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Hückeswagen
Erstes Jahr als "Schlossherr" gemeistert

Hückeswagen: Erstes Jahr als "Schlossherr" gemeistert
FOTO: Moll, J�rgen
Hückeswagen. Heute ist es genau ein Jahr her, dass Dietmar Persian dank seiner Unterschrift Bürgermeister von Hückeswagen wurde. Im Gespräch mit der BM blickt er auf ein anstrengendes, für ihn aber auch zufriedenstellendes erstes Amtsjahr zurück. Von Stephan Büllesbach

Den 25. März 2014 kann Dietmar Persian einfach nicht vergessen. Denn es war ein Tag mit gleich zwei Höhepunkten: Er wurde zwei Tage nach seiner Wahl nicht nur offiziell Bürgermeister von Hückeswagen, sondern sein Schwiegervater feierte auch seinen 80. Geburtstag - und das ist niemand anderes als Manfred Vesper, der Hückeswagen von 1989 bis 1999 als ehrenamtlicher Bürgermeister "regiert" hatte.

So schön der Start auch gewesen sein muss, so ernüchternd ist inzwischen das Alltagsgeschäft geworden. "Im Moment erlebe ich natürlich eine anstrengende Phase", stellt Persian mit Blick auf die schwächelnden städtischen Finanzen und die problematische Schulentwicklung klar. Doch obwohl die gemeinsame Gesamtschule mit Radevormwald am Veto der Nachbarstadt scheiterte und der Bürgermeister seinen Haushaltsentwurf in der jüngsten Ratssitzung zurückzog und jetzt wohl auf das ungeliebte Haushaltssicherungskonzept zusteuert, betont der 55-Jährige: "Die Arbeit macht mir viel Freude. Ich habe in den zurückliegenden zwölf Monaten sehr viele positive Dinge erlebt." Und dass es gerade mit Blick auf den Haushalt und die Hückeswagener Schulen nicht einfach werde, "habe ich vorher gewusst".

Was ihn vor allem freut, sind die vielen positiven Rückmeldungen von Hückeswagenern auch und vor allem in den zurückliegenden schwierigen Wochen. Auch habe es während seiner Amtszeit einige nette kleine Dinge geben, wie die Umgestaltung der mausgrauen und schäbigen Bushaltestelle an der Bahnhofstraße in ein buntes "Wohnzimmer". "Das war natürlich ein Highlight zu Beginn meiner Amtszeit", sagt Persian. Und auch der "Bürgerinitiative für Sozialverträgliche Steuererhöhungen", die ihn und die Verwaltung nun wochenlang wegen der geplanten drastischen Erhöhung der Grundsteuer B kritisiert hatte, gewinnt der Hobbymusiker und gläubige Christ viel Positives ab: "Es ist doch toll, wenn Menschen von der Couch aufstehen und sich engagieren."

Überhaupt sei das Engagement der Hückeswagener etwas, dass die Schloss-Stadt letztlich ausmache. "Ich erlebe viele aktive Menschen, vor allem in den Vereinen, die mit großer Freude und großem Engagement bei der Sache sind", lobt der Bürgermeister. Das seien wesentlich mehr als in anderen Städten.

Rückhalt bekommt Persian vor allem durch seine Familie. Und trotz der vielen Termine, die ein Verwaltungschef nunmal hat, sichert er sich auch immer wieder Freiräume zusammen mit seiner Frau. "Ich lese viel, wir gehen wandern, und ich mache hin und wieder Musik", erzählt er. Da stört es ihn auch nicht, wenn gerade in den sozialen Medien so mancher Angriff auf seine Person oder sein Amt unter die Gürtellinie ging. "Ich weiß davon", sagt er. "Aber ich bin nicht davon abhängig, ob mir Menschen Beifall klatschen oder nicht." Persian gibt aber zu, dass ihn so mancher Angriff nicht ganz kalt gelassen hat. Im Sinne eines besseren Miteinanders appelliert er: "Das Beste ist, sich persönlich zu unterhalten."

Mit Blick auf die Zukunft müsste es Persian eigentlich ein wenig bange werden. Denn unklar ist immer noch, wie es mit den Schulen in Hückeswagen weitergeht, und der Haushalt dürfte bis auf weiteres auch alles andere als ein Schmuckstück sein. Ein wenig Hoffnung setzt der Bürgermeister auf den Bund, der angekündigt hat, in zwei Jahren 1,5 Milliarden und 2018 fünf Milliarden Euro an die Kommunen zusätzlich verteilen zu wollen. "Der Bund hat gemerkt, dass er die Kommunen entlasten muss. Das löst zwar nicht alle Probleme, wäre aber schon eine Entlastung", versichert Dietmar Persian - und schränkt umgehend ein: "Wenn denn das Geld nicht wieder beim Land versickert."

Und dann gibt es doch etwas, dass seine Toleranz ins Wanken bringt. "Es ist nicht in Ordnung, den Kommunen wegen der Grundsteuer-Erhöhung den Schwarzen Peter in die Schuhe zu schieben", macht er seinen Unmut deutlich. Sie seien einfach nicht die Ursache des Problems, vielmehr seien die Mittel falsch verteilt. So fordert Persian erneut, dass an den bestehenden Behörden-Strukturen etwas geändert wird. "Es ist unsäglich, dass manche Landräte sich dagegen wehren, dass Polizeibehörden im Land zusammengelegt werden - nur weil sie nicht das prestigeträchtige Amt des Polizeichefs aufgeben wollen."

Trotzdem sieht der Hückeswagener "Schlossherr" positiv in die Zukunft. Denn das Engagement vieler Hückeswagener, darunter auch die vielen Mitstreiter der Bürgerinitiative, zeige, "dass alle gemeinsam die Herrausforderungen bewältigen wollen".

Quelle: RP
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