerts. Mit Begleitung von Margret Thiemann an der Orgel und am E-Piano brachte der Bariton geistliche Gesänge von Heinrich Schütz, Joseph Heydn und Johannes Brahms zu Gehör. Neben diesen historischen Werken stach das zeitgenössische Stück "Kommt herzu" von Bernard Wayne Sanders explizit heraus und war für manche Ohren aufgrund der ungewöhnlichen Tonfolgen befremdlich. Fast schon beschwingt und auflockernd wirkten dagegen die Einsätze der Kantorei. Die Choristen sangen von Hoffnung, Trost und Zuversicht und gaben dem Konzert damit die ausgleichende Portion an Leichtigkeit. Kurze Psalme und Lesetexte rundeten das fast 90-minütige Konzert ab.

Zuschauerin Dagmar Faust konnte die Vorführung genießen und auch Kraft daraus schöpfen. "Mir hat besonders die Mischung gut gefallen, und einige Stücke fand ich recht tröstend", sagte die Hückeswagenerin. Unterstützt wurde das Konzert vom Förderkreis der Kirchenmusik. Damit jeder die Möglichkeit hat, in den Genuss dieser Musik zu kommen, wurde kein Eintrittspreis erhoben. Es mag am Wetter oder am fast parallel laufenden Konzert von Eckhard Richelshagen im Heimatmuseum gelegen haben, dass nicht mehr Zuschauer den Weg in die Johanniskirche gefunden hatten.

Quelle: RP
 
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