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Hückeswagen
Fleischmarkt soll zurück zu alter Stärke

Hückeswagen: Fleischmarkt soll zurück zu alter Stärke
Oliver Bernitz ist seit Anfang Oktober der Chef von etwa 250 Mitarbeitern. Der 47-Jährige will das Unternehmen wieder in der Erfolgsspur stabilisieren. FOTO: J. Moll
Hückeswagen. Oliver Bernitz leitet Fleischwaren Blumberg in Kobeshofen als neuer Geschäftsführer. Er will das Unternehmen endgültig wieder in die Erfolgsspur bringen, nachdem es von seinen Vorgängern zum Jahreswechsel in die Schieflage gebracht worden war. Von Stephan Büllesbach

Die Zigarettenkippen auf dem Parkplatz vor dem Eingang zur Verwaltung sind Oliver Bernitz ein Dorn im Auge. Auch das Papiertaschentuch, das auf dem Weg zum Ladeneingang liegt. Der 47-Jährige hebt es auf und entsorgt es im nächsten Mülleimer. Das ist typisch für den neuen Geschäftsführer des Kobeshofener Fleischmarkts: Bernitz legt Wert auf Ordnung und ein gepflegtes Erscheinungsbild des Hückeswagener Unternehmens, das mit 250 Mitarbeitern zu den vier größten in der Stadt zählt.

Und das will der gebürtige Westfale aus Halle wieder auf Vordermann bringen, nachdem es zu Jahresbeginn nach Fehlern der vorherigen Geschäftsführung kurz vor der Insolvenz gestanden hatte (s. unten stehender Bericht). Dazu wurde er von der Engelskirchener Firma Jaeger, die seit Mai Mehrheitseigner ist, und dem langjährigen Chef Karl-Josef Blumberg, der noch 30 Prozent der Anteile hält, Anfang Oktober eingestellt.

Bernitz kann auf den passenden Hintergrund verweisen. Mit 16 begann er eine Metzgerlehre, im Alter von 23 Jahren erhielt er seinen Meisterbrief, später machte er noch seinen Betriebswirt des Handwerks - allesamt Grundvoraussetzungen, um ein mittelständisches Unternehmen, wie Fleischwaren Blumberg eines ist, zu leiten. Bernitz arbeitete mehrere Jahre bei der Privat-Fleischerei Reinert in Versmold in der Qualitätssicherung, später dann im Controlling. Als die einen weiteren Standort kaufte, wurde er dort Leiter des Controllings, anschließend baute Bernitz in eineinhalb Jahren den Standort in Rumänien auf. Danach wechselte er als Controlling-Chef in ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern, also ähnlich dem in Kobeshofen, und führte die Unternehmenssoftware SAP ein. Später arbeitete er in der Schweiz für die Firma Bell - einer der größten Fleischproduzenten in Europa.

Bereits im vorigen Jahr war Bernitz als Leiter des Einkaufs und des Controllings bei Fleischwaren Blumberg beschäftigt, kündigte aber nach acht Monaten wieder: "Ich war nicht einverstanden mit denen, die damals das Sagen hatten, und bin wieder zurück in die Schweiz gegangen", sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Dabei hatte ihn gerade das kleine, mittelständische Unternehmen gereizt. Seinen Vorgängern wirft er vor: "Die hatten keine Ahnung von der Materie und kein Hintergrundwissen." Sie hätten es nicht verstanden, das Unternehmen dorthin zu führen, wo es hingehöre.

Karl-Josef Blumberg, der zu Jahresbeginn selbst wieder ins Alltagsgeschäft des Unternehmens zurückgekehrt war, nahm im Februar/März Kontakt mit ihm auf, um ihn zur Rückkehr zu animieren. Im Mai gab es dann auch noch Gespräche mit Blumberg und Jaeger-Geschäftsführer Hendrik Pilatzki, die dann den Ausschlag gaben, dass Bernitz zum 1. Oktober als Geschäftsführer zurückkehrte. "Das Unternehmen war top, und man hätte es noch weiter positiv verändern können", sagt der 47-Jährige. "Ich war ja nur weggegangen, weil ich hier nichts umsetzen konnte." Doch das soll sich nun ändern.

Der neue Geschäftsführer will etwa die Produktionsprozesse verändern. "Wir wollen ein Handwerksbetrieb bleiben, müssen aber teilweise die Standards verbessern." Dazu gibt er ein Beispiel: Wenn ein Großkunde eine Bestellung von Würsten aufgibt, sollen die frisch auf dem Lager liegen und nicht erst noch produziert werden müssen. Die Qualität soll gleichbleibend sein, habe aber unter der früheren Geschäftsführung doch gelitten. Bernitz: "Wir wollen uns wieder auf unsere Stärken konzentrieren - auf bergisch-authentische Produkte wie Schinken-Fleischwurst, Bratwurst oder Mettwurst."

Der neue Chef will den Außenauftritt des Fleischmarkts verbessern, und die Mitarbeiter sollen im Umgang noch freundlicher und kompetenter werden. Auch das hatte in den Vorjahren gelitten. Die Mitarbeiter werden nun entsprechend geschult. Bernitz will sie auf seinem Weg mitnehmen, "denn sie sind alle sehr gut ausgebildet, und ohne ihr Fachwissen geht es nicht".

So soll Fleischwaren Blumberg auch personell weiter wachsen: "Wir suchen noch Fachkräfte, vor allem gelernte Metzger", sagt der Geschäftsführer. Darüber hinaus bildet das Unternehmen aus: Aktuell sind je zwei Azubis in der Produktion und im kaufmännischen Bereich angestellt. Die schwierigen Zeiten in Kobeshofen sollen endgültig der Vergangenheit angehören.

Quelle: RP
 
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