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Rückblende Hückeswagen Vor 100 Jahren
Feierlichkeiten zu 400 Jahren Reformation im Ersten Weltkrieg

Hückeswagen. In diesem Jahr ist in Deutschland der heutige Reformationstag am 31. Oktober erstmals - und einzigartig - ein gesetzlicher Feiertag. Schon vor 100 Jahren war man sich eines solchen Jubiläums durchaus bewusst. Allerdings fielen die Feierlichkeiten zu 400 Jahre Reformation in ein denkbar ungünstiges Umfeld, war doch der November 1917 ein Kriegsmonat. Der Erste Weltkrieg forderte immer mehr Opfer, und die Not auch in der Schloss-Stadt Hückeswagen war groß.

Umso faszinierender ist ein Bericht in der Bergischen Volkszeitung - der Vorgängerzeitung der Bergischen Morgenpost - vom 5. November 1917, in dem die Festivitäten in der Schloss-Stadt umfassend beschrieben werden. Gefeiert wurde damals im Wesentlichen an zwei Tagen: Am Mittwoch, 31. Oktober, mit einem Festgottesdienst und darüber hinaus mit einer Festversammlung am Sonntag, 4. November. Bereits am Mittwoch muss die Stadt prächtig geschmückt gewesen sein. Den besten Eindruck vermittelt ein längeres ungekürztes Zitat: "Glockengeläute von beiden Kirchen läutete den großen Erinnerungstag an. Ein Bläserquartett ließ vom Turm der Pauluskirche Choräle erklingen. Reichster Fahnenschmuck, besonders auf der Marktstraße, gab der Feier auch äußerlich ein festliches Gepränge. Zum Festgottesdienst strömten die Gemeindeglieder in solchen Scharen zusammen, dass die große, 1200 Sitzplätze fassende Kirche bald überfüllt war. Im feierlichen Zug schritten die Herren des Presbyteriums und der Repräsentation, die vollzählig gekommen waren, vom Gemeindesaal an der Kölner Straße zur Kirche. Altar und Kanzel waren mit Girlanden, Lorbeerbäumen, Kränzen und Blumen geschmückt, von der Kanzel her grüßte ein Lutherbild." Der Artikel enthält einige interessante Informationen, etwa über die Anzahl der Besucher, die mit 1200 Personen immens hoch war. Auch ist zu lesen, dass sich 1917 der Gemeindesaal an der Kölner Straße befand. Wo dieser konkret zu finden war, ist noch ungeklärt. Jedenfalls hatte die Gemeindevertretung 1904 den Ausbau der Johanniskirche zu einem Gemeindehaus beschlossen. Allerdings wurde der Beschluss gemäß Heimatforscher Wilhelm Blankertz nicht ausgeführt, wohl aber wurde die Johanniskirche 1907 grundlegend renoviert. 1912 spendete Kirchmeister Arnold Hueck erneut 10.000 Mark für den "späteren Bau eines Gemeindehauses", und auch noch 1917 wurde darüber diskutiert. Der 4. November 1917 war schließlich der Tag der Festreden. Es sprachen ein Professor Schmitz aus Münster, der damalige Mittelschullehrer Wilhelm Blankertz sowie Pfarrer Friedrich Julius Stiehl.

Den Abschluss bildete die Aufführung eines Luther-Festspiels im Händelerschen Saale (heute Gaststätte "Zum Alten Markt"). Ein Riesenerfolg, denn: "Es war ein lebensgefährlicher Andrang. Es mussten die Gemeindeglieder aus der Stadt gebeten werden, den überfüllten Saal zu verlassen." Eine Woche später wurde das Festspiel auf vielfachen Wunsch erneut aufgeführt.

NORBERT BANGERT

Quelle: RP
 
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