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Hückeswagen
Feuerwehrleute lernen Retten mit der Drehleiter

Hückeswagen: Feuerwehrleute lernen Retten mit der Drehleiter
Feuerwehrmann Tim Hogenfeld im Korb der Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr bei der "Rettung" von Oberbrandmeister Christian Klasen. Hogenfeld gehört zu den Feuerwehrleuten, die sich in diesen Wochen zum Drehleiter-Maschinisten ausbilden lassen. FOTO: bm-fOTO. jÜRGEN mOLL
Hückeswagen. Erstmals werden Feuerwehrleute vor Ort zu Drehleitermaschinisten geschult. Sonst geschieht dies in der Feuerwehrschule in Münster. Zwölf Mitglieder des Löschzuges Stadt nehmen an der Ausbildung teil. Von Cristina Buendia-Segovia

Es ist kurz vor elf Uhr am Morgen. Im Dachstuhl eines alten Fachwerkhauses in Schückhausen soll es brennen. Die Feuerwehrleute rücken entsprechend des Einsatzplans mit der Drehleiter aus. Doch ob sie mit dem sperrigen Gefährt in die engen und verwinkelten Wege der Ortschaft gelangen werden? Der Adrenalinspiegel steigt.

Wenige Minuten später treffen sie ein, Schückhausen 22: Es ist eng und steil. Die Drehleiter muss sicher abgestellt und abgestützt werden. Am Dachbodenfenster, vielleicht fünf Meter hoch, steht ein Mann und schreit nach Hilfe. Die Kameraden beeilen sich, doch es vergehen einige Minuten, bis das Fahrzeug in der Hanglage sicher steht.

Der Mann am Fenster schreit weiter. Als die Drehleiter sicher steht, steigt Feuerwehrmann Tim Hogenfeld (32) in den Rettungskorb und lässt sich langsam zur Zielperson hinaufbefördern. Der Mann am Fenster schreit, macht Anstalten, aus dem Fenster springen zu wollen. Hogenfeld versucht, ihn zu beruhigen, während die Drehleiter ausgefahren wird und sich von oben hinunter auf das Fenster zubewegt.

Bald ist es geschafft, nur noch wenige Zentimeter. Als der Korb auf Fensterhöhe stehen bleibt, hechtet der Mann unkontrolliert in den Korb. Hogenfeld greift nach ihm, zieht ihn zu sich. Es ist geschafft. Die Zielperson ist gerettet.

Dieses Szenario, dass einige schaulustige Bewohner der Ortschaft herbeigerufen hat, ist glücklicherweise nur gestellt und gehört zur praktischen Ausbildung eines Drehleitermaschinisten, die erstmalig vor Ort angeboten wird. Zwölf Freiwillige Feuerwehrleute nehmen daran teil. Die Theorie mit Fahrzeugkunde, Normen zu Unfallverhütung und Baurecht, Taktik und DIN-Normen haben sie hinter sich, nun geht es an die Praxis. Ausbildungsleiter Jan Philipp Arens (29) hat sich das Szenario überlegt. "Es geht darum, so schwierig wie möglich zu üben. Und in Schückhausen ist es kritisch, weil es sehr eng und verwinkelt ist und es schwierig ist, mit dem Fahrzeug dort reinzufahren." Den ganzen Tag über üben die Kameraden an verschiedenen Orten - in Schückhausen, der Altstadt und in einer großen Lagerhalle - mit verschiedenen Szenarien den Umgang mit der Drehleiter. "Jeder soll mindestens drei Übungen mitmachen", berichtet Arens, der sich im letzten Jahr zum Drehleiter-Ausbilder schulen ließ.

Die Schulung vor Ort sehen alle als positiv an. "Es ist besser, weil man gezielt auf die Gegebenheiten vor Ort eingeht und die Kameradschaft gestärkt wird", sagt Christian Klasen (30), der für die Übung den Mann im Dachstuhl gespielt hat. "In Münster macht man die Ausbildung mit Leuten, mit denen man nie wieder Einsätze fahren wird."

Hogenfeld ist nach dem simulierten Einsatz erleichtert. "Die Übung war sehr realistisch, der Kollege ist auch sehr gut in seiner Rolle aufgegangen", sagte der 32-Jährige schmunzelnd. Auch wenn er wusste, dass es sich um eine Übung handelte, "da geht es mit dem Puls richtig hoch." Zumal um die Szenerie herum die restlichen Kameraden mit ihren Klemmbrettern bereit stehen, um mögliche Fehler zu notieren. "Heute sind wir da, um Fehler zu machen, denn nur aus Fehlern lernt man", sagt Hogenfeld.

Für die zeitaufwendige Aus- und Fortbildung, sagen die Feuerwehrleute, opfern sie Teile ihrer Freizeit gerne, das diene dem Wohl der Allgemeinheit.

Quelle: RP
 
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