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Ansichtssache
Es braucht ein Umdenken beim Umgang mit Lebensmitteln

Ansichtssache: Es braucht ein Umdenken beim Umgang mit Lebensmitteln
FOTO: Moll Jürgen
Hückeswagen. Islandtafel und Initiative Foodsharing wollen zusammenarbeiten. Die Frühschwimmer kümmern sich bereits ein Vierteljahrhundert ums Hallenbad. Und die Stadt hat jetzt ein Problem bei der Vermarktung des Neubaugebiets "Altes Archiv". Von Stephan Büllesbach

Die Kuh ist - so scheint's - vom Eis. Islandtafel und Initiative Foodsharing arbeiten nicht gegeneinander, so wie es ein Helfer der Tafel vor zwei Wochen befürchtet hatte, sondern werden künftig kooperieren. Das ist eine gute Nachricht, und das hat Sinn. Denn es werden viel zu viele Lebensmittel weggeworfen. Beide Institutionen haben es sich dagegen zum Ziel gesetzt, einen Großteil davon nicht umkommen zu lassen: Die Islandtafel kocht dienstags und donnerstags aus den Lebensmittel-Spenden Drei-Gänge-Menüs für ihre bedürftigen Gäste und gibt ihnen das, was nicht verarbeitet wird, mit für daheim. Die Initiative Foodsharing holt ausrangierte Lebensmittel sechs Mal in der Woche bei Supermärkten ab, um sie zu verschenken - wer sich bedient, muss nicht einmal bedürftig sein. Denn den Initiatoren geht es darum, Lebensmittel zu retten.

Schuld an diesem Dilemma sind die Verbraucher: Der Apfel hat eine Delle? Die Banane hat einen schwarzen Fleck? Das Mindesthaltbarkeitsdatum läuft heute ab? Das alles ist häufig verpönt und landet daher nicht im Einkaufswagen. Dafür - im schlimmsten Fall - im Abfalleimer der Supermärkte. Dabei sind Obst und Gemüse mit leichten "Macken" genauso genießbar, wie hochglänzendes - womöglich sogar schmackhafter, weil reifer. Und das Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet nicht, dass etwa die Milch oder der Joghurt nach dessen Ablauf umgehend ungenießbar wird. Hier sollte ein Umdenken bei den Verbrauchern einsetzen. Aber das einzufordern in einer modernen Wegwerfgesellschaft würde bedeuten, Eulen nach Athen zu tragen. Einziger Trost: So bleiben Islandtafel und Foodsharern täglich genügend Lebensmittel zum Verschenken.

Er ist nicht nur Hückeswagens größter Verein, sondern auch der wohl wichtigste: Die Interessengemeinschaft Frühschwimmer hat es geschafft, dass das Hallenbad bis zum heutigen Tag überleben konnte. Ohne ihr Engagement würde die Schloss-Stadt kein Bürgerbad mehr haben und damit hier ein wichtiges Teil der Infrastruktur einer Kleinstadt fehlen. Seit 25 Jahren engagieren sich die Frühschwimmer für den Fortbestand des Bads - das ist eigentlich ein passender Grund zum Feiern.

Sie werden's aber nicht tun, weil sie ihre Kraft und ihre finanziellen Mittel lieber in "ihr" Bürgerbad stecken. Das macht deutlich, welches Engagement dahinter steckt. Es wäre jetzt an der Stadt, das unermüdliche Schaffen der Frühschwimmer in einem würdigen Rahmen zu honorieren.

Dass die GBS die drei Mehrfamilienhäuser im Neubaugebiet "Altes Archiv" nicht bauen will, ist ein schwerer Schlag für die Stadt. Sie hatte selbstverständlich mit der GBS als Bauherrin gerechnet und ihre Fühler nicht anderweitig ausgestreckt. Doch das muss sie nun tun, da sich die Genossenschaft an dem Projekt nicht die Finger verbrennen will. Was nicht verwundert, muss doch auch die GBS darauf achten, dass der Wohnungsbau rentabel ist. Allerdings sind die Kosten für sie offenbar in Hückeswagen kaum hereinzuholen, zumal die Zukunftsprognose bei der Bevölkerungsentwicklung auch keinen Anlass zum Jubeln gibt.

Ob die Stadt einen anderen Investor findet, scheint momentan sehr fraglich. Mit viel Pech könnte das Projekt scheitern. Dann würde das Fazit lauten: Viel heiße Luft und Anwohnerproteste um nichts.

Quelle: RP
 
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