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Hückeswagen
Festlicher Barock mit Glanz und Gloria

Hückeswagen. Die "Musik in der offenen Kirche" in der Pauluskirche setzt ein musikalisches Glanzlicht. Dafür sorgen der Kammerchor, das Philharmonische Orchester Bergisches Land, Organist Stefan Kammerer, die Kantorei und einige Projektsänger. Von Franz Mostert

Ohne den Gehalt der bisherigen sommerlichen "Musik in der Offenen Kirche" schmälern zu wollen, setzten die Akteure am Sonntagnachmittag ein Glanzlicht, das es in dieser Form in der Pauluskirchen-Musik-Serie wohl noch nicht gegeben hat. Kirchenmusikerin Ingrid Kammerer hatte diesmal mit Unterstützung des Förderkreises für Kirchenmusik ein opulentes Barock-Programm in Szene gesetzt, das dem Konzert-Titel "Bach - mit Pauken und Trompeten" vollauf gerecht wurde. Sie selbst sprach in kurzer Einleitung aus, was ein großes Publikum mitdachte: "Es geht um Glanz und Gloria" in festlichem Rahmen.

Dafür stand in erster Linie der geübte Kammerchor mit seinem Stamm von 30 Stimmen. Das Klangbild der Singgemeinschaft wuchs zeitweilig um weitere 20 Soprane, Altistinnen, Tenöre und Bässe aus "Kantorei" und Projekt-Stimmen, die seit Wochen das "Tutti" für anspruchsvolles Bach-Interpretieren eingeübt und jetzt am Sonntag auf den Punkt brachten. Ohne professionelle Instrumental-Basis ist eine Programmfolge in der von Ingrid Kammerer gewollten Dichte undenkbar. Hier war es erneut das in Hückeswagen nicht unbekannte Philharmonische Orchester Bergisches Land mit erforderlichen Streichern, Flöten, Oboen und, wie angekündigt, mit "Pauken und Trompeten". Letztere stiegen, wenn der "Ton die Musik machen soll" auf Cornets à Pistons um.

Bevor ins große Chorgeschehen eingestiegen werden soll, darf dem Organisten Stefan Kammerer hohes Lob für die Wiedergabe des Händelschen "Konzert opus 4, Nr. 2 B-Dur" mit Orchesterbegleitung gezollt werden. Die geringe Registrier-Möglichkeit des kircheneigenen Positivs reichte komplett aus, um festliches Händel-Konstrukt virtuos herüber zu bringen. Fünfmal war in voller Tragweite und in erstaunlicher Einheit das Projekt in die Breite des geübten Stamm-Chores eingebunden. Fünfmal musste auch gegen orchestrale Fülle "angesungen werden".

Das begann initial nach Bachs "Schmetternde Töne-Marsch" mit "Lob und Preis dem Herrn", gefolgt, immer auf den Thomas-Kantor reflektiert, mit Choral-Satz-Strophen. "Wohl mir, dass ich Jesum habe", "Gott der Herr ist Sonn und Schild" und das immer noch als "Choral von Leuthen" bekannte, aber gern emotional gesungene "Nun danket alle Gott", hier aus dem Bach-Werkverzeichnis 79.

Längst darf man beim Kammerchor Hückeswagen von ausgeglichenem Stimmpotenzial in ständig wachsender Einheit ausgehen. Bei seinen hochkarätigen und zugleich bei bester Besetzung machbaren Zielsetzungen ist, wie am Sonntag, die Dominanz der Damenstimmen unüberhörbar. Die einst so gepriesenen "Bergischen Tenöre" werden scheint's rarer. Dennoch: Chapeau für glanzvolles "Gloria" aus Johann Sebastian Bachs Mammut-Opus "h-Moll-Messe" und das innige "Dona nobis pacem" aus derselben Fantastik. "Bach - mit Pauken und Trompeten", der "Juni-Musik in der Offenen Kirche" gehört wie so Vieles unter Ingrid Kammerers Dirigat-Ägide zum Verklungenen mit hochwertigem Prädikat.

Quelle: RP
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